Air Berlin - Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer in Sorge

Air Berlin - Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer in Sorge

Die Air Berlin-Übernahme scheint so gut wie fix: Die Lufthansa wird einen Großteil übernehmen. Doch drohen Klagen. Auf den Strecken von Wien nach Deutschland könnten Lufthansa und ihre Tochter AUA mit einem Schlag zum Monopolisten werden.

Das Rennen um die insolvente Air Berlin dürfte die AUA-Mutter Lufhansa sowie Easyjet gewonnen haben. Die unterlegenen Bieter drohen bereits mit Klage. Die Verhandlungen soll bis zum 12. Oktober mit einem ausgewählten Bierterkreis weitergehen. Niki Lauda poltert indes gegen die deutsche Regierung.

Berlin/Wien/Schwechat. Das Rennen um die insolvente Air Berlin mit der AUA-Mutter Lufthansa als aussichtsreichstem Interessenten könnte zum Fall für die Gerichte werden. Die vorerst unterlegenen Bieter erwägen, gegen den möglichen Verkauf an den Marktführer Lufthansa zu klagen. Air Berlin hatte in der Nacht zu Freitag in einer Pflichtmitteilung an die Börse angekündigt, einen Verkauf an Lufthansa und Easyjet anzustreben.

Aus Verhandlungskreisen war zuvor verlautet, wahrscheinlich komme für die verbleibenden Flugzeuge auch die Fluggesellschaft Condor zum Zug. Die Gewerkschaften dringen nun darauf, dass die neuen Eigentümer auch die Beschäftigten übernehmen.

Air Berlin mit ihren mehr als 8.000 Beschäftigten ist seit Mitte August insolvent, Nach dem gestrigen Gläubigerausschuss soll die deutsche Lufthansa wohl den Löwenanteil der zahlungsunfähigen Air Berlin bekommen - darin enthalten auch die Österreich-Tochter Niki. Das Management will am Montag den Stand des Bieterverfahrens bekannt geben. Mit einem "ausgewählten Bieterkreis" soll jedoch bis zum 12. Oktober weiter verhandelt werden.

Das Kartell

Wenn das ausgemachte Sache gewesen sei, "wird es eine gewaschene Kartellklage geben", sagte ein Sprecher des vorerst unterlegenen Bieters Utz Claassen. Er verwies auf Stellungnahmen aus der Bundesregierung zugunsten der Lufthansa unmittelbar nach dem Insolvenzantrag der Air Berlin.

Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der wie Claassen für die ganze Air Berlin geboten hatte, äußerte sich entsetzt und warf den Verantwortlichen vor, man habe "zu keinem Zeitpunkt ernsthaft eine andere Lösung als die Zerschlagung und die Zuteilung der Fragmente an Lufthansa und einige weitere Bieter" verfolgt.

Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel wies dies zurück. "Wir führen ein für alle ernsthaften Bewerber erkennbar offenes und transparentes Verfahren durch", erklärte er.

Probleme hinsichtlich eines Kartells sehen auch die Kartellwächter in Wien. Die heimische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) äußert im Ö1-Mittagsjournal am Freitag Bedenken: Die Übernahme großer Air-Berlin-Teile und der österreichischen Niki "kann durchaus problematisch sein", so BWB-Chef Theo Thanner.

Die Lufthansa-Gruppe mit AUA und Eurowings habe am Flughafen Wien schon jetzt einen Marktanteil von zwei Dritteln. Kommt die "Kranich"-Airline wie geplant zum Zug, wären es bis zu 80 Prozent. Auf einigen Strecken, etwa nach Hamburg, Zürich und Brüssel, würde es dann sogar ein Lufthansa-Monopol geben. "Bei Monopolen ist es bekanntermaßen so, dass die Preise steigen", machte Thanner aufmerksam.

Der deutsche Marktführer sollte daher kein allzu großes Stück vom Kuchen bekommen. Die Lufthansa habe es kartellrechtlich aber aufgrund ihrer derzeitigen Marktstellung ohnehin am schwersten. "Alle anderen Mitbewerber um Air Berlin haben es leichter", so Thanner.

Mehrere Buchungsanfragen von trend.at in den vergangenen dreo Wochen haben bereits ergeben, dass die Flugpreise etwa von Wien nach Frankfurt um bis zu satte 25 Prozent angezogen haben.

Rechtliche Schritte

Wöhrl behielt sich im "Handelsblatt" rechtliche Schritte vor. In einer Mitteilung erklärte er zugleich: "Als schon fast ehrverletzend betrachten wir die Äußerung, dass wir dieses Angebot nur gemacht hätten, um uns an einer 'Strafzahlung' für den Fall, dass wir auf gerichtliche Schritte verzichten, schadlos halten wollten."

Für den Kauf der Technik-Sparte der Air Berlin rechnet sich das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht gute Chancen aus. Zwar könnte Zeitfracht in den Anstrengungen, neue Dienstleistungsbereiche mit rund 1000 Kollegen zu sichern, noch "weiter fortgeschritten" sein, heißt es am Freitag in einem internen Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. "Derzeit überwiegen dennoch die positiven Rückmeldungen zu unserem Kaufangebot und die Chancen, dass wir "in die Luft gehen"."

Die Gewerkschaft Verdi hat sich grundsätzlich positiv zu den möglichen Käufern gezeigt. "Wir werten es als gutes Zeichen, dass alle drei Unternehmen, die offenbar als Käufer im Gespräch sind, die Lufthansa, Easyjet und Condor, Unternehmen mit guten Tarifverträgen und einer guten Mitbestimmungskultur sind", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.

Verdi und die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wollen, dass die Käufer möglichst alle Beschäftigten übernehmen. VC-Vorstandsmitglied James Phillips sagte: "Ein bisschen frech finden wir das Ansinnen, dass sich jeder Pilot einzeln neu bewerben soll. Das würde zu einem Rosinenpicken führen."

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit will bei der insolventen Air Berlin möglichst alle der 1200 Pilotenjobs retten. Dass große Unternehmensanteile voraussichtlich an die Lufthansa-Tochter Eurowings und den Billigflieger Easyjet gehen, habe niemanden wirklich überrascht, sagte VC-Vorstandsmitglied Phillips.

Keine Insolvenz bei Niki

Bei der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki ist unterdessen die Insolvenzgefahr gebannt. Das Gericht in Korneuburg wies den Antrag eines österreichischen Reiseveranstalters gegen die Airline als unbegründet zurück.

Niki Lauda, der für die von ihm einst gegründete Air-Berlin-Tochter Niki geboten hatte, sprach von einem abgekartetem Spiel. Es sei unglaublich, dass die deutsche Politik 150 Mio. Euro öffentliche Gelder zur Verfügung stelle, "damit nachher ein hundertprozentiges Monopol geschaffen wird", sagte er in der Mittags-"ZiB" des ORF. "Wettbewerb heißt günstigere Tickets", so Lauda weiter. Zudem könnten Reiseveranstalter dann mit verschiedenen Airlines fliegen - ein Monopol verhindere das.

Der staatliche Überbrückungskredit für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin in Höhe von 150 Mio. Euro ist nach Angaben der deutschen Regierung noch nicht ausgeschöpft. Der Kredit werde in Tranchen nach Bedarf ausgezahlt, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin.

Laut "Berliner Morgenpost" (Freitag) arbeitet das Land Berlin mit der Arbeitsagentur an einer Transfergesellschaft für Mitarbeiter, die nicht weiter beschäftigt werden. Dabei sei auch geplant, Mitarbeitern aus der Zentrale freie Stellen im Landesdienst anzubieten, sagte Senatskanzleichef Björn Böhning der Zeitung. Böhning war dazu am Freitag zunächst nicht zu erreichen. Air Berlin beschäftigt in der Hauptstadt etwa 2800 Mitarbeiter.

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