"Breite Diversifikation allein rettet einen nicht"

Leo Willert ist Gründer und Geschäftsführer ARTS Asset Management

Leo Willert ist Gründer und Geschäftsführer ARTS Asset Management

Er hat das Thema Trendfolger in Österreich populär gemacht: Leo Willert, Gründer und Geschäftsführer der 2003 gegründeten ARTS Asset Management. Und was sagt der Trend? Er weist Richtung Konsumgüter-Aktien und Immobilienwerte. Für Mutige heißt der Länderfavorit Taiwan.

Auf welche Trends springt das ARTS-Handelssystem aktuell an??
Bis vor Kurzem waren es noch Osteuropa und Rohstoffe, nach der jüngsten Korrektur an den Märkten sind es aktienseitig defensivere Sektoren wie Konsumgüter-Titel weltweit sowie globale Immobilienwerte. Geografisch gesehen ist es die Pazifik-Region, insbesondere Taiwan. Bei Anleihen sind es derzeit Emerging-Markets-Unternehmensanleihen mit Asien-Schwerpunkt, teils auch in lokaler Währung.

Worauf soll ein Privatanleger jetzt am besten setzen? Ist Diversifikation das richtige Rezept?
Breite Diversifikation allein rettet einen nicht. Zwischen 2000 und 2003 hat der MSCI-Weltaktienindex über 50 Prozent verloren und zwischen 2007 und 2009 gleich noch einmal. Sind starke negative Trends da, braucht man ein Signal, um das Geld aus Märkten abzuziehen. Warum das so wichtig ist: Das Plus, das ich benötige, um einen Verlust auszugleichen, steigt exponentiell an. Zehn Prozent Minus mache ich mit elf Prozent Plus wett, 20 Prozent mit 25. Aber bei einem Verlust von 50 Prozent ist bereits ein 100-prozentiger Ertrag vonnöten. Da kommt unsere trendfolgende Logik ins Spiel: Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen.

Drückt sich der Nutzen Ihrer Strategie in starken Nettomittelzuflüssen aus?
Langfristig ja, aber da der Bullenmarkt schon zwölf Jahre anhält, hatten passive Investments und solche ohne Absicherung zuletzt den meisten Zulauf – möglicherweise ein Zeichen dafür, dass die Party bald vorbei ist. Es gibt eine Studie, wonach allein die Entscheidung, wann ein Investor in ein passives Investment hineingeht – also Kauf, Verkauf oder Umschichtung – im Schnitt 4,6 Prozent pro Jahr Underperformance bedeutet. Und das Verrückte: Das Timing ist umso schlechter, je besser zum Beispiel der Fonds performt. Kaum ein Mensch schafft also gutes Timing. Der C-Quadrat ARTS Total Return Global AMI performt seit mehr als 16 Jahren im Schnitt mit annähernd sechs Prozent pro Jahr.


Der Gewinn-Trade ist bei uns in Relation doppelt so groß wie ein Verlust-Trade. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Wie viele der Trades in Ihrem System sind Gewinner?
Rund 60 Prozent unserer Trades haben ein positives Vorzeichen, der Rest sind Verlust-Trades, eigentlich ziemlich viel. Aber das Wesentliche: Der durchschnittliche Gewinn-Trade ist in Relation doppelt so groß wie ein Verlust-Trade. Das ist der Schlüssel zum Erfolg – deshalb muss unsere Trefferquote gar nicht so hoch sein.

Haben Sie Ihr Handelssystem über die Jahre angepasst?
Nein. Der Global AMI ist immer noch ein vermögensverwaltender Fonds mit einer Aktienquote zwischen 0 und 100, und es gelangt immer noch eine stringente Stop-Loss-Politik zur Anwendung. Was sich geändert hat, sind die Regularien. Und vor allem das verfügbare Investment-Universum: 2003 gab es in Europa kaum börsengehandelte Indexfonds oder ETFs (Exchange Traded Funds). Heute machen sie im Schnitt 30 bis 40 Prozent unseres Portfolios aus. Es finden sich rund 2.000 ETFs in unserer Datenbank, kaum ein Thema wird nicht aufgegriffen, angefangen von Automation über Wasserfonds bis hin zu Länder-ETF. Auch anleihenseitig gibt es viel Angebot; so kann man Trends heute sehr gut über diese sogenannten passiven Investments abdecken. Mit dieser immensen Auswahl sind auch die Handelskosten stark ­gesunken, ETFs punkten ja mit geringen Spesen.


Zur Person

Leo Willert, ist der Vater der ARTS Fonds. Das von ihm entwickelte technische Handelssystem trifft Investment-Entscheidungen auf Basis einer mehrmals täglich aktualisierten Datenbank und frei von menschlichen Emotionen.

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