Akute Rezessiongefahr in Deutschland - für Österreich ein Problem

Immer mehr Wirtschaftsexperten warnen vor einer Rezession in Deutschland bereits im dritten Quartal 2019. Warum auch Österreich droht in dieses negative wirtschaftliche Fahrwasser zu geraten. Mit welchen Auswirkungen Ökonomen rechnen.

Akute Rezessiongefahr in Deutschland - für Österreich ein Problem

Bitte alles anschnallen: Deutschland stehen harte Zeiten bevor. Denn der deutschen Wirtschaft droht eine Rezession. Davon gehen jedenfalls immer mehr Ökonomen aus. Ihre Warnungen klingen dramatisch: "Die Schwäche in der Industrie breitet sich wie ein Ölfleck nach und nach in andere Wirtschaftszweige aus, wie beispielsweise in die Logistik, die zu den Dienstleistern zählt“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die deutsche Fondsgesellschaft DWS hat wie viele andere Experten für Deutschland die Wachstumsprognosen für 2019 und 2020 gesenkt.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte ebenfalls düstere Prognosen. Sein aktueller Konjunkturindikator weißt bereits ein Rezessionsrisiko von 59,4 Prozent auf - nach 43 Prozent im August.


Akute Rezessionsgefahr

Das ist der höchste Wert seit dem Winterhalbjahr 2012/13. Es bestehe eine "akute Rezessionsgefahr", sagen die IMK-Ökonomen. Schuld daran ist vor allem auch die hohe Exportquote des Landes und damit die Abhängigkeit von anderen Ökonomien, wie der Chinas, das derzeit unter einem besonders starken Wachstumsrückgang leidet.

Arbeitslosigkeit steigt bereits
Die Konjunkturschwäche habe zudem laut Ifo-Konjunkturchef Wollmershäuser mittlerweile "ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen". Die Arbeitslosigkeit steigt bereits den vierten Monat in Folge und immer mehr Unternehmen melden bereits Kurzarbeit an.

„Generell ist der Ausblick mit hohen Unwägbarkeiten verbunden. So unterstellen wir, dass ein harter Brexit oder eine Eskalation des US-Handelskrieges ausbleiben, so Robert Lehmann von EconPol.

Doch hat Deutschland das Potential andere Staaten, wie etwa auch Österreich, mit in den Abgrund zu reißen? Zählt Österreich doch zu den wichtigen Handelspartnern Deutschlands. Wie Experten die Lage einschätzen.

Größtes Problem: Starker Produktionsrückgang in der Autoindustrie
Das größte Problem stellt derzeit der Produktionsrückgang in der Autoindustrie Deutschlands dar, stellt die Autoproduktion doch den wichtigsten Industriezweigs dar. "Die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft und ihre wichtigsten Handelspartner sehen derzeit nicht besonders gut aus, vor allem wenn wir uns die jüngsten Entwicklungen in der Automobilproduktion genauer ansehen", befindet ifo-Forscher Robert Lehmann.

Hoher Produktionsrückgang in der deutschen Autobranche bereits im Vorjahr
Wie stark die Produktion in der deutschen Autoindustrie bereits eingebrochen ist, belegt die Grafik eindrucksvoll. Demnach ist die Produktion in der Autoindustrie im Vorjahr in nur einem Quartal um 9,4 Prozent eingebrochen, die der gesamten Produktion in Deutschland dagegen nur um vergleichsweise moderate 1,4 Prozent.

Der Produktionsrückgang mit dem die deutschen Autoindustrie seit dem Vorjahr zu kämpfen hat, ist erheblich.

450.000 Österreicher sind in der Autobranche tätig
Damit ist auch Österreich indirekt von den Rezessionsgefahren in Deutschland betroffen. Ist die Automobilwirtschaft in Österreich doch eine Schlüsselindustrie und bedeutender Wirtschafts- und Jobmotor. Direkt und indirekt finden 450.000 Österreicher in der Automobilwirtschaft Beschäftigung. Somit sind rund elf Prozent aller Beschäftigten der Automobilwirtschaft zuzurechnen. Das wiederum entspricht jedem 9. Arbeitsplatz in Österreich.


Einbruch für die Konjunktur in Deutschland und in seinen Partnerländern ist beunruhigend

Autoproduktion sinkt um fast drei Prozent in einem Quartal
"Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Deutschland zeigen, dass die Produktion der deutschen Automobilindustrie im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem ersten Quartal 2019 erneut um 2,4 Prozent gesunken ist, nach einem Rückgang von 4,2 Prozent im ersten Quartal. Vor dem Hintergrund unserer Untersuchungsergebnisse ist dieser Einbruch für die Konjunktur in Deutschland und in seinen Partnerländern beunruhigend", so das Fazit von Robert Lehmann.

Wen es am härtesten trifft
Österreich zählt damit zu jenen Ländern, die von der Schwäche im deutschen Fahrzeugbaus, betroffen sind. Das trifft laut Berechnungen von EconPol vor allem die Branchen Metallerzeugnisse, Gummi- und Kunststoffwaren, elektronische Ausrüstung und den Kfz-Handel. In Österreich ist vor allem die Branche Basismetalle am stark betroffen. Dort wird der Rückgang in einer Höhe von 0,4 Prozent für das dritte Quartal 2019 prognostiziert. Vor allem die Zulieferbranche droht damit die größte Ansteckungsgefahr. Diese liefert Komponenten an deutsche Autobauer, von wo aus Fahrzeuge und die darin enthaltenen Bauteile auch in den Export gehen.

Die österreichische Wirtschaft schwächt sich aufgrund des starken BIP-Rückgangs in der deutschen Autoindustrie im dritten Quartal voraussichtlich um 0,10 Prozent ab. In den starken Autoproduktionsländern und den Werken deutscher Hersteller in Tschechien, Ungarn und der Slowakei ist der Rückgang allerdings noch größer.

Tschechen-BIP am stärksten von deutschem Produktionsrückgang betroffen
Doch Österreich ist vom Sog der herauf dämmernden Rezession und dem damit verbundenen BIP-Rückgang in der Autoproduktion zumindest nicht am stärksten betroffen. Das ist Tschechien, starker Produzent und Zulieferer deutscher Autos, wie etwa Skoda für den VW-Konzern. Für dieses Land wird ein Rückgang des BIP aufgrund der Schwäche der deutschen Autobauer von 0,21 Prozent für das dritte Quartal erwartet. Aber auch an Österreich geht die Sache nicht spurlos vorüber. In diesem Quartal soll der BIP-Rückgang nur aus diesem Grund 0,10 Prozent betragen. Dass sich die Entwicklung fortgeschrieben wird, ist wahrscheinlich.

Österreich in der Automobilproduktion von deutscher Schwäche im Fahrzeugbau hart getroffen

Der Rückgang der österreichischen Auto- und Automobilzulieferbranche, aufgrund der Schwäche beim deutschen Fahrzeugbau, ist im Vergleich zu anderen Ländern im dritten Quartal 2019 laut Prognosen am höchsten. Dieser Rückgang dürfte bei 1,4 Prozent liegen.


Deutschland befindet sich nur in einer technischen Rezession

Luca Paolini, Chefökonom von Pictet Asset Management, relativiert jedoch das Schreckensszenario einer Rezession im Nachbarland. "Deutschland befindet sich vielleicht in einer technischen Rezession, aber Europa hat sich jüngst aufgrund der positiveren Dynamik in Frankreich und Spanien verbessert. Zudem dürfte eine neue Runde der quantitativen Lockerung durch die EZB helfen.“


Zentralbanken halten die Wirtschaft über Wasser


Nicht so düster sieht auch Lars Skovgaard Andersen die Lage. "Die Zentralbanken halten momentan das Wirtschaftswachstum und die Aktienmärkte über Wasser – mit Unterstützung der Verbraucher." Trotz verschiedener Unsicherheitsfaktoren, sieht er deshalb noch Hoffnung - für die Wirtschaft und die Aktienmärkte.

„Wir erwarten gedämpftes globales Wachstum in den kommenden Monaten, da die handelspolitische Unsicherheit die Industrieproduktion und das Geschäftsklima belastet, vor allem in den Industrieländern", so Paolini.

Unproblematisch ist die Lage des Nachbarlandes Deutschlands und größter Handelspartner Österreichs aber nicht. Ein Rückgang der heimischen Wirtschaftsleistung aufgrund der prognostizierten Rezession in Deutschland scheint auch hierzulande plausibel.

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