Die mittelmäßige Apple-Show

Der US-Handy- und Computerkonzern Apple wollte mit seiner Produktankündigung überraschen. Die eingeladenen, großteils männlichen Teilnehmer der Produktpräsentation jubeln wie auf einem Popkonzert oder gar bei einem Fußballmatch. Hauptsächlich Boulevard-Medien und Tech-Blogs verlieren fast die Fassung und rollen Apple die roten Teppiche aus. An der Börse hingegen bekam Apple umgehend die Watschen für seine sogenannten Neuerungen, die bestenfalls ein Update von Bestehendem sind.

Die mittelmäßige Apple-Show

Ein neues Handymodell, einen größeren Tablet-Computer, eine runderneuerte TV-Box und zur bereits vorgestellten Uhr gab es auch nochmals ein Update und dass der Börsenkurs kräftig reagiert hat (in die falsche Richtung, aus Sicht der Apple-Anbeter!) – das wär's eigentlich gewesen, was zu berichten war. Maximal einen Fünfzeiler. Es wäre zu einfach, das so stehen zu lassen.

Die Boulevard-Medien, an vorderster Front die unheilvollen Gratisblattln, aber auch auf Linie gebrachte Tech-Blogger machen eine Lobhudelei aus der Veranstaltung in San Francisco, wo der US-Handy- und Computerkonzerns Apple seine runderneuerten Produkte präsentierte. „So cool sind Apple Neuheiten“, wird da getitelt. Und „iPhone nun auch in Rosa!“ – mit Rufzeichen! Oder: „Endlich da: das neue …!“. Die Welt hatte zuletzt offenbar unter dem Apple-Vakuum kräftig gelitten, traut man diese Worten.

Man könnte es als Apple-Theater bezeichnen, was sich da im Jänner, im Juni und September seit Jahren abspielt. Böse ausgedrückt: Tendenzieller Journalismus, um mit Stimmung und grenzenlosem Jubel vielleicht auch den Börsenkurs anzutreiben?

Doch was hat die Präsentation wirklich auf sich? Eine Runderneuerung bestehender Produkte wird geradezu als eine technische Revolution angepriesen „Gehäuse und Frontglas werden superhart“ – na bravo, schauma mal - offenbar die Schwachstelle des Smartphones aus dem Hause Apple, wofür die Leute künftig zwischen 739 und 1069 Euro bezahlen. Und von „Super-Kameras“ und „Monster-iPad“ ist gar die Rede.

Ja, und dann ist die Veranstaltung in einem noch größeren "Ambiente", einem größeren Saal als sonst veranstaltet worden. Warum weiß und wusste auch vor der üblichen Show eigentlich niemand wirklich zu beantworten. Selbst Blogger und die Jubelberichterstatter, die sich alles schön brav in ihren Notizblock diktieren lassen, konnten das nicht aufklären. Die Apple-Insider hatten – freilich ohne, zu wissen, was wirklich kommt – in die Glaskugel geschaut und das Gerücht geboren, dass das Saal-Update in eine größere Umgebung „wohl mit einer großen Ankündigung“ zu tun habe.

Apple rüstet nach

1. iPhone - Version 11 und 12

Apropos: Apple hat tatsächlich etwas angekündigt, was unter neu verkauft wird, aber bestenfalls – lassen wir die Kirch doch im Dorf – ein Update bisheriger Schöpfungen darstellt. Wie immer seit 2007 kommt auch diesen September ein iPhone-Modell auf den Markt – in zwei Varianten, sie folgen auf den Namen iPhone 6s und iPhone 6s Plus, das nunmehr elfte und zwölfte Smartphonemodell von Apple. Es ist in vier unterschiedlichen Farben erhältlich - darunter in rosa.

Das Chassis soll strapazierfähiger sein, weil das verwendete Material nun aus einem 7000er Aluminium geschliffen wird. Es soll somit gegen das Verbiegen schützen und die Haltbarkeit insgesamt verbessern. Und das Glas des Display soll ja auch härter sein. Man könnte dies als Selbstkritik von Apple deuten, dessen sündteuren Smartphones Stürze ohne Beschädigungen bisher kaum übersteht. Und Apple sagt es eigentlich selbst, dass sich nichts geändert hat. "Das Einzige, was sich mit iPhone 6s und iPhone 6s Plus geändert hat, ist alles – 3D Touch lässt Nutzer auf völlig neue und Spaß bringende Weise mit iPhone interagieren und das innovative Live Photos haucht Bildern der Anwender Leben ein", sagt ein Herr von Apple, der es als Marketing Manager wissen muss.

Ergo: Außer Runderneuerung nicht viel Neues unter der Haube: 12 statt bisher 8 Megapixel, die Frontkamera (etwa für Selbstbildnisse vulgo „Selfies“ knipsen) wird von 1,2 auf 5 Megapixel nachgerüstet, Videos im 4K-Format, um auch an die TV-Generation anzudocken, was aber umgekehrt bedeutet, dass das produzierte Datenvolumen kräftig ansteigen lässt. Und die 16 Gigabyte-Version des Geräts eigentlich obsolet macht, wenn jemand viel filmen will. Nur allzu logisch, dass in der 11. und 12. Auflage des iPhones deshalb auch ein leistungsfähiger Chip eingebaut wird, der auf den Namen A9 hört, schneller sein soll (bei der Verarbeitung) und auf nun zwei statt bisher einem Gigabyte Arbeitsspeicher Zugriff hat.

Daher ebenso logisch: Wo sich viele Daten anhäufen, braucht es auch mehr Bandbreite und mehr Leistung, um diese Daten vom Smartphone abzuführen. Das hängt wiederum auch von den Netzbetreibern ab. Ein Großteil der Mobilfunker wird nämlich die nun auf bis 300 Mbit/Sekunde erhöhte Datenrate (noch) nicht und auch bis auf weiteres nicht bedienen. LTE, die neue Mobilfunkgeneration, ist das Zauberwort. Nur: Mobilfunker gehorchen weder dem Boulevard noch Apple, wenn es um die Nachrüstung ihrer Netze geht. Da geht es um Nutzen, Amortisation und – no, na – Kosten. Wegen Apple kommt ein Mobilfunkprovider nicht gleich auf die Idee, sein Netz unmittelbar mit LTE nach einer Produktankündigung flotter zu machen.

Allerdings recht spannend: Apple hat sich zumindest die Kreativität bewahrt, um im Heimmarkt den Absatz aufrecht zu erhalten. In den USA will Apple in einem speziellen Update-Programm seine Nutzer bei Laune halten und jährlich ein neues iPhone verschaffen. Ab einer Rate von 32 Dollar pro Monat können die Nutzer das neue Service nutzen und die Geldmaschine Apple weiter drehen.

2. Tablet– Update statt „Monster“

Die zweite Ankündigung betrifft den Tablett-PC. Von Bloggern und Leuten die es angeblich wussten, was da kommt, hatte die eine Hälfte darauf gesetzt, dass das Ding erst im Oktober kommt; die andere Hälfte sollt jedoch Recht behalten. Das 800 Euro teure Gerät (Grund-/Basisausstattung) wurde präsentiert.

Mit einer Halterung und einem Stift für 99 Euro, dem das Wort „Apple Pencil“ verpasst wurde, kommt nun ein 12,9-Zoll großer Tablet-Rechner auf den Markt. Mit allem Zubehör kommt das Gerät auf 1100 Euro und ist weit teurer als die Produkte der Konkurrenz. Ein neues Betriebssystem iOS 9 soll das Gerät zum Notebook-Ersatz den Aufstieg ebnen. Ein zweites iPad-Modell ist das Update des iPadMini – Apple nimmt die Technologie vom iPad2 und komprimiert sie auf das iPad-Mini-Format.

3. Sprechen mit der Apple-Glotze

Zeit ist es geworden, der Apple-TV-Box zumindest ein Update zu verpassen. Drei Jahre hat Apple dazu gebraucht. Alle Spekulationen und Vorberichte, ob mit Netflix eine Kooperation eingegangen werden soll oder Apple einen eigenen Streamingdienst einrichtet, wurden Lügen gestraft. Auch hier: Eine schwarze Video-Box, die auf die Sprache des Nutzers gehorcht.

Angeschlossen wird ein eigener AppStore, der freilich Apple eine neue Erlösquelle zum Sprudeln bringen soll. Und Vorsicht: die Apple-Box folgt auf Ansage von Siri, der Sprachsteuerung, die auch weiterhin dazulernen will. Nur: Wurde das iPhone noch groß mit dem 4K-Format beworden, beim Apple TV war davon keine Rede mehr.

4. Apple Watch – was sonst

Ziemlich daneben gelegen haben die Apple-Prognostiker letztens auch bei der neuen Uhr. Abgehakt schien für die Apple-Anbeter die neue Apple-Ticktack, die erst im Frühjahr präsentiert wurde. Und angeblich nicht richtig ticken will. Die gut gehüteten Absatzzahlen sollten ein Indiz dafür sein, dass Apple mit der neuen Produktsparte alles andere als erfolgreich ist.

Doch zur Überraschung der Experten bringt Apple einmal mehr neue Modelle mit „Gold & Roségold“ sowie neue Apps auf den Markt. Der französische Modekonzern Hermès wurde als Partner aus dem Hut gezaubert. Er soll die Kollektion mit dem Namen „Apple Watch Hermès“ ab 5. Oktober verkaufen. Zwischen 1300 und 1750 Euro werden die Uhren kosten und über ausgewählte Hermès-Läden verkauft. Abgehakt ist die Uhr auch beim Boulevard, der schon gar nicht mehr über die Apple Watch berichten will.

5. Die Strafe der Börsianer

Ob Apple sich mit dieser Produktankündigung größerer Wertschätzung erfreuen darf, bleibt abzuwarten. Ab 25. September sollen die vorgestellten runderneuerten iPhones, iPads, Apple-TV und Apple-Uhren in den Handel kommen.

Die Anleger kennen keine Milde. Sie wollen den Verkauf der nun vorgestellten Produkte offenbar nicht mehr abwarten und haben sofort reagiert. Und Apple abgestraft. Alles beschönigen hilft nichts, Börsenkurse können jedenfalls nicht schön geschrieben werden. Der Aktienkurs von Apple hat kräftig Federn lassen und ist um rund zwei Prozent auf 110 Dollar zurückgefallen. Ganz im Trend der vergangenen zwei Monate, als die Apple-Aktie mit dem Ausbruch der China-Krise auf Talfahrt ging und seither über 16,6 Prozent an Wert verloren hat. Zwischenzeitlich hatte Apple sogar rund 22 Prozent an Wert verloren. Die gestrige Produktankündigung hat Apple mit einem Schlag rund 12,8 Milliarden Dollar Börsenwert gekostet. Nunmehr ist Apple an der Börse 628 Milliarden Dollar wert.

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