Die Wiedergeburt der Analog-Fotografie

Die Wiedergeburt der Analog-Fotografie

Zwar wurde das Geschäft mit klassischen Kompaktkameras vom Smartphone-Boom verdrängt, doch parallel dazu erlebt Analog-Fotografie ein schräges Revival. Vor allem Nachbauten der alten Polaroid-Kameras entwickeln sich zu regelrechten Kassenschlagern.

In Shibuya, einem Bezirk der japanischen Hauptstadt Tokio, werden die Trends von morgen definiert – wer hier durch die Einkaufsstraßen schlendert, der kann beobachten, was der Jugend des Landes am Herzen liegt: Ausgefallene Kostüme für Manga-Fans stehen ebenso in der Auslage wie quietschbunte „Hello Kitty“-Fanartikel und – zur Überraschung jener, die diese Produkte schon lange für tot erklärt hatten – Foto-Automaten: Vor allem junge Menschen sind es, die sich hier in enge Kabinen quetschen, sich in verspielten Posen fotografieren und die Fotos anschließend an Touchscreens mit Filtern und Effekten bearbeiten. Als Ergebnis nehmen sie schrille Ausdrucke in Passfoto-Größe mit nach außen – als Erinnerung an einen verrückten Shopping-Nachmittag mit Freunden.

Schräge Posen, verrückte Filter: Die Fotos der "Smomo"-Fotoautomaten in Japan werden vor Ort ausgedruckt, können aber auch in digitaler Form geteilt werden.

Ein paar hundert Meter weiter, in einer Filiale des Elektronikhändlers Yodobashi, entdecken aufmerksame Beobachter ebenfalls Produkte, die geradezu anachronistisch wirken: Die sogenannte Instax-Kamera von Fujifilm. Dabei handelt es sich um eine kleine Kamera, die analoge Fotos macht, welche mit dem Gerät gleich ausgedruckt werden können – so wie bei einer Polaroid-Kamera. Das Produkt verkauft sich offenbar gut, auch in Europa: Auf amazon.de rangiert die pinke Variante der Kamera unter den meistverkauften Produkten in der Kategorie „Foto“, gefolgt von den dazugehörigen Foto-Filmen – eine überraschende Entwicklung, wenn man doch bedenkt, dass sich Hersteller wie Nikon und Canon auf Messen wie der IFA in Berlin oder der Photokina in Köln gegenseitig darin überbieten, die leistungsfähigsten digitalen Spiegelreflex-Kameras auf den Markt zu werfen.

In diesem Video erklärt ein YouTube-Star das Konzept hinter Polaroid und Instax. Über 1,2 Millionen Menschen haben den Clip schon angesehen.

Für Fujifilm, das japanische Unternehmen hinter den Instax-Kameras, ist das Produkt ein Segen. Denn wie dem aktuellen Geschäftsbericht zu entnehmen ist, ist der Umsatz mit Fotografie zwar um 2,1 Prozent auf 353,3 Milliarden Yen (3,06 Milliarden Euro) geschrumpft – dies ist den Japanern zufolge aber vor allem auf Schwächen im Kompaktkamera-Segment zuzuschreiben. Die Instax hingegen wird vom Unternehmen gelobt: Steigende Verkaufszahlen beobachtet man vor allem in Europa und in den USA.

„Kontrastprogramm zum Smartphone“

Zurück in Österreich: Auch Robert Hartlauer kann diese Entwicklung nachvollziehen. Vor allem bei jüngeren Menschen sieht er eine entsprechende Nachfrage nach der Instax-Kamera in allen verfügbaren Farben: „Sie ist das Kontrastprogramm zum Smartphone, die Wiedergeburt der Polaroid durch Fuji“, sagt Hartlauer. Während analoge Fotografie sonst eigentlich als totgesagt gilt, fotografieren die Käufer der Instax-Kameras gerne auf Partys oder Kindergeburtstagen – der Reiz des Analogen: Nichts ist editierbar, nichts kann gelöscht werden.

Auch beobachtet er – ähnlich des Trends zu den Foto-Kabinen in Tokio – gerade bei jungen Leuten eine steigende Beliebtheit der Foto-Entwicklungs-Automaten in den Hartlauer-Filialen: Sie drucken sich die Bilder aus, damit sie diese nicht nur in digitaler Form besitzen, sondern sich auch an die Wand hängen können. Bei den Instax-Bildern und den Ausdrucken entwickelt das „Sharen“ eine ganz eigene Dimension: Ja, es wird geteilt – aber nicht auf Facebook, sondern im kleinen Kreis mittels Papierausdruck.

Einstiegsdroge Handy-Kamera

Durch den vergleichsweise geringen Preis – im Online-Shop von Hartlauer kostet die Kamera 79,95 Euro – wird die Instax in großen Stückzahlen verkauft. Eine ähnliche Rolle kam früher den Kompaktkameras in der Preisklasse unter 100 Euro zu, doch dieses Segment bricht immer mehr weg: Gute Schnappschüsse kann man heute schon mit fast jedem Smartphone machen – digitale Kameras werden hingegen von jenen Kunden gekauft, die sich mehr erwarten. So sind etwa digitale Spiegelreflex, wasserfeste Kameras, Actioncams oder Superzoom-Kameras wieder gefragt. „In Ergänzung zum Smartphone wird das verkauft, was das Smartphone nicht leisten kann“, sagt Hartlauer: „Die klassische Einsteigerkamera wurde hingegen durch das Smartphone ersetzt.“

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Nun bezeichnet er das Smartphone, das die meisten Menschen immer dabei haben, als „Einstiegsdroge“, durch die bei vielen Menschen der Wunsch nach mehr entsteht - das sehe man allein schon an den Clubs aus Hobby-Fotografen, von denen es derzeit rund 800 in Österreich gibt. Früher waren es bloß 150 Clubs, und die Einstiegsbarrieren waren hoch – allein schon, weil jedes Foto mit dem Kauf des Fotofilms und der Entwicklung des Fotos bares Geld kostete.

Mit der Digitalfotografie können Hobby-Fotografen heute wiederum mehr experimentieren, und parallel dazu gewinnen analoge Kameras wieder an Beliebtheit. Die Verwendung dieser Kameras kostet zwar pro Foto einen gewissen Geldbetrag – ein Film-Paket mit 40 Aufnahmen kostet bei Amazon 36,62 Euro -, dafür werden analog aber auch weit weniger Fotos geschossen als mit den Digitalkameras. Ein kleines Stückchen Luxus auf Papier, das man sich beizeiten gönnt.

Lomo Automat: Instax, made in Austria

Nachahmer hat das Produkt aus Japan in Österreich übrigens auch schon gefunden. Die Lomographische Gesellschaft, die seit Jahren schon auf analoge statt digitaler Fotografie setzt, startete am 31.8. eine Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter für ihre Sofortbild-Kamera „Automat“ – ähnlich wie die Instax kann diese die Fotos sofort ausdrucken, mit dem in der Community so beliebten Lomo-Look.

Das angestrebte Finanzierungsziel wurde zum Start mit 100.000 Euro angegeben – am Abend des nachfolgenden Tages hatten die Fans schon 200.000 Euro in das Projekt investiert.

Mit diesem Video wirbt die Lomographische Gesellschaft für ihre eigene Polaroid-Kopie. Der Community gefällt das offensichtlich.

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