ATB kündigt hunderte Mitarbeiter und verlagert die Produktion

Gravierender Einschnitt beim traditionsreichen steirischen Antriebstechnik-Spezialisten ATB: Alle 360 Mitarbeiter aus dem Bereich der Produktion werden gekündigt. Die Produktion wird verlagert.

ATB kündigt hunderte Mitarbeiter und verlagert die Produktion

En Jahrhundert lang stellte ATB in der Steiermark Antriebsmotoren her. Nun wird die Produktion abgesiedelt.

Die steirische ATB Spielberg (ISIN AT0000617832), ein Unternehmen mit einer hundertjährigen Tradition, steht vor einem massiven Einschnitt. Das auf eine 1919 von Gottlob Bauknecht gegründete elektrotechnische Werkstatt zurückgehende Unternehmen wird die Produktion von Motoren in Spielberg einstellen und an einen noch nicht genannten Ort verlagern.

360 der 400 Mitarbeiter werden dadurch ihre Arbeitsplätze verlieren. Schon seit April war die Belegschaft in Kurzarbeit.

Im Werk Spielberg wurden Motoren für Haushalts-und Gartengeräte - unter anderem Rasenmäher - hergestellt. Die Mitarbeiter wurden im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert. In Spielberg verbleiben sollen nur noch die Bereiche Forschung und Entwicklung, der Vertrieb und die Logistik mit 40 Mitarbeitern.

Corona als Stolperstein

Die Coronakrise hatte ATB massive Umsatzrückgänge eingebrockt. „Der daraus entstehende Preisdruck auf dem Absatzmarkt und die schlechten gesamtwirtschaftlichen Prognosen für die Industrie erfordern eine Neuausrichtung", erklärte das Unternehmen in einer Aussendung.

Das Produktportfolio der ATB Gruppe umfasst Projekt- und Großmotoren, Serien- und Industriemotoren, Elektromotoren für Haus- und Gartenprodukte sowie Lösungen für komplette Antriebssysteme im Leistungsbereich von 25 W bis 25 MW. Dazu gehören auch Schiffsantriebe oder Motoren für die Energieerzeugung und erneuerbare Energien wie Wind- und Wasserturbinen.

"Völlig unnötige Schließung"

ATB gehört seit Herbst 2011 zu 100 Prozent zur chinesischen Wolong-Gruppe, zuvor war die seit fast 100 Jahren in verschiedenen Formen existierende ATB unter anderem im Besitz von Mirko Kovats und Christian Schmidt. Die Gesellschaft, zu der so renommierte Marken wie Schorch, Morley, Laurence Scott oder Brook Crompton zählen, produziert derzeit an zwölf Standorten – in Spielberg, Welzheim, Mönchengladbach, Nordenham, Leeds, Norwich, Wuhan, Tarnow, Eindhoven, Shaoxing, Subotica und Bor – und beschäftigt mehr als 3.500 Mitarbeiter.

Ex-Eigentümer Mirko Kovats kritisierte die "völlig unnötige Schließung eines wettbewerbsfähigen österreichischen Industriestandortes durch den chinesischen Eigentümer". Kovats ortet eine "offensichtlich langfristig geplante Schließungsstrategie nach erfolgtem Technologietransfer". Das Unternehmen sei 2011 auch um 60 Millionen Euro vom Insolvenzverwalter an Wolong "quasi verschenkt" worden.

Kovats bedauerte einen "nicht umkehrbaren Technologietransfer von zum Beispiel geräuschlosen Großgeneratoren für Atom-U-Boote, Großmotoren für die Petrochemie und Offshore-Ölgewinnung, explosionsgeschützte Motoren für den Kohlebergbau, und nun umweltfreundliche effiziente Kleinmotoren nach China: Die Geschichte eines Misserfolges und verschleuderten österreichischen Technologieunternehmens."

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