Mehr offene Stellen, aber Arbeitslosigkeit steigt weiter

Mehr offene Stellen, aber Arbeitslosigkeit steigt weiter

Die Arbeitslosigkeit ist im Juli gegenüber dem Vormonat leicht angestiegen. Gegenüber Juli 2015 ist die Zahl der Menschen ohne Arbeit leicht gesunken. Zu einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit kam es bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr sowie Ausländern. Kräftig gewachsen ist auch die Zahl der offenen Stellen. Jeder 15. Arbeitslose oder Schulungsteilnehmer ist Flüchtling.

Wien. Im Juli ist die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer wieder gestiegen: 379.679 Personen hatten keinen Job. Das sind um 0,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Zu einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit kommt es laut Sozialministerium bei Älteren ab dem 50. Lebensjahr (+5,9 Prozent) und bei Ausländern (+6,3 Prozent).

Drei halbwegs gute Nachrichten gibt es doch: Erstens ist im Jahresvergleich zum Monat Juli 2015 die Arbeitslosenquote immerhin um einen Zehntel Prozentpunkt auf 8,0 Prozent gesunken. Zweitens ist die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um 1,3 Prozent höher. Und drittens gibt es einen Lichtblick am Arbeitsmarkt: Die gemeldeten offenen Stellen sind um 40,8 Prozent auf 43.800 hinaufgeschnellt.

Bei Inländern sank die Arbeitslosigkeit im Juli um 1,6 Prozent: 233.983 Österreicher waren im Juli arbeitslos vorgemerkt. Hingegen stieg die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Ausländer um 6,3 Prozent auf 87.273 Personen. Zu den insgesamt 321.256 vorgemerkten Arbeitslosen (+0,4 Prozent) kamen noch 58.423 Schulungsteilnehmer des AMS ohne Arbeitsplatz (+3,1 Prozent).

Betrachtet nach Geschlecht sank die Arbeitslosigkeit (nur vorgemerkte Arbeitslose) bei Männern um 1,0 Prozent, während sie bei Frauen um 2,1 Prozent anstieg. Deutlich rückgängig war die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre), wo sie um 6,6 Prozent sank. Positiv entwickelte sich auch der Lehrstellenmarkt, wo weniger Lehrstellensuchenden deutlich mehr offene Lehrstellen gegenüberstanden. Insgesamt reduzierte sich die Lehrstellenlücke, also die Zahl der fehlenden Lehrstellen, um 525 auf 4.986.

Von den Branchen zog der Arbeitsmarkt am Bau und in der Produktion spürbar an. Im Vorjahresvergleich sank die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen am Bau um 9,4 Prozent, in der Warenproduktion um 4,0 Prozent. Auch bei der Arbeitskräfteüberlassung sank die Arbeitslosenzahl um 3,1 Prozent. Fast stagnierend war die Situation im Tourismus mit einem minimalen Rückgang um 0,2 Prozent. Etwas mehr Arbeitslose waren im Handel (+0,9 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (+2,9 Prozent) zu verzeichnen.

Gegliedert nach Bundesländern hat sich die Arbeitsmarktlage am stärksten in Tirol verbessert, wo die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer zusammengezählt um 7 Prozent sank. Auch in Salzburg (-4,1 Prozent) und Kärnten (-3,1 Prozent), Vorarlberg (-1,7 Prozent) und der Steiermark (-1,0 Prozent) gab es einen Rückgang. In den östlicheren Bundesländern allerdings war durchwegs ein Anstieg zu verzeichnen: Am stärksten stieg die Arbeitslosigkeit in Wien (+3,2 Prozent), gefolgt von Niederösterreich (+2,4 Prozent), Oberösterreich (+1,0 Prozent) und dem Burgenland (+0,9 Prozent).

Starker Anstieg der Akademikerarbeitslosigkeit

Deutlich gestiegen ist die Akademikerarbeitslosigkeit: 29.019 Personen waren vorgemerkt arbeitslos oder in Schulung, ein Plus von 13,5 Prozent zum Vorjahr. Hingegen ging die Arbeitslosigkeit bei Personen mit Lehrausbildung um 0,6 Prozent zurück.

AMS-Chef Johannes Kopf kommentierte die jüngsten Zahlen auf Facebook: Der Anstieg der Gesamtarbeitslosigkeit um 0,8 Prozent sei der bisher niedrigste Anstieg im Jahresvergleich. Auffallend sei, dass die dabei betroffenen inländischen Arbeitssuchenden mit -6.496 bzw. 2,3 Prozent rückläufig sind, die Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft jedoch mit einem Plus von 9.643 bzw. 9,8 Prozent deutlich ansteigen. Diese Entwicklung sei vor allem auf die neu auf den Arbeitsmarkt gekommenen geflüchteten Personen zurückzuführen.

Mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen und subsidiär Schutzberechtigten in Österreich hat auch die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge zugenommen. Aktuell 25.168 Flüchtlinge ohne Job bilden einen Anteil von 6,6 Prozent aller vorgemerkten Arbeitslosen oder Schulungsteilnehmer in Österreich. Das bedeutet, dass jeder 15. Arbeitslose oder Schulungsteilnehmer in Österreich ein Flüchtling ist..

Vor einem Jahr, im Juli 2015, waren erst 17.209 Flüchtlinge arbeitslos oder in Schulung. In einem Jahr kamen also um fast 8.000 Menschen neu dazu. Das Sozialministerium verweist auf einen abgeschwächten Anstieg: Von Juni auf Juli 2016 ist die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge nämlich um nur 59 Personen angestiegen.

Ende Juli 2016 waren 13.044 anerkannte Flüchtlinge und 2.281 subsidiär Schutzberechtigte als arbeitslos vorgemerkt. Weiters befanden sich 9.843 Flüchtlinge in Schulungsmaßnahmen des AMS. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 25,8 Prozent, jene der Schulungsteilnehmer um 95,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Innerhalb Österreichs sind die arbeitslosen Flüchtlinge sehr unterschiedlich verteilt: Zwei Drittel (16.731 Personen, bzw. 66,5 Prozent) waren bei den AMS-Geschäftsstellen in Wien registriert. An zweiter Stelle folgt Niederösterreich, wo 2.554 Personen bzw. 10,1 Prozent aller arbeitslosen Flüchtlinge wohnten. Mit nur 159 Flüchtlingen bzw. einem Anteil von 0,6 Prozent ist das Burgenland Schlusslicht der Bundesländer.

75 Prozent der arbeitslosen Flüchtlinge sind Männer. 28 Prozent der arbeitslosen Flüchtlinge sind unter 25 Jahren. 44 Prozent der arbeitslosen Flüchtlinge sind Syrer. 69,4 Prozent der arbeitslosen Flüchtlinge bezogen bedarfsorientierte Mindestsicherung.

4.212 Asyl- und Schutzberechtigte nahmen im ersten Halbjahr 2016 nach AMS-Vermittlung eine Arbeit auf. Von den Personen, die im Jahr 2015 Asyl oder Schutz in Österreich bekommen haben und Arbeit suchten, hatten Ende Juni 2016 10,1 Prozent eine Beschäftigung.

Das AMS hat im ersten Halbjahr 2016 für 24.700 Flüchtlinge Deutschkurse und Basisqualifizierungen durchgeführt oder Beratung und Betreuung geleistet.

In Wien ist die Zahl der Menschen auf Jobsuche weiter im Steigen: Im Juli waren 120.720 Menschen als arbeitslos vorgemerkt - ein Anstieg um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zugleich wuchs die Zahl der Schulungsteilnehmer um 12,8 Prozent auf 24.844. In Summe waren somit um 3,2 Prozent mehr Städter ohne Job, teilte das Wiener AMS am Montag mit.

Die vorläufige Arbeitslosenquote - hier sind Menschen in Schulungen nicht berücksichtigt - lag im Juli bei 12,8 Prozent, hieß es auf APA-Nachfrage. Junge Menschen haben derzeit offenbar die besseren Karten am Arbeitsmarkt. Bei den Unter-25-Jährigen gingen die Arbeitslosen um 3,9 Prozent zurück, dafür gab es bei der Gruppe 50-Plus einen Anstieg von 3,2 Prozent.

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