Abgasaffäre: Audi-Chef Stadler festgenommen

Audi-Vorstandschef Rupert Stadler wurde als Folge der Abgasaffäre im Volkswagen-Konzern vorläufig festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Stadler wird in der Affäre nun als Beschuldigter geführt er soll vorläufig beurlaubt werden.

Abgasaffäre: Audi-Chef Stadler festgenommen

Audi-Chef Rupert Stadler im Visier der Ermittler

Der Volkswagen-Konzern kommt im Zuge der Abgasaffäre nicht zur Ruhe. Am Montagfrüh wurde nun der höchstrangige Top-Manager des Konzern, Audi-Vorstandschef Rupert Stadler, festgenommen. Audi hat die Festnahme bestätigt.

"Der Beschuldigte wurde der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat", teilte die Staatsanwaltschaft München II mit. Als Grund nannte die Behörde Verdunkelungsgefahr.

Ein VW-Sprecher bestätigte die Festnahme. "Darüber hinaus können wir uns vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen inhaltlich nicht äußern. Für Herrn Stadler gilt weiterhin die Unschuldsvermutung."

Am Nachmittag hat der Aufsichtsrat von Volkswagen seine Sitzung begonnen. Vorab hieß es bereits, dass Audi-Chef Stadler beurlaubt wird. Im Verlauf des Nachmittags hatte sich das VW-Kontrollorgan rasch darüber geeinigt, die Audi-Vertriebschef Bram Schot als Interimschef einzusetzen. Der 56-järhige Niederländer wurde erst im September 2017 in den Audi-Vorstand berufen.

Vorige Woche soll die Staatsanwaltschaft München II bereits ein Ermittlungsverfahren gegen Stadler sowie gegen ein weiteres Mitglied des Audi-Vorstands eingeleitet haben. Die Anklage lautet auf "Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung". Auch wenn sich seit der Vorwoche die Faktenlage nicht geändert hatte, wurde Stadler nun wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft genommen. Die Ermittler werfen Stadler laut "Handelsblatt" vor, er habe versucht, Zeugen zu beeinflussen.

Den Beschuldigten wird zur von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht zu haben. Mit der Verhaftung Stadlers und eines weiteren Vorstandskollegen ist die Zahl der Beschuldigten in der Abgasaffäre damit auf 20 gestiegen.

Stadlers Privaträume wurden bereits vorige Woche von den Ermittlern untersucht. Der Audi-Chef war seit der Aufdeckung der VW-Dieselaffäre im Spätsommer 2015 ohne Schrammen davon gekommen. Nun wird auch ihm angelastet, als einer der Top-Manager des VW-Konzerns schon wesentlich früher als bisher zugegeben von den Manipulationen an den Dieselmotoren unterrichtet gewesen zu sein. Und vor allem auch nach der Aufdeckung es zugelassen zu haben, dass manipulierte Autos in Europa weiter in den Verkauf gekommen sind.

Trotz Kenntnis der Manipulationen soll er laut Anklage in Kauf genommen haben, weiterhin Autos mit den illegalen Abschalteinrichtungen in Europa verkauft zu haben. Sollte das bewiesen werden, wäre das Kundenbetrug.

Laut "Süddeutsche Zeitung" hätten die Ermittler bei früheren Razzien bereits Hinweise bekommen, dass Audi-Vorstandschef Stadler im Jahr 2015 E-Mails erhalten habe, in denen es um die manipulierte Abgasreinigung der Motoren ging. Bereits im März 2017 sowie im Februar 2018 haben die Ermittler Razzien in der Audi-Zentrale in Ingolstadt sowie im Audi-Werk in Neckarsulm durchgeführt. Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben.

Der Aufsichtsrat tagt

Die Personalie Stadler soll bei der Sitzung des Aufsichtsrats des Volkswagenkonzerns am Montag auf der Agenda stehen. Eine Ablöse galt noch bis zum Wochenende als unwahrscheinlich. Der 55-jährige Stadler ist seit elf Jahren Chef der VW-Tochter Audi. Du Audi kam er bereits im Jahr 1990. Mit dem Ruf in den Audi-Vorstand auf Betreiben von Ferdinand Piech galt er als Führungsreserve für den VW-Konzernvorstand.

Seit Ende 2015 hatten sechs Audi-Vorstände ihren Hut nehmen müssen. Gegen Stadler waren immer wieder Rücktrittforderungen laut geworden.

Der Dieselskandal selbst wurde im September 2015 aufgedeckt. Die Aufdeckung der illegale Abschalteinrichtungen für die Steuerung von Dieselmotoren wurde von der US-Umweltbehörde EPA aufgedeckt. Der VW-Konzern wollte damit die US-Abgasnormen umgehen.

Der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns Martin Winterkorn musste im November 2015 zurücktreten.

Nach der Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler haben die Vorzugsaktien von Volkswagen am Montag deutlich nachgegeben. Mit einem Abschlag von 3,54 Prozent auf 156,02 Euro waren sie am Monat der größte Verlierer im Dax (Stand MEZ 16:40 Uhr). VW-Papiere gaben damit wesentlich stärker nach als die Papiere von BMW (-1,06 Prozent) und Daimler (-1,38 Prozent).

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