Adieu Malaise: Frankreichs Wirtschaft im Aufschwung

Emmanuel Macron, Hoffnungsträger bei den Wahlen in Frankreich.

Emmanuel Macron, Hoffnungsträger bei den Wahlen in Frankreich.

Krisenstimmung war gestern: In Frankreich hellt sich nur wenige Wochen vor den Präsidentenwahlen die wirtschaftliche Lage merklich auf. Die Unternehmen blicken optimistischer in die Zukunft. Das könnte Emmanuel Macron im Duell gegen Marine Le Pen zu Gute kommen.

Vor den Wahlen in Frankreich kann der scheidende Präsident Francois Hollande, der wegen seiner mangelnden Popularität nicht mehr antritt, einen letzten Triumph für sich verbuchen. Frankreichs Wirtschaft hat die Malaise überwunden, nun ist die Grande Nation drauf und dran, gemeinsam mit Deutschland zu Europas Wirtschaftsmotor zu werden.

Gute Chancen, Hollande nachzufolgen hat dessen einstiger politischer Ziehsohn Emmanuel Macron. Der frühere Wirtschaftsminister tritt als parteiloser Kandidat an. Dazu muss er allerdings zunächst seine Marine Le Pen von der Front National in der Stichwahl schlagen. Macron gilt vielen als Hoffnungsträger: Nicht nur weil er das Schreckgespenst Le Pen in Zuam zu halten imstande scheint. Auch, weil er Pro-Europäer ist und Frankreich reformieren und wettbewerbsfähiger machen will.

Problem Arbeitslosigkeit

"Von Macron kann man einen wirtschaftsfreundlichen Kurs erwarten", sagt die Konjunktur-Expertin Galina Kolev vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Macron stehe bei seinen Wählern im Wort, die Bedingungen für Unternehmensgründungen zu verbessern. Dennoch sei kein starkes Trendwachstum der Wirtschaft zu erwarten, solange die strukturellen Probleme des Landes ungelöst blieben. Dies zeige sich insbesondere darin, dass es trotz erster Ansätze zur Liberalisierung des Jobmarkts nicht gelungen sei, das Problem der Massenarbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen: "Vor der Weltwirtschaftskrise lag die Quote bei gut sieben Prozent, nun liegt sie noch immer bei zehn Prozent."

Gegenüber Deutschland hat Frankreich in der Vergangenheit konjunkturell an Boden verloren: Das Wirtschaftswachstum ist in den vergangenen fünf Jahren im Vergleich zu Deutschland deutlich schwächer ausgefallen. Das französische (BIP) ist seit 2011 um nur 0,8 Prozent pro Jahr gestiegen, während Deutschland immerhin 1,2 Prozent Wachstum erreichte. Auch 2017 wird Deutschland mit 1,6 Prozent die Nase vorn haben, wenn die Prognose der EU-Kommission zutrifft. Frankreich wird aber immerhin ein Plus von 1,4 Prozent zugetraut.

Denn die Wirtschaft des Landes hat mittlerweile Schwung aufgenommen. Ende 2016 sorgten nicht nur die Kauflust der Konsumenten und ein ausgabenfreudiger Staat für Auftrieb. Erstmals seit vier Jahren stiegen auch die Bauinvestitionen wieder, und zwar um 1,3 Prozent. Ein starker Anstieg der Wohnungsbaugenehmigungen gilt zudem als gutes Omen für die Entwicklung im laufenden Jahr.

Opel-Übernahme als Signal

Dass sich die französische Wirtschaft wieder erholt hat, wird auch an der jüngst erfolgten Übernahme von Opel durch PSA Peugeot Citroen deutlich. "Es ist sehr positiv, dass die französischen Automobil-Unternehmen wieder so stark sind, dass sie auch mal wieder zukaufen können", sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). "Das ist ein positives Signal für die französische Wirtschaft, die sich offenbar wieder auf einem Wachstumspfad befindet." Auch dem zweiten großen französischen Autohersteller Renault ist es gelungen, die Absatzzahlen zu steigern.

Mit dem Rotstift tut sich der französische Staat allerdings noch immer schwer: Das Haushaltsdefizit dürfte nach einem leichten Rückgang 2017 im kommenden Jahr mit 3,1 Prozent wieder über der in der EU erlaubten Grenze von drei Prozent liegen.

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