Air Berlin: Schrumpfkur als letzte Chance

Air Berlin: Schrumpfkur als letzte Chance

Air Berlin-Jets: Jeder zweite wird bald umlackiert und unter anderer Flagge fliegen.

Air Berlin wuchs als Billigfluglinie binnen weniger Jahre zur zweitgrößten Fluglinie Deutschlands. Doch nur der Einstieg von Etihad konnte zuletzt noch die Insolvenz verhindern. Jetzt wird die Fluglinie filetiert. Auch die von Niki Lauda gegründete und 2011 von Air Berlin übernommene Fluglinie "Niki wird damit bald Geschichte sein.

Niki Lauda sieht wieder einmal eine von ihm gegründete Fluglinie untergehen. Nach der Lauda Air, die 2002 zur Gänze von den Austrian Airlines übernommen wurde und danach sang- und klanglos verschwunden ist, trifft es nun die von ihm Ende 2003 gegründete Diskont-Fluglinie "Niki". Lauda hatte mit Niki von Anfang an eng mit der deutschen Air Berlin kooperiert, im Juli 2010 49,9 Prozent der Unternehmensanteile an Air Berlin verkauft und die Fluglinie im November 2011 schließlich zur Gänze an Air Berlin übergeben.

Diesmal liegt es aber nicht daran, dass - wie im Falle der Lauda Air - ein Markenname aufgrund konzernstrategischer Überlegungen ausgelöscht werden soll, sondern daran, dass die Air Berlin selbst in massiven finanziellen Schwierigkeiten steckt. Air Berlin ist "de facto tot", hatte Lauda gar vor kurzem selbst attestiert. Und der Tod könnte die in ihren guten Zeiten nach der Lufthansa zur zweitgrößten Fluglinie Deutschlands aufgestiegene Airline schneller ereilen, als mache gedacht hatten. Nun folgte nämlich die Bestätigung dafür, was Brancheninsider seit Tagen gewusst haben: Die Airline wird filetiert und in drei Teile aufgespalten. Der Flugzeugbestand wird auf 75 Flieger halbiert und 1200 Arbeitsplätze werden wegfallen. Vorerst.

Wie lange und in welchem Umfang angesichts der Sparmaßnahmen der aktuelle Flugplan noch eingehalten werden kann, respektive welche und wie viele Flüge gestrichen werden müssen ist vorerst noch nicht bekannt. Fluggäste, die bereits Tickets gekauft haben, sollten sich jedenfalls mit der Fluglinie in Verbindung setzen und entsprechende Auskünfte zum Status ihrer Flüge einholen. Auch was mit den im Vielfliegerprogramm der Airline gesammelten Meilen passiert und in welchem Umfang diese noch geltend gemacht werden können ist aktuell offen.

Hard Landing

Air Berlin legt das hin, was man in der Fliegerei ein "Hard Landing" bezeichnet. Ausgerechnet der große Konkurrent Lufthansa soll nun 40 Flugzeuge samt Besatzung von der Fluglinie übernehmen und in die neu gegründete, mit der Air Berlin in harter Konkurrenz stehende "Eurowings" integrieren. Eine ähnlich große Zahl an Flugzeugen soll an den Ferienflieger TUIfly abgegeben werden. Damit wird dann wohl der Name "Niki" vom Himmel verschwinden.

Niki Lauda, der "Niki" aus den Trümmern der Aero Lloyd gegründet hat, trifft das allerdings gar nicht einmal so schwer, wie man vermuten würde. "Niki ist sowieso nicht mehr, was es einmal war", erklärt er im Gespräch mit dem trend (siehe das Interview mit Niki Lauda in der trend-Ausgabe Nr. 39/2016). Und für die Air Berlin sieht er angesichts der chronischen Verluste ebenfalls schwarz. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Ölpreis, und damit auch die Kosten für den Flugzeugtreibstoff Kerosin seit zwei Jahren im Keller sind. Treibstoffkosten machen bei Fluglinien 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten aus. Wenn es der Air Berlin selbst unter diesen Umständen nicht gelinge, Gewinne zu machen, dann, so Lauda, "sagt das alles."

Für Airline-Gründer Niki Lauda ist es mit der Fluglinie "Niki" vorbei.

Air Berlin war mit Pendelflügen aus Deutschland nach Mallorca groß geworden. 2007 übernahm Air Berlin den Ferienflieger LTU, doch das war ein teurer Kauf. Die weiteren Beteiligungen - eben auch an der österreichischen Niki - konnten zwar das Fluggastaufkommen erhöhen, aber damit war kein Staat zu machen. Der Airline wuchsen die Kosten über den Kopf. In den vergangenen acht Jahren konnte nur einmal ein Nettogewinn eingeflogen werden. Auch der Einstieg der Etihad, der staatlichen Airline Abu Dhabis, konnte nichts an der finanziellen Misere der Air Berlin ändern. 2015 stand dann ein Minus von 447 Millionen Euro in der Schlussbilanz.

Air Berlin Aktie; Stand vom 26.9.2016: 0,725 €

Air Berlin Aktie; Stand vom 26.9.2016: 0,725 €

Auch An der Börse ist die Aktie (GB00B128C026) ein einziges Desaster. Schon der Börsenstart hatte erst im zweiten Anlauf geklappt. Die Aktie musste billiger als geplant angeboten werden, um genügend Investoren anzulocken, der Ausgabepreis lag bei 12,65 Euro pro Aktie. Die neun Jahre, die folgten, waren umso bedrückender für die Aktionäre. Immer weiter ging es abwärts mit dem Aktienkurs. Aktuell notiert das Papier bei 0,72 Cent.

Besonders bitter ist das für Aktionäre, wenn man die Performance der Aktie mit der eigenen Peer-Group vergleicht. Die ebenfalls börsenotierte Diskont-Airline Ryanair (IE00B1GKF381) musste zwar im vergangenen Jahr ebenfalls Gewinne abgeben, hat aber eine vergleichsweise strahlende Entwicklung hinter sich. Ryanair hat im laufenden Jahr zwar 17,46 Prozent an Wert abgegeben, ist aber auf drei Jahre gesehen immer noch um fast 25 Prozent im Plus, auf fünf Jahre gerechnet sogar um über 30 Prozent.

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