Air Berlin Piloten melden sich krank - Flüge fallen aus

Air Berlin Piloten melden sich krank - Flüge fallen aus

Mehrere Jets der insolventen Air Berlin müssen am Boden bleiben. Dieses wegen einem kurzfristig bedingten Mangel an Piloten.

Zahlreiche Krankmeldungen von Air Berlin Piloten haben rund 100 Flugausfälle verursacht. Während die Gewerkschaft die komplette Einstellung der Langstrecke und Kündigungen von Piloten befürchtet, werden die Piloten zum Arbeiten aufgerufen. Der Tag kostet insolvente Airline einige Millionen Euro .

Wegen Krankmeldungen zahlreicher Piloten musste Air Berlin am Dienstag rund hundert Flüge absagen. Grund für die Ausfälle seien "außergewöhnlich viele Krankmeldungen im Cockpit", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Airline bat Passagiere, vor der Anfahrt zum Flughafen den Status ihres Fluges unter "www.airberlin.com/fluginfo" zu prüfen. Auch acht Flüge von und nach Wien mussten gestrichen werden. Betroffen waren insgesamt 8.000 Passagiere.

Rund 200 der 1500 Piloten hatten sich zuletzt krankgemeldet, viele nach Unternehmensangaben erst unmittelbar vor dem Flug.

Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus warnte: "Wenn sich die Situation nicht kurzfristig ändert, werden wir den Betrieb und damit jegliche Sanierungsbemühungen einstellen müssen."

Die zahlreichen Streichungen bei Air Berlin wirken sich auch auf die österreichische Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) aus. Diese hat derzeit fünf Air-Berlin-Flugzeuge samt Besatzung geleast. "Wir mussten einige Flüge streichen", sagte AUA-Sprecher Wilhelm Baldia Dienstagnachmittag zur APA. "Die Mehrheit der Flüge konnten wir durchführen."

"Wir möchten die Unannehmlichkeiten für unsere Passagiere so gering wie möglich halten. Daher kompensieren wir die Ausfälle mit kurzfristigen Flugplanänderungen und Aktivierung von Reserveflugzeugen", hieß es seitens der AUA zum Luftfahrtportal "Austrian Aviation Net"

Das Spiel mit dem Feuer

"Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro", teilte Vorstandschef Thomas Winkelmann mit. Ein stabiler Betrieb sei zwingende Voraussetzung dafür, dass die Verhandlungen mit Kaufinteressenten gelingen. Bisher seien die Beschäftigten professionell mit der schwierigen Situation umgegangen. "Das, was wir jedoch heute bei einem Teil der Belegschaft sehen, ist ein Spiel mit dem Feuer."

Die insolvente Air Berlin soll nach Angaben der Zeitung B.Z. durch die Ausfälle vom Dienstag zusätzliche Verluste von vier bis fünf Millionen Euro angehäuft haben. Hinzu kämen drei bis vier Millionen Euro Verlust, die die Fluggesellschaft ohnehin pro Tag schreibe.

Reisenden, die von Streichungen betroffen seien, solle die "bestmögliche Reisealternative" angeboten werden. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste", sagte eine Sprecherin. Nähere Angaben zur Zahl der gestrichenen Flüge machte die Fluggesellschaft nicht. Allein am Flughafen Berlin-Tegel fielen laut den online genannten Abflügen knapp 20 Flüge aus, etwa ebenso viele waren es am Flughafen Düsseldorf.

Deutsche Medien hatten zuvor über eine "Piloten-Revolte" berichtet. Grund dafür soll dem Bericht zufolge eine Auseinandersetzung über den Übergang von Piloten der insolventen Airline auf den potenziellen neuen Käufer sein.

Gewerkschaft ruft zur Mitarbeit

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) befürchtet, dass der Langstreckenbetrieb der Air Berlin komplett eingestellt werden könnte. VC-Präsident Ilja Schulz sagte der "Rheinischen Post", es bestehe die Sorge, dass mit einer "enormen Preiserhöhung die Langstrecke so unattraktiv gemacht werden soll, dass sie noch vor der Übernahme eingestampft werden kann".

Die Gewerkschaft appellierte in der Folge an die Mitarbeiter, den Betrieb der Airline sicherzustellen.Es sei "extrem wichtig, dass der Flugbetrieb weiter läuft", sagte Cockpit-Sprecher Markus Wahl. Ansonsten sei ein Lösungsweg am Verhandlungstisch "unmöglich". Es müsse vermieden werden, dass die Flugzeuge von Air Berlin am Boden bleiben

Zuvor hatte bereits die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Mitarbeiter von Air Berlin aufgefordert, den Flugbetrieb weiter aufrecht zu erhalten, um die Arbeitsplätze nicht zu gefährden. Allerdings seien die Krankmeldungen nicht verwunderlich, da es um die "Existenzen ganzer Familien" gehe.

Air Berlin kritisierte die spontanen Krankmeldungen hingegen scharf. Diese seien "existenzbedrohend" für die Airline, erklärte Konzernchef Thomas Winkelmann und verwies auf derzeit laufende "finale Gespräche mit möglichen Investoren". Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Am Freitag endet die Bieterfrist.

Langstrecke auf der Kippe

Hintergrund könnte sein, dass Air Berlin die gut bezahlten Langstreckenpiloten loswerden wolle, bevor es zu einer Übergabe von Betriebsteilen komme. "Die könnte der Insolvenzverwalter bei einer Einstellung der Langstrecke sofort entlassen wollen", sagte Schulz der Zeitung. "Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen."

Erst am Montag hatte Air Berlin bekanntgegeben, ihr Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen. Flüge auf die Niederländischen Antillen, nach Cancun in Mexiko, Havanna und Varadero in Kuba sowie in die Dominikanische Republik entfielen damit. Hintergrund sei die im Insolvenzverfahren nötige Reduzierung der Langstreckenflotte.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen an die Berliner eingestellt hatte. Noch bis zum 15. September können Kaufangebote für die Fluggesellschaft abgegeben werden.

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