América Móvil CFO: "Eine Mauer würde uns stärken"

Carlos Moreno, CFO América Móvil

Carlos Moreno, CFO América Móvil

Der Mexikaner Carlos Moreno, als CFO des Telekom-Giganten América Móvil einer der mächtigsten Manager Südamerikas, plädiert im trend-Interview für Gelassenheit gegenüber Donald Trumps Politik. Auch was den Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko und die Einführung von Strafzöllen betrifft.

trend: Nehmen wir an, Sie würden direkt nach diesem Interview zu einem Termin beim neuen US-Präsidenten gerufen -was würden Sie Donald Trump denn sagen?
Carlos Moreno: Ich würde ihm wahrscheinlich sagen, dass sein Verhalten für Mexiko in Wahrheit eine ganze Reihe von Möglichkeiten eröffnet. Das NAFTA-Abkommen zum Beispiel ist seit 22 Jahren in Kraft und hat uns näher zusammengebracht, das war positiv. Aber inzwischen gibt es viel, das man adaptieren könnte. Wenn das jetzt von Trump initiiert wird, umso besser. Das wird uns letztendlich voranbringen. Und es ist egal, wie der neue Präsident der Vereinigten Staaten agiert, der Trend zur weltweiten Integration lässt sich ohnehin nicht aufhalten.

trend: So wie es aussieht, will Trump de facto aber eher einen Rückschritt im internationalen Freihandel.

Moreno: Man muss da gelassen bleiben. TPP zum Beispiel ist ja noch gar nicht in Kraft. Mexiko hat außer NAFTA eine Reihe weiterer Freihandeslabkommen unterzeichnet, wir haben zum Beispiel eines mit der EU, eines mit Japan. Auch wenn sich in Bezug auf die USA bei NAF-TA etwas ändern sollte, wird Mexiko auf alle Fälle dennoch weiter eine erfolgreiche und offene Volkswirtschaft bleiben. Am Ende wird uns das Vorgehen Trumps, was immer er vielleicht noch planen mag, voraussichtlich sogar stärker und international wettbewerbsfähiger machen.

trend: Wie ist die Stimmung in Mexiko? Unterstützten Wirtschaft und Bevölkerung den Kurs von Präsident Peña Nieto, der soeben erst ein Treffen mit Trump wegen des geplanten Mauerbaus abgesagt hat?
Moreno: Unser Eigentümer, Carlos Slim, ist kürzlich gemeinsam mit anderen Unternehmern in die Öffentlichkeit gegangen und hat demonstriert, wie sehr unser Land zusammenhält. Wir stehen hinter dem Präsidenten Peña Nieto. Man muss auch immer genau hinsehen, was Verhandlungstaktik und was wirklich Sache ist. Carlos Slim hat mit einem Seitenhieb auf den neuen amerikanischen Präsidenten ja auch gesagt: Er selbst ist kein Terminator, sondern ein Negotiator -ein Verhandler.


Am besten bleiben wir einfach einmal cool.

trend: América Móvil ist sowohl an der Börse in New York wie auch an der Nasdaq gelistet. Sorgen Sie sich angesichts des gespannten Verhältnisses zwischen Mexiko und den USA um ihre Aktienkurse?
Moreno: Natürlich existiert derzeit ein wenig Unsicherheit, aber das wird sich geben. Sie werden sehen, dass sich die Finanzindikatoren alle wieder beruhigen werden, alles wird sich normalisieren. Bis jetzt haben die Kurse unserer Aktien keineswegs ernsthaft gelitten.

trend: Also trotz des polternden Auftretens Donald Trumps gegenüber dem Nachbarn Mexiko alles halb so wild?
Moreno: Bleiben wir am besten einfach einmal cool und warten ab. Peña Nieto und Trump haben ja in einem gut einstündigen Telefonat auch vereinbart, dass sich nun einmal amerikanische und mexikansiche Verhandlungsteams zusammensetzen sollen. Lassen wir die miteinander reden und schauen, was dabei an Ergebnissen herauskommt.

trend: Was glauben Sie persönlich: Wird es zu einem Mauerbau kommen?
Moreno: Unglücklicherweise sieht es derzeit danach aus, aber auch hier sollte man einfach einmal abwarten. Vergessen Sie nicht, es gibt ja bereits über viele, viele Kilometer eine Mauer zwischen den USA und Mexiko, die damals Präsident Bush bauen ließ.


Ich glaube nicht, dass die USA wirklich neue Importsteuern nur für Mexiko einführen würden.

trend: Was würden Strafzölle zur Finanzierung des Mauerbaus für die mexikanische Wirtschaft bedeuten?
Moreno: Das hängt sehr davon ab, wie Strafzölle aussehen würden. Ich glaube nicht, dass die USA wirklich neue Importsteuern nur für Mexiko einführen würden. Wenn, kommt das wohl für alle. América Móvil wird davon ohnehin nicht betroffen sein, weil wir in den USA keine Dienstleistungen anbieten.

trend: América Móvil ist in Lateinamerika sehr präsent, in Europa nur in Österreich und über die Telekom Austria in einigen süd-und osteuropäischen Ländern. Kommt es als Reaktion auf die Probleme mit den USA zu einem stärkeren Engagement in Europa?
Moreno: Unsere europäischen Interessen liegen in Österreich und Osteuropa, wo wir weiter über Wien präsent sein wollen. Da haben wir, vor allem was das Leitungsnetz anlangt, viel vor. Der Ausbau der Datenleitungen ist wesentlich. Wir errichten etwa im Norden Wiens um 30 Millionen Euro ein neues Datencenter, das unsere künftigen Dienste in Ost-und Südeuropa unterstützen wird. Das Datencenter im Wiener Arsenal bauen wir zusätzlich aus. Wir haben mit Cloud Services und rund um die Digitalisierung große Pläne.

trend: Haben Sie unmittelbare, konkrete Pläne für Ihr Europa- Engagement?
Moreno: Dass wir künftig mit einer Einmarken-Strategie arbeiten wollen, haben wir schon öfter betont. Das gehen wir nun an, in den nächsten Monaten werden wir die Markenvielfalt vereinheitlichen. In Slowenien wird diese Marke A1 heißen. Die anderen Umstellungen in den einzelnen Ländern erfolgt Schritt für Schritt.


Zur Person

Carlos José García Moreno Elizondo , geb. 1957 in Mexiko, ist Finanzvorstand von América Móvil, dem größten Telekommunikationsunternehmen Lateinamerikas und einem der ertragsstärksten der Welt. An der Telekom Austria hält América Móvil 51 Prozent, Moreno ist dort Vize-Aufsichtsratschef.

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