Andritz bekommt einen Dämpfer und hofft auf das zweite Halbjahr

Der steirische Anlagenbauer Andritz hat im ersten Halbjahr mit weniger Umsatz einen höheren Gewinn erzielt.

Andritz bekommt einen Dämpfer und hofft auf das zweite Halbjahr

Die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2016 sind für den steirischen Anlagenbauer Andritz (AT0000730007) nicht überragend gelaufen. Die Weltwirtschaft hat dem Anlagenbauer einen Dämpfer gegeben. Die Umsätze waren rückläufig, aber immerhin ist dem Unternehmen unter dem Strich etwas mehr Geld übrig geblieben.

Für das zweite Halbjahr erwartet Konzernchef Wolfgang Leitner insgesamt einen leicht niedrigeren Umsatz, aber verbunden mit einer anhaltend guten Rentabilität. Im wichtigen Hydro-Bereich hofft man den bisherigen Rückstand aufholen zu können.

Leitners Hoffnungen sind nicht unbegründet, denn im Wasserkraft-Bereich stehen heuer noch interessante Vergaben an, für die sich Andritz gute Chancen ausrechnet. Einige neue Wasserkraftprojekte seien in fortgeschrittener Planung, Modernisierungen seien wegen der niedrigen Strom- und Energiepreise allerdings aber bis auf weiteres verschoben. Neue Aufträge kamen bis Juni wegen des anhaltend fordernden Umfelds nur 591 Millionen Euro (-26 Prozent) herein, der Umsatz sank um sieben Prozent auf 807 Millionen Euro. Die Margen lagen aber höher, beim EBITDA bei 8,9 (8,5) Prozent.

Kursentwicklung der Andritz-Aktie (AT0000730007); 5-Jahres-Verlauf, Stand vom 5.8.2016

Kursentwicklung der Andritz-Aktie (AT0000730007); 5-Jahres-Verlauf, Stand vom 5.8.2016

Solides Pulp & Paper Geschäft

Im zweitgrößten Segment Pulp & Paper sieht Leitner eine relativ kontinuierliche Entwicklung, doch seien Investments bei Industriekesseln verhalten, vor allem zur Energiegewinnung, und neue Zellstoffwerke wurden im zweiten Quartal keine vergeben. Die Zellstoffwerk-Modernisierungen und -Erweiterungen liefen solide. Bei 980 Millionen Euro Umsatz (-6 Prozent) und unverändert 916 Millionen Euro Neuaufträgen legte die EBITDA-Marge der Sparte auf 9,2 (7,8) Prozent zu.

Im Metals-Sektor läuft es laut Leitner im Bereich Metallumformung, in dem die deutsche Tochter Schuler tätig ist, weiterhin recht gut - die Investitionstätigkeit der klassischen Stahlindustrie dagegen sei weiter sehr niedrig. In der Metallumformung habe es im zweiten Quartal einzelne Aufträge von Automobilherstellern gegeben, für die "bei Gewichtseinsparungen weltweit führende" Schuler einen von Daimler zur Modernisierung und einen für eine Anlagen-Neuinvestition bei Tesla. Der Metals-Auftragseingang legte bis Juni um 29 Prozent auf 769 Millionen Euro zu, der Umsatz lag mit 704 Millionen Euro um fast 12 Prozent tiefer. Die EBITDA-Marge gab auf 7,5 (7,6) Prozent nach.

Im Segment Separation ist die Marktentwicklung laut Leitner unverändert differenziert. Während es im Umwelt-, Klärschlamm- und Chemieindustrie-Bereich sowie bei Mineralstoffen eine zufriedenstellende Aktivität gebe, sei die Lebensmittelindustrie eher schwach, speziell die Milchwirtschaft, also die Molkereien. Der Auftragseingang blieb bis Juni mit 290 Millionen Euro aber etwa gleich hoch, die Erlöse sanken um ein Zehntel auf 270 Millionen Euro, die EBITDA-Marge wuchs auf 5,3 (5,0) Prozent; dennoch sei die Rentabilität noch immer nicht so hoch, wie man sie haben wolle.

Weniger Umsatz, mehr Gewinn

In Summe machte Andritz im ersten Halbjahr mit weniger Umsatz etwas mehr Gewinn. Die Erlöse sanken um 8,1 Prozent auf 2,76 Milliarden Euro, das Konzernergebnis nach Abzug nicht beherrschender Anteile stieg dagegen um 5,5 Prozent auf 120,2 Millionen Euro. Der Auftragseingang um ersten Halbjahr lag mit 2,57 Milliarden Euro um 0,5 Prozent unter Vorjahr. Der Auftragsstand per 30. Juni betrug 7,07 Milliarden Euro, 3,4 Prozent niedriger als Ende 2015.

Der Mitarbeiterstand wuchs im Jahresabstand um 3,0 Prozent auf 25.737 (24.992). Grund für das Plus war die erstmalige Konsolidierung der deutschen AWEBA Werkzeugbau Aue in Sachsen mit 580 Mitarbeitern sowie der Yangzhou Metal Forming Machine Tool in Yadon (China) mit 991 Mitarbeitern. Insgesamt waren für Andritz in China zuletzt 3.108 Leute tätig, in Deutschland 6.540 und in Österreich 3.360. Von den Beschäftigten entfallen 69 Prozent auf Europa und Nordamerika - und 31 Prozent auf Emerging Markets, wobei man diesen Anteil steigern wolle.

10 bis 15 Prozent der Andritz-Umsätze entfallen auf China, bei den Neuordern zuletzt sogar knapp ein Fünftel. Natürlich sei das Risiko in China höher als woanders, die China-Stimmung sei aber leicht positiv. Leitner: "Für China sind wir eine Spur optimistischer als vor einem halben Jahr." Für einen Abschwung spreche wenig, aber auch wenig für einen Boom.

Brexit beunruhigt Andritz nicht

Durch den Austritt Großbritanniens aus der EU - den Brexit - sieht Andritz laut Leitner "keine besonders dramatischen Auswirkungen". Schon in den letzten Jahren sei "in England in unserer Branche wenig investiert" worden. Als Markt für Andritz werde die Auswirkung "sehr gering" sein. In Großbritannien verfolge man ein größeres Wasserkraftprojekt, ob das - mit GE zusammen - zustande komme, hänge auch von Förderungen ab. Über indirekte Brexit-Effekte via EU oder Euro könne man aber philosophieren. Abgesehen davon sei die "Perspektivlosigkeit" der EU nicht positiv für Wirtschaft und Euro.

Im Halbjahresbericht heißt es: "Sollte sich das Wirtschaftswachstum in Europa als Folge des Austritts Großbritanniens deutlich verringern, so könnte dies eine negative Entwicklung auf die Geschäftsentwicklung der Andritz-Gruppe haben, da Europa mit durchschnittlich 35 bis 40 Prozent Anteil am Gesamtumsatz die wichtigste Wirtschaftsregion für die Andritz-Gruppe darstellt. Das direkte Geschäftsvolumen der Andritz-Gruppe mit Großbritannien ist als sehr gering einzustufen."


Service: Der Finanzbericht zum 1. Halbjahr 2016 zum Download

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