Arbeitslosigkeit sinkt leicht - keine Entwarnung für 2017

Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent gesunken. Erstmals seit fünf Jahren ist die Arbeitslosigkeit bei Frauen zurückgegangen. Unter Druck sind Akademiker, Ausländer, Über 50-Jährige und Schlechtqualifizierte. Die Jugendarbeitslosigkeit ist ebenfalls leicht gesunken. AMS-Chef Kopf sieht alles andere als eine Entwarnung am Arbeitsmarkt.

Arbeitslosigkeit sinkt leicht - keine Entwarnung für 2017

Eine Qualifizierungsoffensive soll heuer 30.000 Personen zum Lehrabschluss führen. Die Aussichten am Jobamarkt sind aber recht mau.

In Österreich ist die Arbeitslosigkeit auch im Dezember rückläufig und zum zweiten Mal in Folge gesunken. Erstmals seit fünf Jahren gab es am Jahresende aber einen kleinen Rückgang. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen um 0,9 Prozent niedriger: 471.169 (minus 4266) Personen sind ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote ist um 0,3 Prozentpunkte auf 10,3 Prozent gesunken.

Von einer Entwarnung kann aber nicht gesprochen werden. Ende Dezember gab es 410.429 vorgemerkte Arbeitslose, das waren zwar um 1,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Aber die Zahl der Schulungsteilnehmer beim Arbeitsmarktservice (AMS) stieg hingegen um 4,9 Prozent auf 60.740 Personen an.

Außerdem Grund zur Sorge ist, dass im Jahresdurchschnitt die Zahl der Personen ohne Job inklusive Schulungsteilnehmer um 1,2 Prozent auf auf 424.523 Personen gestiegen. Und angesichts der konjunkturell gedämpften Aussichten muss auch im Jahr 2017 mit einem weiteren Anstieg gerechnet werden.

Leichter Anstieg 2017

Johannes Kopf, Chef des Arbeitsmarktservices (AMS), sieht die Arbeitsmarktlage "weiterhin sehr schlecht", wenn auch die Beschäftigungsentwicklung zumindest minimale Hoffnungen zulassen. Eine etwas erfreulichere Entwicklungen gab es zuletzt am Bau und in der Industrie. Der Bau läuft schon das ganze Jahr Aber auch "der Job-Motor Tourismus" läuft rund.

Die Konjunkturverbesserung im Jahresverlauf und offenbar weniger abgeschlossene Asylverfahren hätten zu einer niedrigeren Zunahme beigetragen. Laut dem AMS-Chef Kopf stand ein großer Teil der 2015 und 2016 angekommenen Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt noch nicht zur Verfügung.

Schwierigkeiten sieht der AMS-Chef weiterhin bei Schlechtqualifizierten und niedriger Qualifikation vor allem Personen mit und ohne Pflichtschulabschluss. Hier liegt die Arbeitslosigkeit bei 27 Prozent. Die Bundesregierung wird hier in Kooperation mit dem AMS eine besondere Qualifizierungsoffensive gestartet. 30.000 Menschen soll ein Lehrabschluss ermöglicht werden.

Das Jahr 2017 wird aber wieder schwieriger werden. "Die Konjunkturprognose sagen uns ein abgeschwächtes Wachstum voraus", sagt Kopf im Ö!-Mittagsjournal. "Sollten die Konjunkturprognosen stimmen dann rechnen wir mit einem abgeschwächten Wachstum, weil mehr geflüchtete Personen zunehmend Asyl bekommen und damit auf den Arbeitsmarkt kommen."

Den stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit gab es 2016 bei langzeitarbeitslosen Personen mit einem Plus von 59,8 Prozent auf 55.550 Betroffene. Die Zahl der arbeitslosen Personen und Schulungsteilnehmern stieg ebenfalls stark bei Akademikern (+13,8 Prozent), Personen mit höherer Ausbildung (+9,9 Prozent), Ausländern (+8,6 Prozent) und Über-50-Jährigen (+5,6 Prozent). Den deutlichsten Rückgang gab es am Bau (-6,9 Prozent) und in den Bundesländern Tirol (-5,8 Prozent) und Salzburg (-4,1 Prozent).

Bei den offenen Stellen gibt es hingegen eine erfreuliche Entwicklung: Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen ist um 42 Prozent auf 41.841 Jobs gestiegen. Die Zahl der aktiv unselbstständig Beschäftigten stieg per Ende Dezember laut einer vorläufigen Prognose um 63.000 Personen (+1,8 Prozent) auf 3,49 Millionen.

Ein Drittel mehr anerkannte Flüchtlinge ohne Job

Im Dezember waren 28.125 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte ohne Job, um ein Drittel mehr als im Dezember 2015, geht aus einer Sonderauswertung des AMS für die APA hervor. Davon waren 7.095 Frauen und 21.030 Männer. Diese Gruppe stellte einen Anteil von 6,8 Prozent aller beim AMS vorgemerkten Personen und Schulungsteilnehmer dar.

Innerhalb Österreichs sind die arbeitslosen Flüchtlinge sehr unterschiedlich verteilt: Ein Großteil der Betroffenen wurde in Wien (17.746) verzeichnet, gefolgt von Niederösterreich (3.047) und Oberösterreich (2.576). Die meisten arbeitslosen anerkannten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten stammten aus Syrien (12.335), Afghanistan (5.218), Russland (3.540) und dem Irak (1.776).

Vor allem bei den Syrern ist das Ausbildungsniveau teilweise hoch. Die Mehrheit der Flüchtlinge (16.691) hat jedoch nur eine Pflichtschulausbildung. Eine akademische Ausbildung haben lediglich 2.224, davon allein 1.506 Syrer. Das AMS räumt ein, dass es bei den Informationen zu den Ausbildungen noch Unschärfen gibt. Mitunter erschwerten mangelnde sprachliche Kenntnisse die exakte Beschreibung der absolvierten Ausbildung, so das AMS. Grundsätzlich würden keine Abschlusszeugnisse verlangt, sondern die angegebenen Informationen - sofern sie nicht unglaubwürdig erscheinen - durch die AMS-Berater dokumentiert. Um Qualifikation zu überprüfen, organisiert das AMS für Flüchtlinge einen fünfwöchigen Kompetenz-Check.

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