Arbeitslosigkeit: Der lange Weg aus der Krise

Österreichs Wirtschaft erholt sich nur langsam vom Corona-Schock. Deutlich macht das die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Trotz weit verbreiteter Kurzarbeit gibt es um 107.000 Arbeitslose mehr als im Vorjahr. Nun wird versucht, mit dem Solidarittsprämien-Modell gegenzusteuern.

Arbeitslosigkeit: Der lange Weg aus der Krise

Nur langsam erholt sich der österreichische Arbeitsmarkt von den Folgen der Corona-Krise und des Lockdowns im Frühjahr. Die gute Nachricht ist zwar, dass die Arbeitslosigkeit seit Mitte April, als sie den Höchststand von 588.000 als arbeitslos gemeldeten Personen erreicht hatte, kontinuierlich abnimmt, aber immer noch sind 107.000 Menschen mehr arbeitslos als im Vorjahr.

Die Arbeitslosigkeit ist speziell im Tourismus - Beherbergung und Gastronomie -, Stadthotellerie, Veranstaltungswesen, Verkehrssektor und Sachgüterproduktion besonders hoch. Im Tourismus lag die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer Ende Juli 73,8 Prozent über dem Vorjahreswert bei rund 55.400 Betroffenen. Ende Juni waren es noch 73.000

Erholung vor oder nur Luft holen?

"Es bewegt sich in Richtung Erholung, es ist aber zäh", sagt Wifo-Arbeitsmarktökonom Helmut Mahringer zur Entwicklung des Arbeitsmarkts. "Der Arbeitsmarkt braucht die wirtschaftliche Erholung."

Diese herbeigesehnte wirtschaftliche Erholung lässt aber noch auf sich warten. Arbeitsministerin Christine Aschbacher macht sich daher auch keine Illusionen. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt werden noch längere Zeit zu spüren sein, meint sie.

Dabei könnte die gegenwärtige Entspannung auch nur eine Atempause sein. Staatliche Unterstützungen und die Kurzarbeit-Bestimmungen haben viele Unternehmen im Geschäft und ihren Mitarbeitern die Arbeitsplätze erhalten. In der Folge hat die Corona-Krise noch gar nicht in allen Bereichen voll auf die Realwirtschaft und den Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Das könnte sich jedoch ändern, wenn die Unterstützungen auslaufen oder gar ein zweiter Lockdown ausgerufen werden muss.

Noch 450.000 in Kurzarbeit

Derzeit befinden sich laut Arbeitsministerium 450.143 Personen in 40.034 Kurzarbeitsprojekten. Besonders in Anspruch genommen wird die Kurzarbeit noch in der Warenherstellung (Industrie und Gewerbe) mit rund 180.000 Personen in Kurzarbeit, im Handel mit rund 67.000 und im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie) mit rund 48.000. Am Höhepunkt der Corona-Arbeitsmarktkrise im Frühjahr waren 1,3 Millionen in Kurzarbeit.

Bisher hat das Arbeitsmarktservice (AMS) rund 4,1 Milliarden Euro Kurzarbeitsgeld an Unternehmen ausbezahlt. Die Verlängerungsanträge liegen deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen. Rund 84.100 Firmen haben bereits alle Kurzarbeitszahlungen erhalten. Mitte Mai wurde vorsorglich das Kurzarbeitsbudget noch von zehn auf zwölf Milliarden Euro erhöht.

Auch ohne einen neuerlichen Lockdown rechnen Insolvenz-Experten wie Ricardo-José Vybiral, Geschäftsführer des KSV1870, im zweiten Halbjahr mit einer Insolvenzwelle, die bis in das Jahr 2021 hineinreichen wird und noch zahlreiche Arbeitsplätze kosten könnte.

AMS-Solidaritätsprämien

Zur weiteren Bekämpfung der Corona-Arbeitsmarktkrise wird daher nun das AMS-Solidaritätsprämien-Modell forciert und die entsprechende Richtlinie des Arbeitsmarktservice überarbeitet. Beim aktuellen Solidaritätsprämienmodell gibt es eine Förderung vom AMS, wenn Arbeitskräfte ihre Normalarbeitszeit reduzieren wollen und das Unternehmen dafür eine neue Arbeitskraft einstellt. Die Gewerkschaft GPA-djp hat eine Erweiterung des Solidaritätsprämien-Modells unter dem Schlagwort "Arbeitszeitmodell 90 für 80" vorgeschlagen.

Laut GPA-Vorschlag sollen vier Mitarbeiter ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent können, wenn dafür ein neuer Mitarbeiter aufgenommen wird. Der Verdienst werde dabei nur auf 90 Prozent verringert und Sozialversicherungsleistungen (u.a. Pensionsansprüche oder Ansprüche auf Arbeitslosengeld) würden sich am bisherigen Gehalt orientieren. Die Differenz soll das AMS tragen.

Sozialminister Anschober und Vizekanzler Werner Kogler befürworten den Vorschlag der Gewerkschaft, die Wirtschaftskammer pocht jedoch auf die Freiwilligkeit des Modells. "Somit ist auch eine generelle oder verpflichtende Anwendung des Solidaritätsprämien-Modells weder vereinbart noch kommt sie für die Wirtschaft auch nur im Ansatz in Frage", hieß es kürzlich von WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Wenn man öffentliche Gelder in die Hand nehme, "dann bitte nicht um Arbeit zu reduzieren, sondern um Arbeit zu schaffen", so Kopf.

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Zu den Personen:
Caroline Palfy (r.) ist neue Geschäftsführerin in der Handler Holding GmbH und verantwortet den Bereich Sustainable-Strategie. Das Familienunternehmen HANDLER ist Spezialist für hochwertige Bau- und Immobilienprojekte in Österreich.
Marieluise Krimmel ist Partnerin bei Deloitte in Wien im Bereich Audit & Assurance und ist in der Prüfung und Beratung tätig. Ihre Branchenschwerpunkte liegen neben der Industrie in der Immobilien- und der Bauwirtschaft.

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