Apple & Co nach US-Steuereform in Jubelstimmung

Apple & Co nach US-Steuereform in Jubelstimmung

Apple-Vorstandschef Tim Cook nutzt die US-Steuerreform einmal mehr zur Optimierung der Milliarden an Cashreserven - und unter anderm, um einen zweiten US-Hauptsitz zu bauen.

Nach der US-Steuerreform sind einige US-Konzerne in Feierlaune. Apple ist der erste von mehreren Topkonzernen, die nun Milliarden investieren wollen. Ein zweiter Hauptsitz soll in den USA gebaut, tausende Mitarbeiter eingestellt und Milliarden investiert werden. Donald Trump ist ganz außer sich. Doch nicht alle Konzerne sind euphorisch. Es gibt auch Verlierer.

New York/Cupertino (Kalifornien). "Amerika zuerst", lautet das Credo von US-Präsident Donald Trump seit einem Amtanstritt im Jänner 2017. Ein Jahr und eine Steuerreform danach könnte Apple einer der großen Nutznießer dieser Haltung sein. Der iPhone- und Computerhersteller will in den USA einen zweiten Hauptsitz bauen, 20.000 Arbeitsplätze auf dem Heimatmarkt schaffen und in den nächsten fünf Jahren in den USA rund 30 Milliarden Dollar investieren. Und noch ein Zuckerl hat der Apple-Chef Tim Cook für Trump parat: 38 Milliarden Dollar an Steuern zahlt der Konzern auf sein Auslandsvermögen.

Doch nicht nur Apple ist in Jubelstimmung. Zahlreiche weitere US-Unternehmen, die Vermögen im Ausland geparkt haben, dem Beispiel folgen. Der Telekomkonzern AT&T und der Einzelhändler Wal-Mart haben ebenfalls schon neue Investitionen, Bonizahlungen oder Gehaltserhöhungen im Zusammenhang mit der Reform bekanntgegeben. Der Präsident des deutschen ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht bereits einen verschärften Wettbewerb unter den Ländern um die Ansiedlung von Investitionen und Arbeitsplätzen.

Apple steht schon seit Jahren unter dem Druck der Politik, weil der Konzern international sämtliche Winkelzüge ausnützt, um die Steuerbelastung gegen Null zu optimieren. Und mit dem Amtsantritt von Donald Trump vor einem Jahr hat sich der Druck gegen Apple ausgerechnet am Heimmarkt weiter verschärft. Der US-Präsident hatte kaum eine Gelgenheit ausgelassen, Apple wegen seiner Produktion von iPhones oder iPads in Asien zu kritisieren.

US-Präsident Donald Trump, der es vor seiner Präsidentschaft mit dem Steuerzahlen selbst nicht immer so ernst nahm, glaubt nun triumphieren zu müssen. Und bringt sich in seinem Lieblingsmedium Twitter in Bewegung: "Riesiger Gewinn für die amerikanischen Arbeiter und die USA" twitterte er. Seine Steuerreform begünstigt Unternehmen durch einen niedrigen Steuersatz und Abschreibungsmöglichkeiten auf Investitionen in den USA.

Der Zündfunke

Doch Apple-Chef Tim Cook, der vor gut einem Jahr mit gut zwei Dutzend anderen CEOs zum Rapport bei Trump antanzen musste, will die überschäumende Euphorie des Präsidenten und seiner Fans dämpfen.

Die Steuerreform dürfte nun Anlass gewesen sein, auf dem Heimatmarkt aktiver zu werden. Apple-Chef Cook will freilich nicht, dass Trump die Lorbeeren erntet, nachdem ihm dieser permanent in die Geschäftspolitik reingeledet hatte: "Lassen Sie mich deutlich sein: Große Teile sind eine Folge der Steuerreform und große Teile hätten wir in jeder Situation getan", sagte Cook in einem TV-Interview.

Zugleich erklärte er, die Erfolgsgeschichte des Konzerns habe nur in Amerika geschrieben werden können. "Wir sind stolz darauf, auf unserer langen Geschichte der Unterstützung für die US-Wirtschaft aufzubauen." Er wie auch andere Größen aus der kalifornischen Techbranche hatten sich in der Vergangenheit wiederholt bei verschiedenen Themen wie der Einwanderung und dem Umgang mit US-amerikanischen Rassisten gegen Trump gestellt.

Die gefüllten Kassen außerhalb der USA

Apple verfügt im Ausland über ein über die Jahre angehäuftes Barvermögen von über 252 Milliarden Dollar - mehr als jedes andere US-Unternehmen. Durch die Reform werden dafür nun 38 Milliarden Dollar fällig, was einer Einmalsteuer in Höhe von 15,5 Prozent entspricht. Der Konzern hatte zu diesem Zweck bereits 36,3 Milliarden Dollar zurückgelegt. Ähnlich sind andere Unternehmen wie Google, Microsoft, Oracle, Facebook, Uber oder Airbnb augestellt, die sämtliche Steuertricks anwenden, um etwa das erwirtschaftete Geld von den USA fernzuhalten und gleichzeitig die Gelder in Europa etwa steuervermeidend und steueroptimierend im Kreis zu schicken.

Apple machte keine Angaben dazu, wie viel Geld tatsächlich in die USA geholt wird. Die Steuer greift unabhängig davon. Einige Geldgeber vermuteten bereits, dass Apple im Zuge der angekündigten Investitionen seine Aktienrückkäufe ausweitet und höhere Dividenden zahlt. Die Aktie ging am Donnerstag mit leichtem Plus bei 179,10 Dollar in den frühen Handel - die Apple-Aktie notiert somit wieder einmal auf einem neuen Allzeitshoch.

Apple-Aktie 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Die Company ist somit nach Börsenwert nunmehr mit 938 Milliarden Dollar die wertvollste börsenotierte Company.

Zwischen Anreiz und Placebo

Apple kündigte an, in den nächsten fünf Jahren insgesamt 350 Milliarden Dollar in den USA ausgeben zu wollen. Ein Großteil davon wandert in Datenzentren, um das wachsende Cloud-Angebot, den App-Store und den Musikstreaming-Dienst besser verwalten zu können. Zudem nimmt der Konzern aus Cupertino mehr Geld für US-Zulieferer in die Hand. Bei dem neuen Standort ließ Apple bisher offen, wo dieser liegen soll. Amazon hat zuletzt in den USA ein Rennen unter den Städten ausgelöst, als es Bewerbungen für einen zweiten Hauptstandort neben Seattle einholte.

Ob die Rückholung von Auslandsvermögen tatsächlich der weltgrößten Volkswirtschaft und dem Arbeitsmarkt zugute kommt, muss sich noch zeigen. Als 2004 unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush ein ähnliches Gesetz verabschiedet wurde, brachten zwar 843 international tätige US-Unternehmen ihre Gewinne zurück in die USA. Von den damals 362 Milliarden Dollar floss jedoch der größte Teil in Aktienrückkaufprogramme und Dividendenerhöhungen.

Negative Folgen hat die Reform ebenfalls: Vor allem Banken stehen unter Druck. So bezifferte Goldman Sachs die Belastungen für das vierte Quartal auf 4,4 Milliarden Dollar. Andere Finanzinstitute wie JPMorgan oder die Bank of America müssen ebenfalls Milliardenkosten für die Steuerreform schultern. Und die Deutsche Bank belastet sie mit rund 1,5 Milliarden Euro, womit 2017 erneut keine schwarzen Zahlen geschrieben werden. Profitieren konnten hingegen deutsche Autobauer wie Daimler und BMW.

René Benkos Signa-Gruppe steigt bei "Krone" und "Kurier" ein

Wirtschaft

René Benkos Signa-Gruppe steigt bei "Krone" und "Kurier" ein

Ferdinand Zvonimir Habsburg-Lothringen

100 Jahre Republik - die neuen Habsburger

100 Jahre Republik: Die neuen Habsburger

Karl Habsburg, Oberhaupt der Familie Habsburg

100 Jahre Republik - die neuen Habsburger

Karl Habsburg: "Keine ererbten Lorbeeren mehr"