Aspern: 45 Millionen für Smart City Forschungsprojekt

Smart City Wien-Aspern: Ein Experimentierfeld für neue Technologien.

Smart City Wien-Aspern: Ein Experimentierfeld für neue Technologien.

Das Wiener Stadterweiterungebiet Aspern ist für die Partner Siemens, der Stadt Wien und den angeschlossenen Universitäten ein lebendes Forschungsobjekt und Experimentierfeld für den Einsatz neuer Technologien. Die seit 2013 laufende Kooperation wurde jetzt bis 2013 verlängert. Weitere 45 Millionen Euro werden bereitgestellt.

Von der Wiener Bevölkerung weitgehend unbemerkt ist am Rande der Stadt ein neues Stadtviertel entstanden, das international viel beachtet wird und Anerkennung findet: Die Seestadt Aspern, eines der wenigen existierenden Fallbeispiele, in der das Modell der energieautarken Smart City der Zukunft erforscht wird.

Im Rahmen der Forschungskooperation Aspern Smart City Research (ASCR) arbeiten die Partner Siemens, Wien Energie, Wiener Netze, Wirtschaftsagentur Wien und die Seestädter Entwicklungsgesellschaft Wien 3040 in Kooperation mit den Universitäten gemeinsam an der Weiterentwicklung der urbanen Energiezukunft. Die seit 2013 laufende Kooperation, der bereits elf Patente entsprungen sind, wurde nun um fünf weitere Jahre - bis 2023 - verlängert. Die Partner stellen dafür zusätzliche 45 Millionen Euro zur Verfügung.

Für den Technologiepartner Siemens hat das Projekt Aspern City große Bedeutung, weshalb das Projekt auch für Siemens Österreich eine enorme Standortrelevanz hat. Roland Busch, Chief Technology Officer und Mitglied des Vorstands der Siemens AG, sieht es als ein Role-Model mit internationaler Strahlkraft. "Städtekunden sind nicht immer die innovativsten. Viele fragen mich, wo denn unsere Technologien schon im Einsatz ist. Wir laden daher oft Kunden aus der ganzen Welt nach Aspern City ein, um ihnen zu zeigen, was dort passiert."

Gemeinsam mit Partnern erforscht, entwickelt und testet Siemens innerhalb der Forschungsgesellschaft Aspern Smart City Research (ASCR) nachhaltige und innovative Produkte aus den Bereichen Energie, Umwelt, Gebäudetechnik und intelligente Stromnetze in einem "Living-Lab".

Experimentierfeld Aspern

Die Seestadt Aspern ist eine kleine digitale Stadt, in der Siemens die neuesten Technologien in den Bereichen der Gebäudetechnik, des Netzwerk-Managements und der Speichertechnologien praktisch am lebenden Objekt ausprobieren und weiterentwickeln kann und die auch einen Weg für eine neue Mobilität zeigt. Allesamt Schlüsselbereiche für den im Wandel befindlichen Technologie-Konzern (siehe Artikel: "Inside Siemens: Wie CEO Joe Kaeser den Konzern umbaut"). Busch: "Für mich ist das ein Super-Beispiel. Wir haben eine ganze Menge an Ressourcen, die gerade in diese digitale Zukunft hineinarbeiten."

Auch für Siemens Österreich Generaldirektor Wolfgang Hesoun hat das Forschungs-Joint-Venture eine besondere Bedeutung. Die Smart City Wien-Aspern ist eines der Leuchtturmprojekte, die im ganzen Siemens-Konzern beachtet werden und somit auch zur weiteren Stärkung Absicherung des Standorts Wien beitragen. Die fruchtbare Kooperation mit der Stadt Wien ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Hesoun: „Siemens ist es immer wieder gelungen, wesentliche Kompetenzen und Leuchtturmprojekte in Österreich anzusiedeln. Möglich ist dies nur aufgrund der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und dem Interesse intensiv in Forschung und Entwicklung - einem wesentlichen Standortfaktor - zu investieren.“

"Erfinder des Jahres 2017": Andreas Lugmaier (Siemens Corporate Technology, li.) und Friederich Kupzog vom Austrian Institute of Technology.

"Erfinder des Jahres 2017": Andreas Lugmaier (Siemens Corporate Technology, li.) und Friederich Kupzog vom Austrian Institute of Technology.

Welche Relevanz das Projekt Aspern City für den Siemens-Konzern hat demonstriert auch, dass Mitte Dezember die Siemens-interne Auszeichnung "Erfinder des Jahres 2017" in der Kategorie Open Innovation an Andreas Lugmaier (Siemens Corporate Technology) und Friederich Kupzog vom Austrian Institute of Technology ergangen ist. Ausgezeichnet wurden die beiden Techniker für ihre Arbeit in Aspern, wo sie an der Weiterentwicklung der intelligenten Stromnetze arbeiten. So haben sie beispielsweise eine Software entwickelt, die Messdaten aus dem Netz analysiert und damit erkennt, welche Wege der Strom im Niederspannungsnetz, also auf der "letzten Meile" zum Energiekunden, nimmt.

"Wir können dort am lebenden Objekt gestalten, probieren und neue Technologien einbringen", beschreibt Lugmaier die Vorteile der Experimentierstube Aspern. Die große Herausforderung ist für die Techniker dabei die Komplexität, die sich aus der dezentralen Stromversorgung ergibt, die innerhalb eines Smart Grids funktionieren muss. Lugmaier: "Aspern ist ein Test-Szenario für Smart Buildings, die Energieversorger und Smart User." Die Konzepte und Ansätze dahinter sind zwar nicht ganz neu, aber eben in der Praxis noch kaum erprobt und es ergeben sich, wie die "Erfinder des Jahres" sagen, immer wieder neue Herausforderungen, weil sich die Theorie nicht so einfach auf die Praxis umlegen lässt.

Neue Forschungsprojekte

„Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass hochkomplexe Lösungen erforderlich sind, wenn man die Energiewende realisieren und künftige Markt- und Effizienzpotenziale nutzen will", sagt dazu auch Projektkoordinator Alexander Schenk von Siemens Energy Management. Ausschlaggebend sei, dass diese Komplexität vom System weitestgehend selbst gemanagt und von den Benutzern ferngehalten wird. Die Komponenten im Gebäude- und Netzbereich müssen sich daher im Sinne von Plug & Play möglichst selbst konfigurieren und selbstständig an Änderungen anpassen.

Die weiteren Forschungsaktivitäten zielen darauf ab, die Betriebskosten für Gebäude und Netzinfrastruktur zu minimieren. Beispielsweise sollen Gebäudeoptimierungssysteme weiterentwickelt werden, wobei digitale Gebäudedaten in Form eines BIM (Building Information Model) eine wichtige Rolle spielen. Die Forschung im Bereich Smart Building soll vertieft werden, und auch die Digitalisierung des gesamten Energiesystems soll noch stärker in den Fokus rücken. Auch die Potenziale von Batteriespeichern sollen aus Sicht eines Netzbetreibers und eines Energiehändlers näher untersucht und prototypische Lösungen in die Feldtestumgebung eingebaut werden.

Ebenso wird das Thema E-Mobilität in ASCR 2.0 vertreten sein. Dabei geht es um Lösungen für eine verstärkte Integration von Ladeinfrastruktur in das Verteilernetz der Wiener Netze. Zudem werden Geschäftsmodelle im Bereich des bidirektionalen Betriebs von Fahrzeugbatterien untersucht. Dafür werden Batterien gesteuert geladen und entladen, um sie für einen flexiblen Stromhandel zu nutzen. Für Siemens CTO Busch ebenfalls eine der Vorzeige-Domänen von Siemens Österreich: "Wir haben in Österreich einen ganz starken Footprint im Bereich Mobilität und sehen eine ideale Möglichkeit, um den Markt weiter zu entwickeln."

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