Apple kippt Samsung vom Smartphone-Thron

Apple kippt Samsung vom Smartphone-Thron

Allen Unkenrufen zum Trotz: Apple ist an der Spitze. Der iPhone-Verkauf boomt und bringt viel Ertrag.

Der US-Computer- und Smartphonehersteller hat im abgelaufenen Quartal die eigenen und die Prognosen der Analysten übertroffen. Der Umsatz stieg im Weihnachtsquartal um 3,3 Prozent auf 78 Mrd. Dollar. Einzig beim Gewinn hat Apple gepatzt. Nicht nur das neue iPhone, sondern auch das Servicegeschäft hat kräftig angezogen. Der Geldberg des US-Konzerns ist angewachsen, vor allem im Ausland zum Steuersparen. Das iPad bleibt das Sorgenkind des Konzerns.

Cupertino. Apple hat mit dem iPhone 7 die monatelangen Geschäftsrückgänge gestoppt. Im Weihnachtsquartal stieg der Umsatz um 3,3 Prozent auf 78,4 Milliarden Dollar (72,9 Mrd. Euro). Apple verkaufte 78,3 Millionen iPhones. Das war ein neuer Bestwert nach rund 74,8 Millionen Geräten im vergangenen Quartal. Und Apple profitiert vom neuen, größeren iPhone-Modell, aber auch vom Handy-Skandal von Samsung.

Damit übertraf der US-Technologiekonzern nicht nur die Prognosen von Analysten, sondern auch die eigenen. "Wir haben mehr iPhones verkauft als jemals zuvor", sagte Apple-Chef Tim Cook am Dienstag.

Nach Berechnungen des Marktforschers Canalys zog Apple damit am Erzrivalen Samsung vorbei an die Spitze des Smartphone-Marktes.

Der Gewinn verfehlte mit 17,9 Milliarden Dollar nur leicht das Rekordergebnis des Vorjahres von knapp 18,4 Mrd. Dollar, wie Apple nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Die Aktie stieg nachbörslich um rund drei Prozent, weil Apple die Erwartungen der Analysten übertraf.

Die Cash-cow: Das iPhone

Das iPhone ist und bleibt das wichtigste Apple-Produkt. Der Umsatzanteil am Gesamterlös ist sogar weiter gewachen. Im vergangenen Quartal waren es fast 70 Prozent des Geschäfts. Über die vergangenen drei Jahre war der Anteil zwischen 63 und rund 66 Prozent des Gesamtumsatzes.

Im vorherigen Jahresverlauf waren die Verkäufe der Geräte in einem insgesamt abgekühlten Smartphone-Markt gesunken. Ein Problem waren vor allem die Rückgänge in China, wo die meisten Computertelefone verkauft werden. Dort sah es für Apple auch zuletzt nicht rosig aus mit einem Umsatzrückgang um zwölf Prozent auf 16,2 Mrd, Dollar. Im Reich der Mitte ist Apple mit einer starken Konkurrenz konfrontiert. Die lokalen Hersteller Huawei, ZTE und Xiaomi sowie Samsung aus Südkorea sind die Hauptkonkurrenten.

Alle Zweifel beseitigt

Zuletzt wurden immer wieder wegen der Abhängigkeit vom Smartphone-Geschäft daran gezweifelt, ob Apples Aufstieg weiter anhält. Vor allem beim jüngsten Smartphone-Modell, das im September eingeführte iPhone 7, hatten Marktexperten erwartet, dass die Verkaufsrückgänge weiter andauern werden. Zu sehr hatte das Gerät an die bereits im Jahr 2014 eingeführte 6er-Serie erinnert.

Die Batteriebrände von Samsungs sogenannten "iPhone-Killer" Galaxy Note 7, für das der Marktführer aus Südkorea schon seit dem Frühjahr 2016 die Werbetrommel geschlagen hatte, hatten Apples Geschäft befeuert. Samsung musste nur wenige Wochen nach dem Marktstart ab September nach einer weltweiten Austauschaktion die bis dahin über drei Millionen Geräte schließlich ganz aus dem Verkehr ziehen.

Nach Schätzungen von Canalys setzte Samsung im vergangenen Quartal rund 77 Millionen Smartphones ab und rutschte damit auf den zweiten Platz im Markt ab. Der südkoreanische Konzern veröffentlicht im Gegensatz zu Apple selbst keine Absatzzahlen mehr. Auf Platz drei sieht Canalys mit deutlichem Abstand den chinesischen Anbieter Huawei mit 45 Millionen verkauften Geräten.

Großes Smartphone - große Nachfrage

Beim iPhone 7 sei die größere - und teurere - Plus-Version populärer als bei vorherigen Modellen gewesen, erklärte Apple. Dadurch stieg der durchschnittliche Preis eines verkauften Geräts auf den bisherigen Höchstwert von 695 Dollar. Drei Monate zuvor lag er noch bei 619 Dollar und im Weihnachtsquartal 2015 bei 691 Dollar.

Die Verkäufe der Mac-Computer legten in dem Ende Dezember abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal um ein Prozent auf knapp 5,4 Millionen Geräte zu. Das iPad bleibt hingegen ein Sorgenkind: Die Verkäufe der Tablets sanken im Jahresvergleich um 22 Prozent, was aber auch darauf zurückzuführen ist, dass ein neues Tablet-Modell bald erwartet wird.

Aufstrebendes Services-Geschäft

Aber nicht nur beim iPhone, sondern auch im Service-Geschäft läuft es bei Apple rund. Apple will das Geschäft in dieser Sparte forcieren, um die Abhängigkeit vom iPhone zu verringern. Der Umsatz wuchs hier um 18 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar. Dazu gehören der Streaming-Dienst Apple Music sowie Einnahmen aus dem Verkauf von Apps und Speicherplatz sowie Filmen, Büchern und Musik zum Herunterladen. In den kommenden vier Jahren wolle Apple die Service-Erlöse verdoppeln, kündigte Konzernchef Tim Cook in einer ungewöhnlich konkreten Zukunftsprognose an.

Für das laufende Quartal rechnet Apple mit einem Umsatz von bis zu 53,5 Milliarden Dollar. Das Geschäft des Konzerns läuft zu Jahresbeginn traditionell ruhiger. Finanzchef Luca Maestri verwies zudem auf den teureren Dollar, allein die ungünstigeren Wechselkurse würden die Erlöse um 1,2 Mrd. Dollar drücken.

Mit dem neuerlichen Quartalsgewinn stieg der Geldberg von Apple auf 246,1 Milliarden Dollar - um 8,5 Mrd. Dollar binnen drei Monaten. Davon befinden sich 94 Prozent außerhalb der USA.

Apple hält die Gelder wie viele andere US-Konzerne im Ausland, weil bei der Überweisung ins Heimatland ein hoher Steuersatz von 35 Prozent fällig würde. Der Konzern hofft auf eine Steuerreform, nach der die Milliarden in die USA verlegt werden könnten. Das Geld steht auch im Mittelpunkt des Verfahrens, in dem die EU-Kommission von Apple eine Steuernachzahlung von 13 Milliarden Dollar an Irland fordert.

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