Aktien und Unternehmensgewinne im Blickpunkt der Anleger

Auch wenn es zu einem Anstieg der Inflation kommt, bleiben Aktien weiterhin im Fokus der Anleger. Der Bullenmarkt ist laut Fidelity International intakt, aber in einem Spätstadium. Anleger fokussieren sich bei Aktien nicht auf Branchen, sondern auf die Papiere bestimmter Unternehmen. Das globale Gewinnwachstum wird für 2017 auf 10,3 Prozent geschätzt. Europa holt gegenüber den USA auf.

Aktien und Unternehmensgewinne im Blickpunkt der Anleger

Die US-Börse könnte heuer die Führung abgeben.

Das Auf und Ab von Wachstums- und Inflationsdaten hat die Kapitalanleger zuletzt verunsichert. Die Aufwärtsbewegung an den Börsen infolge der Versprechen von US-Präsident Donald Trump ist jedenfalls eingebremst. Und die Schwankungen bei den Kursen dürften weiterhin anhalten. "Die Anleger warten weiterhin auf Details und Entscheidungen zu den Konjunkturmaßnahmen von US-Präsident Donald Trump", fasst Adam Lessing, Head of Central and Eastern Europe von Fidelity International die Situation am Kapitalmarkt zusammen. Kommen die Steuersenkungen, kommen die Infrastrukturausgaben wie sie Trump angekündigt hat? Das sind jedenfalls die drängendsten Fragen, die Investoren im Moment umtreiben. Und auch verunsichern.

Andere Analysten und Finanzexperten sprechen nach den 100 Tagen der Trump-Administration von "Trump Slump". Für sie ist die US-Börsenrallye bereits zu Ende, noch bevor sie richtig in Schwung gekommen ist. Sie zeigen sich teilweise bereits enttäuscht und gehen bereits weniger zimperlich mit Trump und seinen Ankündigungen und Versprechen um. Fidelity greift hingegen die Trump-Administration noch mit Samthandschuhen an: "Die Marktteilnehmer geben Donald Trumps Konjunkturprogramm einen Vertrauensvorschuss." Aber auch Fidelity glaubt, dass das Zaudern nicht mehr lange dauern darf, weil "die Märkte jetzt Taten statt Worte verlangen."

"Das Szenario einer Reflation – also eines von beschleunigter Teuerung begleiteten Wirtschaftswachstums – ist noch intakt", sagt Fidelity-CEE-Chef Lessing. "Doch das Auf und Ab von Wachstums- und Inflationsdaten lässt fallweise Kursschwankungen erwarten."

Möglicherweise würden die Finanzmärkte die Inflationsgefahr unterschätzen, weil Inflation in den vergangenen zehn Jahren kein großes Thema war. "Doch die noch ungenutzten Kapazitäten der führenden Volkswirtschaften könnten schnell ausgeschöpft sein, weshalb die Inflation bis Ende 2018 wieder Probleme bereiten könnte", warnt Lessing.

Aktien: Der Blick nach Europa

Fidelity sieht das Jahr 2017 weiterhin unter den Vorzeichen, dass Aktien voraussichtlich Anleihen überflügeln werden. Die verbessernde Weltkonjunktur, das beschleunigte Gewinnwachstum und starke Reflationserwartungen werden als eindeutige Indikatoren genannt. Aktien könnten sich in diesem Jahr sehr gut entwickeln und den Bullenmarkt fortsetzen, so Lessing. Die Zugkraft der US-Börse dürfte jedoch an Stärke verlieren. "Wir befinden uns im achten Jahr eines langen Aktienmarktaufschwungs, in dem der US-Markt die Führungsrolle innehatte."

Der bestimmende Faktor an den Börsen ist für Fidelity das Gewinnwachstum. "Nachdem sich die Gewinne der Unternehmen einige Jahre lang enttäuschend entwickelt haben, ist nun mit einem Anstieg auf breiter Basis zu beobachten", so die Analyse von Fidelity. Bei der Anlagenentscheidung wird bei Aktien die Einzeltitelauswahl wichtiger als die Branchenauswahl. Im vergangenen Jahr war das Gegenteil der Fall. Zyklische Aktien hatten besser abgeschnitten als defensive Titel.

Auf globaler Ebene erwartet Fidelity nach einigen enttäuschenden Jahren für 2017 ein Gewinnwachstum von 10,3 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent. In Europa sind die Gewinne in den vergangenen Jahren langsamer gestiegen als in den USA, doch inzwischen erholen sie sich robust.

Anleihen: Wenig Rotation

Die Konjunkturpolitik von US-Präsident Trump ist für Anleihen laut Fidelity-Report "nicht der alles entscheidende Faktor". Die Fondsgesellschaft rechnet zwar mit steigenden Renditen von US-Staatsanleihen, eine außergewöhnliche Rotation wird jedoch nicht erwartet.

Der Aufwärtsdruck bei den Renditen werde durch zyklische und langfristige Faktoren abgeschwächt. Angesichts anhaltend niedriger Zinsen werden Anleihen von Schwellenländern als interessant eingeschätzt.

Rohstoffe profitieren von Wachstum und Inflation

Mit Preissteigerungen müsse bei Rohstoffen gerechnet werden. Wirtschaftswachstum und steigende Inflation dürften Preissteigerungen zur Folge haben. Eine positivere Einschätzung als die Mehrheit der Marktteilnehmer nimmt Fidelity bei der Entwicklung des Ölpreises. Einfacher Grund: Angebot und Nachfrage kommen wieder schneller ins Gleichgewicht als vielfach erwartet wird.

Mit Blick auf andere Anlageklassen bleiben Gewerbeimmobilien attraktiv, da sie laufende Erträge abwerfen und einen gewissen Inflationsschutz bieten. Allerdings dürften sie kurzfristig nicht mehr so rentabel sein wie in den letzten Jahren. Politische Unsicherheit ist hier das Hauptrisiko. Da die Inflation nach oben zu tendieren scheint, wird voraussichtlich auch die Nachfrage nach Infrastrukturanlagen und Kreditverbriefungen steigen.

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