Airbag-Hersteller Takata: Pleite nach Rückruf-Desaster

Das Rückruf-Desaster von Airbags endet beim japanischen Autozulieferer Takata nun mit der Pleite in Japan und den USA. Hohe Kosten infolge mehrerer Rückrufaktionen haben den Konzern ins Schleudern gebracht. Ein Teil des Unternehmens soll nach China verkauft werden.

Airbag-Hersteller Takata: Pleite nach Rückruf-Desaster

Takata CEO Shigehisa Takada (li.) und seine Kollegen aus dem Management verneigen sich vor Beginn der Pressekonferenz, in der die Pleite eingestanden wird.

Tokio/Washington. Der japanische Airbag-Hersteller Takata hat wegen der Folgen eines gewaltigen Rückruf-Desasters Insolvenz in Japan und den USA angemeldet. Das teilte der 1933 gegründete Konzern am Montag mit. Neben dem Mutterkonzern in Tokio wird die US-Tochter TK Holdings in die Insolvenz geschickt. Grund für diesen Schritt sind immense Kosten und Verbindlichkeiten wegen millionenfacher Rückrufe.

In Europa sei indes nicht geplant, Insolvenzverfahren einzuleiten. Es wurde vom Konzern betont, dass die Verfahren in den USA und Japan keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf Takata in Europa hätten.

Der Verursacher des weltweit größten Massenrückrufs in der Autoindustrie, der japanische Airbag-Hersteller Takata, geht mit Hilfe von Autobauern in eine kontrollierte Pleite. Der Zulieferer beantragte am Montag in Japan und den USA wegen der durch defekte Airbags entstandenen Milliardenkosten Gläubigerschutz.

Der US-Autoteileproduzent Key Safety Systems (KSS) kauft nun für umgerechnet rund 175 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) das von der Familie Takada kontrollierte Unternehmen. An der Auffanglösung arbeitete der Zulieferer nach eigener Darstellung seit Februar 2016 mit seinen Kunden aus der Autoindustrie. Insgesamt 14 Hersteller haben demnach Finanzhilfen ungenannter Höhe für eine Restrukturierung zugesagt. Beide Seite erzielten eine entsprechende Grundsatzvereinbarung, wonach KSS nahezu alle Vermögenswerte und operativen Geschäfte übernimmt, darunter auch die Herstellung von Sicherheitsgurten und Lenkrädern. Der Rest von Takata dürfte soweit wie möglich verkauft werden.

Insgesamt 14 Hersteller haben demnach Finanzhilfen ungenannter Höhe für eine Restrukturierung zugesagt. Auch die von den Rückrufen betroffenen deutschen Konzerne Volkswagen, Daimler und BMW seien beteiligt. Die Unternehmen gaben dazu keine Stellungnahmen ab.

Die Japaner sehen sich mit Milliardenforderungen aus dem Airbag-Skandal konfrontiert, mit dem mindestens 17 Todesfälle in den USA und Asien wegen defekter Aufblasvorrichtungen in Verbindung gebracht werden. Die Gasgeneratoren in den Luftkissen können in Regionen mit feuchtheißem Klima nach längerer Zeit explodieren. Bei langer Einwirkung von Hitze und Luftfeuchtigkeit kann der Airbag bei einem Unfall zu stark auslösen. Begrenzte Rückrufe 2008 in den USA führten schließlich zu einer weltweiten Rückrufwelle.

Takata fuhr zuletzt den dritten Jahresverlust in Folge ein mit einem Minus von 640 Millionen Euro. Angesichts von Verbindlichkeiten von mehr als einer Billion Yen (8,1 Mrd Euro) ist es eine der größten Insolvenzen in Japans Wirtschaftsgeschichte. Schon seit Jahren waren bei Takata technische Probleme bei Airbags bekannt. Durch Rückrufe und Gerichtsverfahren über ein Jahrzehnt liefen zig Milliarden Dollar an Kosten auf. Die gesamten Schulden belaufen sich nach Schätzung von Analysten auf 15 Milliarden Dollar. Die reinen Rückrufkosten könnten auf zehn Milliarden Dollar steigen, hieß es in Branchenkreisen.
Der entstandene Schaden soll sich auf rund 10 Mrd Euro belaufen.

Einige Autobauer hätten sich in den Gesprächen über den Rettungsplan gegen eine Pleite ausgesprochen, weil sie dann weitgehend auf den für die Rückrufe vorgestreckten Kosten sitzen blieben, hatte Reuters früher von Insidern erfahren. Daimler erklärte, für die Reparaturkosten der rund 1,5 Millionen betroffenen Mercedes-Fahrzeuge entsprechend Rückstellungen gebildet zu haben. "Regressansprüche bleiben davon unberührt", ergänzte ein Sprecher.

Der Stuttgarter Konzern legte 2015 und 2016 zusammen rund 900 Millionen Euro dafür beiseite. Der Rückruf sei vorsorglich, denn in keinem Modell sei der beschriebene Defekt bisher gefunden worden.

BMW wies die Takata-Kosten im Geschäftsbericht nicht separat aus. Einem Sprecher zufolge handelt es sich um einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Volkswagen stellte in den vergangenen beiden Jahren 600 Millionen Euro zurück. "Wir gehen davon aus, dass diese Insolvenzen keine wesentlichen Auswirkungen auf die Produktion des Volkswagen-Konzerns haben wird", erklärte ein Sprecher.

Zehn Jahre Rückruf-Aktionen

Die Mängel haben allein in den USA zum Rückruf von 70 Millionen Airbags geführt, sie werden für den Tod von mindestens 16 Menschen verantwortlich gemacht. Der geplante Verkauf an KSS soll Takata helfen, Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen betroffenen Automobil-Kunden nachzukommen. Takata hatte sich im Jänner mit der US-Justiz auf einen Vergleich geeinigt. Das Unternehmen gab kriminelle Vergehen zu und willigte ein, Strafen in Höhe von einer Milliarde Dollar zu zahlen.

Gegen drei Manager wurden Strafanzeigen gestellt. Laut Anklage sollen sie mit manipulierten Testergebnissen bewusst die Risiken mangelhafter Airbags verschleiert haben.

Die weltweite Geschäftstätigkeit und die Lieferungen an Kunden sollen auch nach den Insolvenzverfahren ohne Unterbrechung fortgeführt werden. Takata kündigte an, auch die Lieferung von Ersatz-Gasgeneratoren für die laufenden Airbag-Rückrufe fortzusetzen. Die Aktien von Takata wurden am Montag vom Handel in Tokio ausgesetzt. Sie sollen laut Medienberichten am Dienstag vom Börsenzettel gestrichen werden. Am selben Tag hält das Unternehmen seine Gesellschafterversammlung ab.

Angesichts Takatas Weltmarktanteil von 20 Prozent bei Airbags suchten die betroffenen Autobauer seit Jahren nach einer Lösung, damit Takata die Produktion fortsetzen kann. Durch den nun geplanten Zusammenschluss von nahezu allen Bereichen von Takata und KSS würde ein Anbieter von Sicherheitssystemen für Autos mit etwa 60.000 Mitarbeitern in 23 Ländern geschaffen.

"KSS ist nicht nur der ideale Investor, um die Kosten in Zusammenhang mit den Rückrufen von Airbag-Gasgeneratoren zu bewältigen, sondern auch ein optimaler Partner für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter des Unternehmens", sagte Shigehisa Takada, Vorstandsvorsitzender von Takata.

Lange Zeit hatte die Gründerfamilie, die bisher 60 Prozent der Anteile an Takata hielt, versucht, eine außergerichtliche Lösung zu finden. Die Autohersteller jedoch bestanden auf einem Insolvenzverfahren. Die Verfahren und der bis Anfang 2018 geplante Verkauf sollten keine Folgen für Geschäftspartner und die rund 15.000 Mitarbeiter in der Region haben. In Deutschland hat Takata rund 3.000 Mitarbeiter. Die Airbags von Takata werden von vielen Herstellern genutzt, unter anderem auch von deutschen.

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