Air Berlin: Germania klagt, Lauda prüft, Ryanair will doch nicht

Air Berlin: Germania klagt, Lauda prüft, Ryanair will doch nicht

Das Gerangel um die insolvente Air Berlin geht weiter. Die deutsche Fluglinie "Germania" geht gerichtlich gegen den Überbrückungskredit der deutschen Bundesregierung vor, Ryanair-Chef Michael O'Leary spricht von einem Komplott und Niki Lauda überlegt, ob er "Niki" nicht zurückkaufen soll.

Die Hoffnung auf eine rasche Rettung der insolventen Air Berlin schwindet mit jedem Tag ein wenig mehr. Nun zieht auch noch die deutsche Fluggesellschaft Germania gegen die Bürgschaft der deutschen Bundesregierung vor Gericht. Mit einem Eilverfahren, dessen Verhandlung bereits am 15. September stattfinden soll, will Germania erreichen, dass der 150-Millionen-Euro-Kredit untersagt wird.

Die EU-Kommission hat sich zwar in der Folge zuversichtlich geäußert, dass der staatliche Kredit genehmigt werden kann und Air Berlin will bis dahin weitere Gebote sammeln. Jetzt sind aber zunächst einmal die Gerichte an der Reihe.

Germania gab zur Begründung für das eingeleitete Eilverfahren an, dass der Bund die an Air Berlin interessierte Lufthansa einseitig bevorzuge. Mit dieser Fluggesellschaft solle ein "deutscher Champion" geschaffen werden, hieß es. Diese Wortwahl hatte kürzlich unter anderem der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gebraucht, als er sich für die Übernahme "wesentlicher Teile" von Air Berlin durch die Lufthansa aussprach.

Germania gegen Deutschland

Der Antrag der Airline Germania richtet sich gegen das Verkehrsministerium, das Wirtschaftsministerium und das Finanzministerium. Für den Fall, dass bereits Bürgschaften gestellt wurden, beantragte Germania zudem, diese rückabzuwickeln und bis zur Genehmigung durch die EU-Kommission abzuwarten, wie weiter mitgeteilt wurde.

Auch Ryanair hält das Verfahren rund um Air Berlin für ein "abgekartetes Spiel". Ryanair-Chef Michael O'Leary wiederholte seine Vorwürfe, dass die Lufthansa bevorzugt werde und dass durch ein "offensichtliches Komplott" von Regierung, Lufthansa und Air Berlin gegen die Wettbewerbsregeln in Deutschland und der EU verstoßen werde. Wäre es ein transparentes Verfahren, würde Ryanair ein Angebot abgeben. Dann könne er sich vorstellen, Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft als ganzes zu übernehmen oder Teile davon. So allerdings nicht. O'Leary: "Wir mischen uns nicht in dieses Verfahren ein, weil es ein abgekartetes Spiel ist. Wir werden keine Zeit damit verschwenden. Der Ausgang ist bereits vorgezeichnet."

"Deutsche Lösung" und Lauda

Deutsche Politiker machen weiterhin kein Hehl daraus, dass sie eine deutsche Lösung präferieren. Für Berlins Bürgermeister Michael Müller wäre Ryanair als Arbeitgeber, der mit Subunternehmen in den Kabinen arbeitet und Beschäftigten nur befristete Anstellungen gibt, keine optimale Lösung. Müller plädierte für einen "verlässlichen Partner" mit einem "langfristigen Interesse an Berlin als Luftverkehrsstandort".

Möglicherweise kommt es im Zuge der Air Berlin Pleite zu einem neuerlichen Anlauf Niki Laudas in der Luftfahrt. Der Lauda Air und (fly)Niki-Gründer wäre jedenfalls nicht abgeneigt, die seinerzeit von ihm gegründete und später von der Air Berlin übernommene Airline "Niki" wieder zurückzukaufen. Davor müssten allerdings noch die Finanzen der Fluglinie geprüft werden, was zwei bis drei Wochen dauert. "Dann wissen wir, was Sache ist, wie Niki dasteht, und können entscheiden", wird Lauda von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

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