Airbnb: Millionengeschäft für professionelle Investoren

Airbnb: Millionengeschäft für professionelle Investoren

Airbnb ist längst kein Unternehmen mehr, das der "Sharing Economy" zuzuordnen ist. Hinter den Angeboten stehen immer häufiger professionelle Investoren, die mit angeschlossenen Servicedienstleistern Immobilien professionell touristisch verwerten.

Der Firmenname der Online-Plattform Airbnb ist ein Akronym, das auf die Ursprungsidee des Unternehmens zurückgeht: "Airbnb" steht für "Airbed and breakfast" - "Luftmatratze und Frühstück". Genau zehn Jahre ist es her, dass die Idee für das Unternehmen aus einer Not heraus geboren wurde - zumindest wenn man der Legende Glauben schenkt.

In San Francisco, wo die Gründer Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk zuhause sind, war es wegen eines Kongresses in der Stadt wieder einmal zu Engpässen in der Hotellerie gekommen. Also beschlossen die drei, ein leerstehendes WG-Zimmer mit einer Luftmatratze und als Extra einem kleinen Frühstück zu vermieten.

Die Idee schlug ein wie eine Bombe und wurde entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Unternehmen des letzten Jahrzehnts. Mittlerweile werden über die Plattform über vier Millionen Zimmer, Wohnungen und Häuser in mehr als 190 Ländern der Welt angeboten, und Airbnb schneidet bei jeder Buchung mit. Gastgeber liefern sechs bis zwölf Prozent ihrer Einnahmen ab, Gäste nochmals drei Prozent. Airbnb wird mit mehr als 30 Milliarden US-Dollar bewertet.

Je größer das Unternehmen wurde, desto mehr geriet es aber auch in Kritik. Steuerbetrug, Abgabenhinterziehung und Zweckentfremdung von Wohnraum sind nur einige der Punkte, mit denen Airbnb und seine Vermieter in Verbindung gebracht wurden. Erst vor wenigen Tagen wurden die Ergebnisse eines an der TU Wien durchgeführten Forschungsprojekts präsentiert, wonach dem Wiener Wohnungsmarkt durch die Plattform bereits 2.000 Wohnungen begehrten Lagen entzogen wurden.

Neues, profitträchtiges Geschäftmodell

Doch nicht nur Airbnb, auch die auf der Plattform aktiven Vermieter verdienen prächtig. Den Erhebungen des TU-Projekts zufolge etwa in Wien bis zu 60.000 Euro monatlich (siehe Grafik).

Airbnb Topverdiener in Wien 2017. Für eine vergrößerte Darstellung bitte auf die Abbildung klicken.

Airbnb Topverdiener in Wien 2017. Für eine vergrößerte Darstellung bitte auf die Abbildung klicken.

Dabei geht es längst nicht mehr um das Vermieten von kurzfristig leerstehenden Zimmern oder Wohnungen, die für diesen Zeitraum an Touristen vermittelt werden. Mit August 2017 gab es in Wien bereits 8.600 Airbnb-Unterkünfte, wovon 70 Prozent ganze Unterkünfte - zum Großteil Wohnungen - waren. Österreichweit wird die Zahl der über Airbnb und ähnliche Plattformen vermieteten Wohnungen auf rund 10.000 beziffert.

Die eigentlichen Vermieter sind auch immer seltener private Anbieter, sondern professionelle Investoren. "Die Kurzzeitvermietung hat sich als eigenes Businessmodell etabliert. Der Anteil der professionellen Vermieter ist wahnsinnig hoch", stellt Andrea Baidinger vom Kommunikationsberatungsunternehmen bauen wohnen immobilien fest.


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Baidinger hat für den Immobilienring IR die Angebote der Online-Plattformen untersucht. Die Schlüsse daraus: Es gibt mittlerweile professionelle Investorenplattformen, auf denen die Renditemöglichkeiten einzelner Immobilien "realtime" abrufbar sind. Außerdem gibt es eigene Serviceunternehmen, die den Wohnungsanbietern die Arbeit, die beim Vermieten anfällt, abnehmen. Das geht vom Einrichten über das Putzen bis hin zum Reagieren auf Beschwerden von Nachbarn, die sich von der Kurzzeitvermietung in ihrem Haus gestört fühlen.

Auch die Kritik der TU-Forscher, dass dem Markt Wohnungen entzogen und damit die Immobilienpreise in die Höhe getrieben werden, bestätigt sie: Das "Das tageweise Vermieten von Wohnungen via Sharing-Plattformen treibt die Immobilienpreise in attraktiven Großstädten und touristischen Destinationen europaweit in die Höhe." Besonders betroffen davon sind in der Regel innerstädtische, verkehrsberuhigte Viertel mit guter Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, die auch in der eigentlichen Stadtbevölkerung als Wohnviertel begehrt sind.

"Die kurzfristige Vermietung ist ein neues Business. Es bringt weit mehr Ertrag als das herkömmliche Vermieten", konstatiert auch der Präsident des Immobilienring IR Österreich, Georg Spiegelfeld, "Gleichzeitig sind die Wohnungen weg vom klassischen Markt für Vermietung - da fehlen uns diese fast 10.000 Wohnungen." Die vielen professionellen Investoren, die hinter den Online-Zimmervermittlern stehen tragen seiner Meinung nach zu einem Gutteil dazu bei, dass die Immobilienpreise weiter steigen.

Das Kurzzeitvermietungsgeschäft ist laut Spiegelfeld "ein juristischer Graubereich, der jetzt seriös aufgebaut gehört". "Da muss sich jetzt die Politik und das gesamte wirtschaftliche Umfeld aufstellen, um diese neuen Geschäftsmöglichkeiten in einen Rahmen zu bringen", fordert der Immobilienexperte neue Spielregeln: Man müsse rechtliche und steuerliche Wege finden, damit es seriös sei, so etwas anzubieten.

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