Apple vergoldet sein Eco-System mit neuen Services

Der US-IT-Konzern Apple baut sein "Eco-System" sukzessive aus. Die Abhängigkeit vom profitablen, aber rückläufigen iPhone-Geschäft wird durch neue Erlösquellen reduziert, die rasch Milliardenerlöse bringen. Die Hausaufgaben für die Zukunft dürfte Apple gemacht haben.

Apple vergoldet sein Eco-System mit neuen Services

Noch vor einem Jahr wurde einmal mehr das Ende des Wachstums für Apple beschworen - vorwiegend von Experten und Apple-Skeptikern, die auch die Jahre davor immer wieder dunkelste Wolken sahen, als die Verkäufe von iPhone zurückgegangen waren oder die Erwartungen von Analysten einfach nicht getroffen wurden.

Ein Jahr später scheint wieder alles anders zu sein. Die damaligen Kursverluste sind längst verdaut. Apple ist nach der kurzweiligen Unterbrechung wieder der Highflyer der Börse. Beim Börsenwert ist Apple auf steilem Weg nach oben: 50 Prozent Plus seit Jahresbeginn. Und beim Börsenwert hält Apple derzeit knapp über 1,1 Billionen Dollar und ist knapp vor Microsoft das teuerste Unternehmen gemessen am Börsenwert.

Die jüngsten Quartalsergebnisse bringen es einmal mehr auf den Punkt: Im 4. Quartal 2019 (Ende per 29. September) hat Apple den Konzernumsatz um zwei Prozent auf 64 Milliarden Dollar (57 Mrd. Euro) gesteigert. Der Gewinn ging allerdings um 2,8 Prozent zurück - von 14,1 Mrd. auf 13,7 Mrd. Dollar. Und noch ein - für bisherige Quartalsergebnisse relevante Zahl - Faktum: Der Anteil des Top-Produktes, jahrelangen Gewinn- und Profitbringers iPhone am Gesamtumsatz nimmt erneut ab. Nur noch 52 Prozent des Umsatzes steuert der Verkauf des iPhones bei.

Im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre hatte das iPhone zwischenzeitlich bis zu 70 Prozent der Erlöse beigesteuert. Wenn der Smartphonemarkt erst einmal gesättigt ist, die Konkurrenz nachzieht und qualitativ gleichzieht oder Besseres auf den Markt bringt, wird's das wohl gewesen sein", lautete eine oft verbreitete Meinung.

Tim Cook als Nachfolger des verstorbenen Langzeit-CEO und Mastermind Steve Jobs wurden aufgrund seines bisweilen schnöden Wesens, angeblich wenig Kreativ angedichtet und wegen seiner unaufgeregten und mit wenig Show garnierten öffentlichen Auftritte mehrfach abgeschrieben. Sieben Jahre nach dem Tod von Steve Job ist Tim Cook unangefochtener Chef des Apple-Imperiums und braucht keinen Vergleich mit Jobs mehr fürchten.

Das goldene Eco-System

Apple hat unter der Führung von Cook das geschafft, was das Management schon immer getrommelt hat. Das Apple-Eco-System auszubauen, passende Services hinzuzufügen, die sich nahtlos über iPhone, iPad, den MacBook- und iMac-Rechnern sowie zuletzt auch über Apple Watch nutzen lassen, dazu noch eine stets wachsende Developer-Community, die unermüdlich Programm entwickeln, die übers Apples Internetladen AppStore abgerufen und kostenpflichtig gekauft werden.

Doch damit nicht genug: Apple ist in der komfortablen Situation, das Eco-System weiter auszubauen, neue Dienste anzudocken, für die Kunden bereit sind Abos abzuschließen. Und mit den Aboservices sichert sich der US-Konzern weitere Erlösströme und befreit sich selbst aus der bisherigen Abhängigkeit vom Erfolg des iPhones und vor allem des daraus generierten Profits verringern. Preissenkungen oder rückläufige Nachfrage beim iPhone kann damit nicht nur ausgeglichen oder gar abgefangen werden. Die einst schon fast als Rohrkrepierer diskreditierte Apple Watch entwickelt sich immer mehr zum Kassenschlager. Die Apple-Armbanduhr ist die am meisten verkaufte Smartwatch mit einem Marktanteil von 42 Prozent weltweit noch vor Samsung mit 15,9 Prozent und dem Dritten Fitbit mit 9,8 Prozent. Dazu hat Apple mit den kabellosen Ohrhörer AirPods einen regelrechten Nachfragehype entwickelt. Das Ohrstöpsel-Musikpaar kostet immerhin 279 Euro. Kopfhörer oder auch die HomePods-Lautsrecher entwicklen sich ebenso zum Kassenschlager.

Die weitere Zukunft liegt jedoch in Datendiensten, das bereits kräftig brummt und lukrativ ist. Schon 33 Prozent des Gesamtumsatzes kommen aus den Service wie AppStore, Apple Care, Apple Music, Cloud-Diensten sowie dem Zahlungsdienst Apple Pay. Letzteres entwickelt sich für den US-Konzern zu einer wahren Cashcow gleich in mehrfacher Hinsicht. Zwar muss sich Apple bei der Zahlungsabwicklung einen Provisionsanteil mit den Banken teilen. Mit dem Payment-Service Apple Pay (bereits in über 49 Ländern und 6000 Unternehmen, die den Zahlungsdienst akzeptieren sowie in Kooperation mit über 1000 Banken) hat der IT-Riese Tuchfühlung zu seiner Kundschaft, die künftig noch mit weiteren Diensten und Services aus dem Hause Apple versorgt werden sollen. Mit Apple Pay hat der IT-Konzern den Einstieg ins Konsumentenkredit gemacht. iPhones könnten beispielsweise als Ratenkauf in 12 oder 24 Monatsraten verkauft werden. Damit würde Apple gleichzeitig Zahlungsvermittler wie PayPal, Wirecard oder auch die Banken attackieren, die Konsumentenkredite finanzieren.

Apple will jedenfalls die Zahl der Abonennten massiv erhöhen, die eines der zahlungspflichtigen Abo-Services beziehen. Frei nach dem Motto: Einmal Apple-Kunde, immer Apple-Kunde. Derzeit hält Apple bei insgesamt 450 Millionen Kunden - nach 330 Millionen im Vorjahr. Im Verlauf des Jahres 2020 soll laut Apple die 500-Millionen-Marke erreicht werden.

Der Medienkonzern

Aber damit nicht genug: Denn Apple entwickelt neben den Musikdiensten weitere Unterhaltungskanäle. Der Konzern mutiert so auch immer mehr zu einem Medienkonzern. Zuletzt hat Apple einen eigenen Game-Channel mit Apple Arcade gestartet. Apple will damit Computerspieler mit einem Monatsabo um 4,99 Euro locken. Apple verspricht dabei große Benutzerfreundlichkeit, Einfachheit und vor allem ein Spieleangebot von namhaften Game-Developern. Dabei steigt Apple als Newcomer in den Ring mit den beiden Platzhirschen Sony PlayStation und Microsoft Xbox, die zuletzt lange Jahre das Konsolengeschäft als Quasi-Duopol dominierten. Amazon und Google haben heuer auch schon anklingen lassen im Game-Sektor mitzuspielen.

Eine weiteres Milliardenbusiness und somit weitere wichtige Erlössäule startet Apple mit Apple TV+. Hier attackiert Apple Netflix oder auch Amazons Prime. Ab 1. November startet Apple in über 100 Ländern gleichzeitig seinen Video- und Unterhaltungskanal.

Gedeckter Weihnachtstisch

Kaum Wunder, dass die Analysten positiv in die Zukunft blicken. Der überraschende Ergebniseinbruch aus dem Weihnachtsquartal 2018 scheint vergessen. Für das laufende Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft 2019 wird einen Umsatz-Zuwachs auf 85,5 bis 89,5 Milliarden Dollar (77 bis 80,6 Mrd. Euro) prognostiziert. Apple rechnet für das 1. Quartal des Geschäftsjahres 209/2020 mit einem Gewinnmarge zwischen 37,5 bis 38,5 Prozent (Gross margin). Die Steuerbelastung gibt der iPhone-Konzern mit eine Rate von 16,5 Prozent an.

Kam es im Vorjahresquartal noch zu einem Rückgang der Erlös auf 84,3 Mrd. Dollar, dürfte die Rechnung heuer wieder besser sein. Im Vorjahr kam es zu rückläufigen Erlösen beim iPhone. Dies war einerseits auch den rückläufigen Umsätzen in China geschuldet aufgrund des sich anbahnenden Handelskrieges. Allein in China ging der Umsatz um 20 Prozent zurück. Zuletzt hatte sich das China-Geschäft einigermaßen bei einem Umsatzminus von rund zwei Prozent auf 11,1 Mrd. Dollar eingependelt.

Dank neuem iPhone, neuester Version von Airpods und einem neuen Macbook Air sowie der neuen Dienste Apple TV+ sowie dem Gameportal Apple Arcade könnte die Erfolgsstory im Weihnachtsgeschäft Apple wieder reichlich Profit bescheren.

Viele Analysten haben zuletzt die Prognosen und Kursziele der Aktie wieder kräftig angehoben. Die Apple-Aktie [ISIN US0378331005] hatte nach Bekanntgabe des Quartalsbericht im nachbörslichen Handel seit vergangenen Nacht bereits um knapp zwei Prozent zugelegt. Am Donnerstagnachmittag [31.10. - MEZ 15:55 Uhr] notierten die Apple-Papier mit einem Plus von 1,7 Prozent bei 247,26 Dollar.

Einzig: Der Handelskrieg mit China und die damit verbundenen hohen Zölle und Schranken gegen die chinesischen Hersteller Huawei, ZTE oder Xiaomi könnte Apple noch Kopfzerbrechen bereiten, um in China weiterhin lukrative Geschäfte zu machen. Nach Meinungsverschiedenheiten zu Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump dürfte Tim Cook einen "modus vivendi" gefunden haben, mit dem sprunghaften US-Präsidenten klar zu kommen. In der Zwischenzeit genießt Cook beim Präsidenten größte Anerkennung. Und Cooks Rat wird im "Weißen Haus" nicht nur gehört.

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher

Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher: "Kein Grund für Panik"

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher über die Energiekrise und …

Hohe Energiekosten: Gratisstrom für alle scheint eine gangbare Lösung zur Eindämmung zu sein.

Gratis-Strom: eine "überlegene Handlungsoption"

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat seinen Vorschlag für ein …

Erste Group CEO Willibald Cernko

Erste Group CEO Willibald Cernko: "Wir sollten uns nicht so fürchten"

Der neue Erste-Group-Chef Willibald Cernko im trend. INTERVIEW über …

Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich.

Martin Selmayr: „Der Rubel ist auf der Intensivstation“

Martin Selmayr, Leiter der EU-Kommissions-Niederlassung in Österreich, im …