Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit steigen weiter kräftig an

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Jahresabstand um rund 25 Prozent gestiegen und wächst auch im Vergleich zum Vormonat. Im Dezember könnten rund eine halbe Million Menschen ohne Job sein. Massiv gestiegen ist zuletzt auch die Zahl der in Kurzarbeit geschickten Beschäftigten. Arbeitsministerin Aschbacher (ÖVP) hat infolge der 2. Lockdowns mit mehr Arbeitslosen gerechnet.

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit steigen weiter kräftig an

In Österreich ist die Arbeitslosigkeit im November auf den Höchststand des Jahres 2020 geklettert. Mit 457.197 Menschen waren zudem um 24,9 Prozent mehr Menschen ohne Beschäftigung als im Vergleichsmonat vor einem Jahr. Gegenüber dem Vormonat ist die Zahl der Arbeitslosen nochmal um 33.447 Menschen gestiegen, 3300 Menschen verloren alleine in der Vorwoche noch ihren Job.

Von den 457.197 Menschen ohne Job waren 390.858 beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos gemeldet - das ist ein Zuwachs um 30,5 Prozent oder 91.331 Personen binnen Jahresfrist. Weitere 66.339 Menschen befanden sich in einer Schulung.

Bei den vorgemerkten arbeitslosen Männern (206.971) war der Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit plus 28,8 Prozent etwas geringer als bei den Frauen (183.887) mit plus 32,4 Prozent. Die Zahl sofort verfügbarer offener Stellen sank im Vergleich zum Monat davor um über 6.000 auf 58.243.

In Kurzarbeit sind derzeit 276.370 Personen, hieß es am Dienstag - das sind gut 57.000 mehr als vor einer Woche.

Besonders stark stieg die Arbeitslosigkeit im Tourismus, wo aktuell 72.146 Menschen auf Arbeitssuche sind - um 46 Prozent mehr als vor einem Jahr. Etwas schwächer, aber auch sehr stark, sind die Auswirkungen im Handel mit plus 32,4 Prozent Anstieg binnen Jahresfrist. Der zweite Lockdown hat zuletzt die Beschäftigungssituation in Tourismus und Handel massiv verschlechtert.

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition liegt nun bei geschätzten 9,5 Prozent, ein Anstieg von 2,1 Prozentpunkten gegenüber dem November 2019. Bei Frauen lag die Quote bei 9,6 Prozent (+2,3 Prozentpunkte), bei Männern bei 9,3 Prozent (+2,0 Prozentpunkte).

Die Überraschung

Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) und AMS-Vorstand Johannes Kopf sind über die Arbeitslosenentwicklung im zweiten Corona-Lockdown bisher positiv überrascht. "Der zweite Lockdown hat deutlich weniger Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt", sagte Aschbacher am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. "Mit der Corona-Kurzarbeit gelingt es uns gegenzusteuern und Arbeitsplätze und Einkommen weiterhin zu sichern."

Im März und April führte der erste Corona-Lockdown zu vielen Kündigungen und die Arbeitslosenzahlen schnellten um bis zu 210.000 Personen nach oben, Ende November lag der krisenbedingte Zuwachs gegenüber dem Vormonat bei rund 21.000 Arbeitslosen. Außerdem sind derzeit über 276.000 Personen in Kurzarbeit, ein Plus von 57.000 gegenüber der Vorwoche. Zum Vergleich: Im Mai waren 1,3 Millionen Personen in Kurzarbeit. Seit dem Frühjahr har das Arbeitsmarktservice (AMS) rund 5,2 Mrd. Euro für die Corona-Kurzarbeit ausbezahlt und 8,7 Mrd. Euro bewilligt.

Ende November waren über 457.000 Menschen ohne Job. Das ist innerhalb eines Jahres ein Anstieg um 24,9 Prozent oder um 91.247 Personen. Besonders stark stieg die Arbeitslosigkeit im Tourismus, wo aktuell 72.146 Menschen auf Arbeitssuche sind - um 46 Prozent mehr als vor einem Jahr. Etwas schwächer, aber auch sehr stark, sind die Auswirkungen im Handel mit +32,4 Prozent Anstieg binnen Jahresfrist. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition liegt nun bei geschätzten 9,5 Prozent, ein Anstieg von 2,1 Prozentpunkten gegenüber dem November 2019.

Weiterhin Anstieg bei Arbeitslosen erwartet

AMS-Vorstand Kopf erwartet im Winter jeweils eine halbe Million Menschen in Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit. Den aktuellen Arbeitslosenanstieg im November sieht Kopf nicht so dramatisch. Die Corona-Kurzarbeit und die Nichtkündigungs-Bedingung beim Lockdown-Umsatzersatz für Unternehmen "dürften wirken", sagte Kopf im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio. "Man muss offen sagen, die Arbeitslosigkeit hätte noch deutlich stärker steigen müssen. Ohne diese Beihilfen wäre es wohl eher so wie im ersten Lockdown gewesen", sagte der AMS-Vorstand. "Tragisch genug, wie die Zahlen sind, aber erfreulich, dass die Gegensteuerung wirklich funktionieren dürfte."

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch forderte angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen erneut ein großes Konjunktur- und Beschäftigungsprogramm. "Es ist dringend notwendig, nicht länger zuzusehen", so Muchitsch in einer Aussendung. NEOS Sozialsprecher Gerald Loacker wünscht sich in der Coronakrise mehr Planungssicherheit für die Unternehmen und Arbeitskräfte. Die Herangehensweise der Regierung sei "nicht zielführend".

AK-Präsidentin Renate Anderl forderte erneut eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes. "Nur eine Erhöhung auf 70 Prozent ist eine gerechte und unbürokratische Regelung, die notwendig ist, um bei der Krisenbewältigung zu helfen - den Betroffenen direkt und der Wirtschaft indirekt", sagte Anderl. Die Wirtschaftskammer zeigte sich mit den Adaptierungen beim Neustartbonus zufrieden. "Dass der Zugang zum Neustartbonus nun vereinfacht wird, erleichtert es den Unternehmen noch einmal, in einer schwierigen Zeit Arbeitskräfte aufzunehmen", so WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf.

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