Air Berlin Pleite: Lufthansa will Niki übernehmen

Air Berlin Pleite: Lufthansa will Niki übernehmen

Wegen des drohenden Stillstands bei der Pleite-Fluglinie Air Berlin wird die Air Berlin Gruppe wohl in ihre Teile zerstückelt. Die Lufthansa drückt nun aufs Tempo und hat offiziell erklärt, die österreichische Niki übernehmen zu wollen. Gläubigeranwälte bringen sich in Stellung.

Die Lufthansa drückt in den Verhandlungen über die Aufteilung von Air Berlin aufs Tempo. Deutschlands größte Fluggesellschaft, in Österreich Eigentümerin der AUA (Austrian Airlines), hat ihr Interesse an großen Teilen des insolventen Rivalen am Mittwoch in der ersten Sitzung des Gläubigerausschusses in Berlin offiziell gemacht. Vor allem auch an Niki.

In einer Absichtserklärung an das Gremium hieß es, die Lufthansa wolle die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki und weitere Teile der Fluggesellschaft zu bestimmten Konditionen übernehmen. Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) bestätigte heute Gespräche zwischen Lufthansa und Niki.

Einen Zuschlag für Niki und andere Teile hat die Lufthansa heute vom Gläubigerausschuss aber nicht erhalten. Auch einen vorgezogenen Teilverkauf von Niki soll es zunächst nicht geben.

Dem Gläubigerausschuss gehören Vertreter von Air Berlin, Commerzbank, der Lufthansa-Tochter Eurowings, der Bundesagentur für Arbeit sowie ein Anwalt an. Die Bundesagentur zahlt drei Monate lang das Insolvenzgeld für die 7200 Mitarbeiter in Deutschland. Eurowings hat 38 Maschinen mit Besatzungen von Air Berlin gemietet und vorfinanziert und wäre deshalb von einer Einstellung des Flugbetriebs stark betroffen. An Air Berlin ebenfalls interessierte Lufthansa-Konkurrenten kritisierten, dass die Lufthansa über den Sitz von Eurowings im Gläubigerausschuss bevorzugt an Informationen kommen könnte.

Der Countdown

Die Lufthansa ist beim Feilschen um die Pleite-Airline nicht alleine. Auch die Thomas-Cook-Tochter Condor und der britische Billigflieger EasyJet haben Interesse an Teilen von Air Berlin. Der irische Billigflieger Ryanair kündigte dagegen ebenso wie der Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl an, Air Berlin komplett übernehmen zu wollen.

Bei dem heutigen Auftakt-Treffen ging es zunächst auch um Formalitäten. So musste das Gremium der Fortsetzung des Flugbetriebs zustimmen. Zudem sollte ein Zeitplan für die nächsten Schritte festgelegt werden.

Doch Eile ist geboten. Wegen der prekären Lage der insolventen Air Berlin soll es mit der Aufteilung der Pleite-Fluglinie schnell gehen. Es wird befürchtet, dass der Air Berlin trotz des Brückenkredits der deutschen Bundesregierung von 150 Millionen Euro bald das Geld ausgeht und die Fluglinie ihren Betrieb einstellen muss. Womit die Start- und Landeslots der Air Berlin - aktuell das eigentliche Asset der Fluglinie - wertlos wären, weil sie kostenlos an Mitbewerber verteilt würden. Nach Angaben von Air Berlin-Chef Winkelmann soll der Verkauf der Airline samt Technik bis Ende September abgeschlossen sein.

Die Übernahme von Niki wäre der erste Schritt dahin, dass ein möglichst großer Teil der Pleite-Airline an die Lufthansa geht, was von der deutsche Bundesregierung trotz gegenteiliger Aussagen stark unterstützt wird.

Die Lufthansa ist Insidern zufolge neben Niki auch am Kauf von bis zu 90 der 140 Flugzeugen von Air Berlin einschließlich Personal interessiert. Die Deutschen wollen für die Air Berlin dem Vernehmen nach auch einen guten Preis zahlen. Interessant für die Lufthansa sind bei der Übernahme wohl die Slots der Air Berlin an deren Heimatflughafen Berlin und am Airport Düsseldorf. Auch in Wien hält Air Berlin wertvolle Slots. Dort ist die Lufthansa allerdings durch ihre Tochter AUA außerordentlich gut aufgestellt.

Massive Kritik von Ryanair und Wöhrl

Ryanair, das auch erklärt hatte, Air Berlin übernehmen zu wollen, kritisiert ebens o wie der Luftfahrt-Unternehmer Wöhrl, die Lufthansa werde in dem Verkaufsprozess bevorzugt behandelt. "Man hat im Vorfeld hinter verschlossenen Türen längst eine Lösung gefunden", sagte Wöhrl dem Sender n-tv, und zwar eine zu Gunsten der Lufthansa. Ähnliches vermutet der Gründer von Niki, Niki Lauda. Lauda kritisiert zudem, dass mit einer Übernahme von Niki durch die Lufthansa die österreichische AUA gar keine Konkurrenz mehr haben werde.

Die Kritiker sahen sich durch Äußerungen von deutschen Regierungsvertretern bestätigt. Die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Verkehrsminister Alexander Dobrindt hatten sich in den vergangenen Tagen offen dafür ausgesprochen, dass ein großer Teil von Air Berlin an die Lufthansa geht.

Voriges Jahr hatte sich Lufthansa bereits 38 der 144 Air-Berlin-Jets gesichert. Die angemieteten Maschinen sind schon für die Lufthansa-Töchter Austrian Airlines und Eurowings unterwegs, gehören aber noch zu Air Berlin.

Gläubigeranwälte bereiten Klagen vor

Gut eine Woche nach dem Insolvenzantrag rüsten auf Kapitalmarktangelegenheiten und Insolvenzen spezialisierte Anwaltskanzleien für mögliche Klagen.

Eine davon ist die Münchner Kanzlei Mattil & Kollegen. Aktionäre und Anleihegläubiger hätten sich an die Kanzlei gewandt, um prüfen zu lassen, ob sie beim Kauf ihrer Aktien bzw. Anleihen getäuscht wurden und möglicherweise eine Insolvenzverschleppung begangen wurde, schrieben die Anwälte am Mittwoch in einer Aussendung.

Eines der Argumente: Es sei zu keinem Zeitpunkt gesichert gewesen, dass Etihad weiteres Kapital zur Verfügung stellen werde. Es habe lediglich einen unverbindlichen "Letter of Support" gegeben. Air Berlin habe indes stets den Anschein erweckt, als sei deren operatives Geschäft und die Fortführung gesichert. Noch im Juni 2017 habe Vorstandschef Thomas Winkelmann erklärt, das Unternehmen sei liquide und eine Insolvenz kein Thema.

Auch Anleihekäufer aus der Schweiz hätten sich an die Münchner Kanzlei Mattil gewandt. Hier wird eine Kooperation mit der St. Galler Kanzlei Dr. David Brunner verwiesen. Air Berlin hat 2014 eine Franken-Anleihe begeben.

Auch die deutsche Beratungsfirma One Square Advisors will sich als Vertreter im Air-Berlin-Insolvenzverfahren positionieren. In ihren Augen sind die Anleihegläubiger nur unzureichend im Gläubigerausschuss vertreten. "Die Konsolidierung und Interessensbündelung der Gruppe der Anleihegläubiger sowie deren Vertretung im Gläubigerausschuss der Muttergesellschaft Air Berlin plc ist aus Sicht der One Square Advisory Services GmbH gerade vor dem Hintergrund jüngster Entwicklungen dringend erforderlich", hieß es in einer Aussendung der Berater. Für morgen Mittag hat One Square Anleihebesitzer zu einer Investorentelefonkonferenz eingeladen.

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