Arbeitsmarkt: Lage positiv, aber Ausblick ist unsicher

Bis Ende März 2022 ist die Arbeitslosigkeit in Österreich weiter gesunken. Die Arbeitslosenquote beläuft sich auf 6,3 Prozent und liegt somit auf dem niedrigsten Wert seit 2008.

Arbeitsmarkt: Lage positiv, aber Ausblick ist unsicher

Wien. Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) hat heute eine durchaus positive Bilanz des Arbeitsmarktes gezogen, wie wohl der Krieg in der Ukraine und die Probleme in den Lieferketten Unsicherheiten mit sich bringen. Der Jobmarkt werde sich im Zuge der Sanktionen wohl eintrüben und die Zahl der Jobsuchenden nicht mehr so rasch zurückgehen, ein wichtiges Mittel, um dies aufzufangen, sei die Kurzarbeit. Jedenfalls sei die Lage am Jobmarkt robust und Unwägbarkeiten verkraftbar.

Im März des heurigen Jahres ist die Arbeitslosenquote auf 6,3 Prozent gesunken, das ist der niedrigste Wert seit 2008. Ende Februar 2022 betrug die Arbeitslosenquote noch 7,3 Prozent.

261.917 Personen waren im März arbeitslos, 73.970 Personen in Schulungen. Die Zahl der Jobsuchenden lag damit im März nicht nur unter dem Vorkrisenwert (2019) von 368.979 Personen, sondern in absoluten Zahlen auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Drastisch höher waren die Arbeitslosenzahlen in den Coronajahren 2020 (um 226.635 Betroffene) und 2021 (um 121.930 Betroffene).

Dass die Corona-Kurzarbeit mit Ende März ausgelaufen ist und nunmehr wieder die übliche Kurzarbeitsregelung gilt, verteidigt der Minister. Schließlich seien auch die Einschränkungen für die Wirtschaft durch die Corona-Lockdowns vorbei.

Aktuell sind 161.114 Personen zur Kurzarbeit vorangemeldet. Rund 26.000 Personen sind somit weniger zur Kurzarbeit vorangemeldet als Ende Februar.

Zur Integration der geflüchteten Menschen aus der Ukraine meinte Kocher, dass bisher 7.000 blaue Identitätsausweise ausgeschickt wurden, mit denen sich die Inhaberinnen und Inhaber jederzeit bei Arbeitgebern oder dem AMS melden könnten. Bis dato gebe es erst wenige Arbeitsverhältnisse, diese würden aber in den nächsten Wochen deutlich mehr werden.

Die Arbeiterkammer betonte heute, die Vermittlung der Geflüchteten durch das AMS müsse jedenfalls die mitgebrachten beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen berücksichtigen. "Vor allem bei reglementierten Arbeitsfeldern, wie etwa Gesundheits-, Pflege- und pädagogische Berufen, muss es ein 'Fast Track'-Verfahren zur Nostrifizierung geben", so AK-Präsidentin Renate Anderl.

Gefragt zu einer eventuellen Lohn-Preis-Spirale durch die laufenden Kollektivvertragsverhandlungen in der Frühjahrslohnrunde meinte Kocher, hier sei es wichtig, die gesamtwirtschaftliche Situation zu betrachten, gleichzeitig aber auch die Kaufkraft sicherzustellen. Dies gelte insbesondere für niedrige Einkommen, die von der aktuell hohen Inflation besonders betroffen sind. "Das wird nicht einfach werden", erklärte Kocher heute vor Journalisten.

Der Wirtschaftsbund meinte heute in seiner Auswertung der Arbeitsmarktzahlen: "Einen vierten Monat in Folge steigt die Anzahl an offenen Stellen und erinnert wie ein monatlicher Weckruf daran, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Fehlende Arbeitskräfte dürfen nicht zum Bremsklotz für den wirtschaftlichen Aufschwung werden."

Und auch die Industriellenvereinigung (IV) betonte, dass die Zahl der offenen Stellen neuerlich auf Rekordniveau liegt. "Zur Stärkung des Beschäftigungsstandortes Österreich müssen wir die vorhandenen Potenziale am Arbeitsmarkt bestmöglich nutzen und die Vermittlungseffizienz erhöhen", so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Die Arbeitsmobilität in Österreich sei nämlich vergleichsweise gering.

WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf verwies darauf, dass die Wirtschaft bis dato der Krise trotze und nach wie vor neue Mitarbeiter einstelle. "Nahezu jeder, der will, findet auch einen Job. Wir müssen daher alles tun, um Angebot und Nachfrage besser zusammenzuführen", so Kopf.

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