Apple-Umweltvorständin Jackson: "Grün ist gut fürs Business"

Apple-Umweltvorständin Lisa Jackson über grüne Leadership, motivierte Zulieferer, europäische Umweltziele, sozial ungerechte Klimafolgen und den Charme von Klimaaktivist Schwarzenegger.

Apple-Umweltvorständin Jackson: "Grün ist gut fürs Business"

trend: In den einschlägigen Umweltreports kommt Apple immer besser weg. Sie sind Musterschüler bei Big Tech. Das liest sich im Rückblick leicht. Welche Hürden mussten Sie im Tagesgeschäft dafür aus dem Weg räumen?
Lisa Jackson: Zuerst muss ich Ihnen sagen, was sie als Grundvoraussetzung brauchen, bevor sie sich an die Arbeit machen können: die Unterstützung der Konzernspitze. Ich bin vor acht Jahren gekommen, weil Tim Cook mich persönlich darum bat. Wenn die Führung das Thema nicht als Teil der Leadership anerkennt, wird das nichts. Und Cook hat das verstanden, bevor es trendy wurde, Bäume zu pflanzen und zu spenden. Dass wir schon seit zehn Jahren in erneuerbare Energie investieren, macht es heute leichter. Nur so konnten wir letztes Jahr das Ziel für 2030 ausgeben, nachdem wir selbst CO2-neutral waren. Da war viel der Schwerarbeit schon erledigt. Die Schwierigkeit in den frühen Tagen war, Geschäft und umweltfreundlicheres Arbeiten auf einen Nenner zu bringen. Genau dieselben Hürden müssen wir in unserer Kreislaufwirtschaft wieder überwinden, Rohstoffe wiederverwerten, immer und immer wieder. Wir müssen stets neue Wege zum Ziel suchen.

Sie haben unter Obama die Umweltschutzbehörde geführt. Wo nützt Ihnen dieses politische Know-how heute?
Ich kann mich echt glücklich schätzen und hatte in der Politik wirklich meinen Traumjob. Ein Vorteil ist, dass du dort systemübergreifend denken lernst, weil dein Einfluss viele Systeme berührt. Bei Apple ist das einfacher, weil alle Prozesse vom Kunden her gedacht werden. Was will er? Wie soll das Gerät, der Service laufen? In der Politik - zumindest in einer Demokratie -ist das auch nicht viel anders. Da ist der Kunde der Bürger. Das Spannende an der Politik ist, dass du sehr gut siehst, wie andere Länder an ihren Sustainability-Zielen arbeiten. Du hast einen guten Überblick. In beiden Welten gilt: Du musst gut zuhören, du musst gut kommunizieren.

Ihr Adressbuch ist sicher nicht ohne.
Das würde ich nicht überbewerten. Ob du in der Politik oder in der Wirtschaft bist, alle Menschen sind wertvoll für dein Netzwerk. Respekt und Distanz sollte man immer wahren. Ich versuche nicht zu beeinflussen, weil ich früher in der Politik war. Ich beeinflusse lieber durch Taten. Das hat mir in meinem alten Job schon gut gefallen, wenn mir Firmen mit ihren Lösungen gezeigt haben, dass sie Geschäft und Umwelt auf einen Nenner bringen.

Das Umweltbewusstsein ist bei uns stark ausgeprägt. Das sehen Sie vermutlich auch bei Ihren österreichischen Lieferanten. Bevorzugen Sie grünere Lieferanten?
Noch sind wir in der Ermutigungsphase. Das Engagement von AT&S, Varta oder Infineon wissen wir zu schätzen. Wir müssen sie nicht überzeugen, das sind ja auch deren Ziele. Wir bestrafen niemanden, wenn er sie noch nicht erreicht. Aber der Tag wird kommen, wo wir die bevorzugen werden, die besser sind.

Da ist Infineon ein heißer Kandidat. Der Konzern hat hier in Österreich eine Frau als Boss, die eine energieeffiziente Chipfabrik in der Pandemie zwei Monate früher fertiggestellt hat.
Wow, die würde ich gerne treffen. Eine Frau als Chefin ist immer super, aber eigentlich auch wieder nicht überraschend. Wir Frauen sind einfach gut darin, Geschäft und Nachhaltigkeit auszubalancieren.

Sie sind in New Orleans geboren, hatten als Chefin der Umweltschutzbehörde das Deepwater-Horizon-Desaster zu managen, kennen Umweltkatastrophen aus der Nähe. Was macht Sie heute wütend?
Was mich traurig stimmt, dass manche Communities, etwa die Schwarzen, eine kleinere Stimme in der Umwelt haben, als sie verdienen. Sie leiden auch mehr unter den Umständen, Verschmutzung oder Ungerechtigkeiten. Mich frustriert auch, wenn Regierungen oder Unternehmen, sagen: Ja, ihr als Apple habt leicht reden. Oh ja, New Orleans ist meine Heimat. Meine Mutter hat durch Katrina ihr Haus verloren. Das waren nette Mittelklassefamilien, die alles verloren haben. Manche Kommunen sind reich genug, solche Katastrophen zu überstehen, viele andere haben nicht die Mittel.

Grüner Lebensstil ist nicht nur eine Haltung, sondern auch eine Kostenfrage. Welche Aufgabe hat hier die Politik?
Job der Politik ist es, den Boden aufzubereiten, also die Mindeststandards zu garantieren. Ich bewundere die europäischen Regierungen und Bürger in der EU, dass sie Standards setzen und sich nicht denken, sollen sich doch die anderen den Kopf darüber zerbrechen. Am Ende des Tages ist grüne Energie billiger als andere. Wenn die Regierungen, und da meine ich vor allem die in den USA, diesen Wandel früher hinbekommen, ist das gut für die Bürger und das Geschäft. Wir bei Apple versuchen, Vorbild zu sein.

Apple betreibt Windkraftanlagen und Solarparks. Wollen Sie sich von der öffentlichen Versorgung unabhängiger machen, sicherer sein?
Ja, natürlich macht uns das autonomer. Immer wenn wir ein neues Projekt machen, stellen wir sicher, dass die Energie dafür besser und günstiger ist als aus konventionellen Quellen. Grüner wirtschaften darf kein Luxus sein, das ist unsere Verantwortung. Grün ist gut fürs Business.

Arnold Schwarzenegger hat als Klimaaktivist die Rolle seines Lebens gefunden. Was macht ihn glaubwürdig? Dass er harte Botschaften mit Schmäh an die Menschen bringt?
Was er gut kann, ist, die Menschen zu ermutigen, ihnen das Gefühl zu geben, dass etwas möglich ist. Als er Gouverneur war, war er einer der grünsten im Land. Kalifornien hat die führenden Clean-Energy-Standards in den USA, und er kämpfte hart, dass sie nicht wieder abfallen. Er hat Millionen Solardächer gebaut und große Erfahrung in der politischen Umsetzung einer grünen Wirtschaft seit 2008. Dass er Humor und Popularität ins Thema bringt, ist ein Bonus.

Wie grün ist Ihr privater Lebensstil? Was ist Ihre Superpower im Alltag?
Wir sind Stadtmenschen. Du kannst viel zu Fuß gehen oder Transportmittel nutzen. Du musst nicht gleich ins Auto springen. Zu entscheiden, wo ich lebe, ist schon ein "Green Hack" für mich. San Francisco hat ein wundervolles Programm für Recycling und Kompostierung. Wir versuchen uns zu Hause in Richtung Zero Waste zu bewegen. Eine echte Herausforderung, nicht so einfach wie in der Apple-Fabrik. Wenn wir auswärts sind, sind wir echt frustriert, wenn es keine Mülltrennung gibt. Als Konsument sollte man sich beim Einkauf schon überlegen, wie man Müll vermeiden kann.

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Zur Person

Lisa Jackson, 59, wuchs als Adoptivkind einer Mittelklassefamilie in New Orleans auf. Ein Shell-Stipendium half ihr an die Uni (summa cum laude). Die Chemieingenieurin arbeitete u. a. für eine NGO in der Bodensanierung. 1987 stieß sie zur Umweltschutzbehörde (EPA), wurde unter Obama die Chefin dort. 2013 wechselte sie in den Apple-Vorstand.



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