Arbeitsmarkt: Entspannung hält weiter an, Jobangebot wächst

Arbeitsmarkt: Entspannung hält weiter an, Jobangebot wächst

Die positive Entwicklung am österreichschen Arbeitsmarkt hält weiter an. Die Zahl der offenen Stellen steigt, die Zahl der Arbeitslosen sinkt. Im Februar machte sich allerdings auch die Kälte bemerkbar, von der die Baubranche beeinträchtigt wurde.

Der österreichische Arbeitsmarkt entwickelt sich anhaltend erfreulich. Im Februar wurde die Dynamik der Entwicklung allerdings durch die Kälteperioden abgeschwächt. Vor allem die Bauwirtschaft zitterte: Während die in dieser Ende Jänner um mehr als 11.000 Personen bzw. 14 Prozent sank, betrug der Rückgang Ende Februar nur 2.039 bzw. rund drei Prozent.

Auf die Arbeitslosenstatistik insgesamt hat sich die gute Konjunkturlage in Österreich erneut "sehr erfreulich" ausgewirkt. Inklusive AMS-Schulungsteilnehmern waren Ende Februar 444.426 Personen auf Arbeitssuche, was einem Rückgang von 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Nach nationaler Definition sank die Arbeitslosenquote laut Sozialministerium um 1,0 Prozentpunkte auf 9,0 Prozent.

Nach Eurostat-Rechnung ist die Arbeitslosigkeit deutlich geringer. Demnach lag sie in Österreich im Jänner 2018 bei nur 5,5 Prozent, was im EU-Vergleich den elften Rang bedeutet. Die niedrigsten Arbeitslosenraten gab es in Tschechien (2,4 Prozent), Malta (3,5 Prozent) und Deutschland (3,6 Prozent). Die höchsten Quoten vermeldeten weiter Griechenland (20,9 Prozent) und Spanien (16,3 Prozent). Im EU-Durchschnitt lag die Arbeitslosenquote im Jänner bei 7,3 Prozent.

Arbeitslose im Februar; Vergleich 2013 - 2018

Arbeitslose im Februar; Vergleich 2013 - 2018

In Österreich war der Rückgang Jugendarbeitslosigkeit am stärksten deutlich. Diese verringerte sich im Februar um 7,6 Prozent. Die Jugendarbeitslosenrate lag im Jänner in der EU bei 16,1 Prozent und im Euroraum bei 17,7 Prozent. Bei Personen im Haupterwerbsalter zwischen 25 und 49 Jahren sank die Zahl der Arbeitslosen in Österreich im Februar um 7,3 Prozent. Bei den Langzeitbeschäftigungslosen gab es einen deutlichen Rückgang um 12,3 Prozent.

Problem bei Älteren

Benachteiligter waren einmal mehr ältere Personen, wenngleich es auch hier einen Rückgang um 4,3 Prozent gab. Deutlich schwieriger, sich erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, hatten es Ausländer. Während die Zahl der Arbeitslosen bei Inländern im Jahresvergleich um 9,3 Prozent zurückging, verringerte sie sich bei Ausländern nur um 0,4 Prozent. Auch bei Personen mit Behinderung ging die Arbeitslosenzahl lediglich um 2,5 Prozent zurück. Von der Opposition kam daher auch umgehend wider Kritik an den Plänen der Regierung, bei der Arbeitslosenförderung 600 Millionen Euro einsparen zu wollen. "Damit werden genau jene Gruppen – ältere und langzeitarbeitslose Menschen bestraft, die am wenigsten von der guten Wirtschaftslage profitieren“, warnt SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch.

Arbeitslose; Veränderung zum Vormonat und Bundesländerwerte

Arbeitslose; Veränderung zum Vormonat und Bundesländerwerte

Im Bundesländervergleich zeigt sich ein Ost-West-Gefälle: Während sich die Zahl der Arbeitslosen inklusive Schulungsteilnehmern in Tirol um 12,3 Prozent verringerte, war der Rückgang in Wien mit 3,2 Prozent am geringsten.

Nach Branchen betrachtet kam es im Februar überall zu rückläufigen Arbeitslosenzahlen, wenngleich mit unterschiedlichen Ausprägungen. Am höchsten war dieser im Bereich "Herstellung von Waren" (-14,8 Prozent), in der Gastronomie (-11,2 Prozent), im Handel (-11,1 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (-10,5 Prozent), am geringsten am Bau (-3,1 Prozent) sowie im Bereich Verkehr (-7,7 Prozent).

Stellenangebot steigt weiter

Das Sozialministerium betont, dass sich an der Entwicklung der offenen Stellen zeige, dass der Aufwärtstrend in der österreichischen Wirtschaft weiter anhält. Die Zahl der gemeldeten sofort verfügbaren offenen Arbeitsplätze lag Ende Februar mit 62.867 um 27 Prozent über dem Vorjahreswert. Am Lehrstellenmarkt gibt es nach wie vor mehr Lehrstellensuchende (5.047) als sofort verfügbare offene Stellen (4.947). Ein Überhang an freien Lehrplätzen besteht in Tirol und Salzburg, hier vor allem durch die Nachfrage in Tourismusberufen, aber auch in Oberösterreich. Deutlich mehr Lehrstellensuchende als offene Lehrstellen gibt es in Wien.

Für Bernhard Achitz, dem leitenden Sekretär des ÖGB ist die positive Entwicklung aber auch ein Erfolg der Sozialminister und des Arbeitsmarktservice, die "in den vergangenen Jahren voll auf aktive Arbeitsmarktpolitik gesetzt haben“. Achitz forderte daher in Richtung Regierung, dass weiter in aktive Arbeitsmarktpolitik investiert wird: „In Zeiten, wo Unternehmer ständig über fehlende Fachkräfte jammern, ist es völlig unverständlich, die Finanzierung von Programmen wie Fachkräftestipendium, Kompetenz mit System, FacharbeiterInnen-Intensivausbildung in den Schulungszentren des AMS zu stoppen. Und auch bei der Lehrlingsausbildung in den Überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen droht ein Kahlschlag.“

Martin Gleitsmann, Leiter der Sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich, forderte von der Politik: "Das Motto muss lauten: Dort, wo Maßnahmen erfahrungsgemäß ineffizient sind, sind Kürzungen zu rechtfertigen. Instrumente aber, die die Menschen nachweislich in die Betriebe bringen, gilt es zu forcieren. Dazu gehören etwa die Eingliederungsbeihilfe und die sehr erfolgreichen, relativ kostengünstigen Ausbildungen, die direkt in den Betrieben stattfinden.“

NEOS-Arbeitsmarktsprecher Gerald Loacker fordert, die Zumutbarkeitsbestimmungen zu reformieren: „Es gibt ein massives Arbeitskräftegefälle zwischen Osten und Westen in Österreich, hier braucht es klare Maßnahmen. Auch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen für ältere Arbeitsuchende oder Langzeitarbeitslose haben in der aktuellen Konjunktur bessere Erfolgschancen", betont Loacker abschließend.

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