Arbeitslosigkeit steigt seit fünf Jahren: 388.624 ohne Job

Arbeitslosigkeit steigt seit fünf Jahren: 388.624 ohne Job

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im August erneut auf Rekordniveau gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren um 1,1 Prozent mehr Personen ohne Job, Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet also 388.624 Personen (+4.039). Somit ist die Quote inzwischen seit fünf Jahren gestiegen. Das sorgt für neuen Zwist in der Koalition.

Die Arbeitslosigkeit steigt in Österreich seit dem August 2011 und damit bereits seit fünf Jahren. Die aktuelle Arbeitslosenquote nach nationaler Definition liegt mit 8,3 Prozent so hoch wie seit Anfang der 1950er-Jahre nicht mehr. Auch das etwas stärkere Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr lässt die Arbeitslosenzahlen insgesamt nicht sinken.

Ende August 2016 waren insgesamt 388.624 Personen ohne Job (+1,1 Prozent). Zum Vergleich: Im August 2011 waren 273.461 Menschen arbeitslos oder in Schulungen. Dies ist ein Anstieg von 42 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Die Zahl der inländischen Arbeitslosen inklusive Schulungsteilnehmern ist im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,1 Prozent auf 276.695 Personen gesunken, bei Ausländern hingegen um 9,9 Prozent auf 111.929 Personen gestiegen. Die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten stieg im August im Jahresabstand um 44 Prozent auf 25.819. Viele Flüchtlinge befinden sich derzeit in Sprachkursen und Schulungsmaßnahmen.

"Mit einem Plus von rund 4.000 oder +1,1 Prozent steigt die Arbeitslosigkeit nur relativ leicht an. Vom offenbar stärker als prognostizierten Wirtschaftswachstum profitieren der Bau und Industriebereich sowie die Arbeitskräfteüberlassung", sagt AMS-Vorstand Johannes Kopf. Rückläufige Arbeitslosenzahlen würde die Mehrzahl der Bundesländer aufweisen. "Auffallend weiterhin Tirol, das mit seinem interessanten Branchenmix und einer Reihe von international erfolgreichen Unternehmen aktuell eine höchst erfreuliche Entwicklung zeigt", so Kopf.

Nach Bundesländern stiegen die Arbeitslosenzahlen inklusive Schulungsteilnehmer im August im Vergleich zum Vorjahresmonat am stärksten in Wien (+3,8 Prozent), gefolgt von Niederösterreich (+3,1 Prozent) und Burgenland (+2,1 Prozent). In allen anderen Bundesländern gab es weniger arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer: Am stärksten war der Rückgang in Tirol mit 6,1 Prozent, gefolgt von Salzburg (-3,5 Prozent), Vorarlberg (-3,0 Prozent), Kärnten (-2,6 Prozent), Steiermark (-1,7 Prozent) und Oberösterreich (-0,1 Prozent).

Nach Branchen gab es einen Rückgang der arbeitslosen Personen und Schulungsteilnehmern per Ende August am Bau (-7,7 Prozent), bei der Arbeitskräfteüberlassung (-3,7 Prozent) und bei der Herstellung von Waren (-2,8 Prozent). Einen Anstieg gab es im Handel (+1,7 Prozent), Verkehr und Lagerei (+2,1 Prozent), Beherbergung und Gastronomie (+1,4 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (+2,7 Prozent).

Regierungen uneins über Maßnahmen

Die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP sind sich über Maßnahmen gegen die Rekordarbeitslosigkeit uneins. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) kritisiert das Agieren von Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) und fordert eine Arbeitsmarkt-Evaluierung. Stöger weist die Kritik zurück.

"Der Sozialminister muss endlich aufwachen. Wir haben ein ungelöstes Problem auf dem Arbeitsmarkt, das von Monat zu Monat größer wird", sagte Schelling gegenüber dem "Kurier" (Donnerstag-Ausgabe). Eine Evaluierung der Arbeitsmarkt-Maßnahmen sei "überfällig". Dies verweigere Stöger seit seinem Amtsantritt. Der Sozialminister kann die Schelling-Kritik nicht nachvollziehen. "Also ich habe da angewiesen, alle Leute beim Arbeitsmarktservice, jeden Tag zu evaluieren: Machen wir das Richtige? Was können wir dazu tun? Also so gesehen kann ich diese Kritik nicht nachvollziehen", sagte Stöger dem Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio.

Die Arbeiterkammer (AK) wünscht sich mehr Engagement von der Bundesregierung: "Bei so vielen Menschen ohne Arbeit darf die Politik keinesfalls die Hände in den Schoß legen", so AK-Präsident Rudi Kaske. Der AK-Präsident fordert ein Maßnahmenpaket um die Zahl der Arbeitslosen bis 2020 um 100.000 zu senken. Alarmierend für die Wirtschaftskammer ist, dass trotz "stabiler Wirtschaftssituation" der Arbeitsmarkt auf der Stelle trete beziehungsweise sogar einen leicht negativen Trend verzeichne. "Dieser Entwicklung muss rasch entgegengesteuert werden", so Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Die Bundesregierung muss endlich Maßnahmen setzten, um die angespannte Lage am Arbeitsmarkt zu entschärfen und die von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppen zur Stärkung des Industrie-und Arbeitsstandorts zügig Resultate liefern", fordert der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer. Die Gewerkschaft nimmt den Sozialminister in Schutz. "Dem Sozialministerium die Schuld an der Arbeitslosigkeit umzuhängen, ist wie die Krankenkassa für den Ausbruch der Grippewelle anzuprangern", kritisiert ÖGB-Präsident Erich Foglar die Schelling-Aussagen.

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