Aldi, Hofer und Lidl senken die Milchpreise - und verärgern damit die Bauern

Aldi, Hofer und Lidl senken die Milchpreise - und verärgern damit die Bauern

Laut Hofer herrscht am Markt ein Überangebot, das zu sinkenden Rohstoffpreisen führt.

Beim deutschen Diskonter Aldi werden die Milchpreise gesenkt, ebenso beim österreichischen Ableger Hofer. Andere Händler wie Lidl, Edeka, Netto und Rewe ziehen mit. Das dürfte die Kunden freuen - Bauern und NGOs sind hingegen äußerst besorgt.

Die deutschen Diskonter Aldi Nord und Aldi Süd sowie der Österreich-Ableger Hofer haben am Montag nach eigenen Angaben die Preise für Milchprodukte verbilligt. Hofer senkte die Preise für Haltbarmilch um bis zu zehn Cent. In Deutschland wird Frischmilch um zehn Cent je Liter reduziert.

Auch bei einer Reihe von Molkereiprodukten wie Topfen, Obers und Kondensmilch sowie Fleischwaren wie Faschiertem setzen die beiden Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd den Rotstift an. Aldi-Konkurrenten kündigten an, nachziehen zu wollen. "Lidl Deutschland vollzieht die von einem Mitbewerber ausgelöste Preissenkung ebenfalls nach und folgt damit dem Gesamtmarkt", hieß es zum Beispiel rasch aus der PR-Abteilung von Lidl. Auch der Discounter Norma senkte eine Reihe von Preisen. Ein Sprecher von Rewe und Penny kündigte an, man werde mit den "jeweiligen Preiseinstiegseigenmarken auf die vom Wettbewerb ausgelöste Preisrunde bei Milch und Fleisch reagieren". Auch Edeka und die Edeka-Tochter Netto-Markendiscount bestätigten Preissenkungen und teilten mit, Einkaufsvorteile an die Kunden weitergeben zu wollen.

Milchbauern sind besorgt

Aldi gilt im deutschen Lebensmittelhandel als Schrittmacher. An den Preisen der Diskonter orientieren sich erfahrungsgemäß Supermarktketten in ihrer untersten Preislage mit Eigenmarken. Bei Milcherzeugern wird die Entwicklung mit Sorge betrachtet. "Wir steuern wieder auf eine Krise zu", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter der dpa. Ein weltweit hohe Milchproduktion, eine schwächere Nachfrage aus China und die Sanktionen Russlands drückten auf die Preise.

Vergangene Woche hatte in Österreich der ÖVP-Bauernbund nach der Rewe-Tochter Penny erneut eine Supermarktkette bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) wegen "Dumpingpreisen" angezeigt. Dieses Mal traf der Zorn der Bauern Zielpunkt. Der Lebensmittelhändler verkaufte Haltbarmilch von Schärdinger um 54 Cent den Liter. Die BWB prüft die Anzeige hinsichtlich einer Marktverzerrung. Die Bauern fürchten wegen der "Schleuderaktion" einen "Dominoeffekt". Zielpunkt bezeichnet die Anzeige als "überzogen", auch weil Haltbarmilch nicht mit frischer Milch vergleichbar sei.

Besorgt sind schließlich auch diverse Tierschützer: "Die Anforderung an Qualität und Nachhaltigkeit müssen erfüllt werden", teilte die Umweltschutzorganisation Greenpeace mit. Der Deutsche Tierschutzbund sprach von einer Preis-Dumping-Strategie, die auf dem Rücken der Tiere und auch der Landwirte ausgetragen werde. Erst im Jänner seien die Preise für Eier massiv gesenkt worden, im März die für Fleisch.

Aldi Nord und Aldi Süd verwiesen auf ein Überangebot auf den Märkten, das zu sinkenden Rohstoffpreisen führe. Im Detail fielen die Preise am Montag bei Frisch- und H-Milch mit 1,5 Prozent Fettgehalt um zehn Cent je Liter auf 55 Cent (minus 15,4 Prozent). Bei Frisch- und H-Milch mit 3,5 Prozent Fettgehalt sanken die Aldi-Preise ebenfalls um zehn Cent auf 59 Cent je Liter (minus 14,5 Prozent).

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