Merck übernimmt Sigma-Aldrich für 17 Milliarden Dollar

Merck übernimmt Sigma-Aldrich für 17 Milliarden Dollar

Der deutsche Pharmakonzern stemmt mit der Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich die größte Übernahme in seiner Firmenhistorie. Beim Kaufpreis legt Merck einen ordentlichen Aufschlag zum derzeitigen Börsenkurs des US-Konzerns drauf. Die Anleger honorieren den Deal - der Aktienkurs von Merck schießt in die Höhe.

Darmstadt Der deutsche Merck-Konzern baut mit der größten Übernahme seiner Geschichte das lukrative Geschäft mit Pharma- und Forschungslaboren massiv aus. Für den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich legt der Pharma- und Spezialchemiekonzern 13,1 Mrd. Euro (16,84 US-Dollar) auf den Tisch.

"Die Übernahme ist ein Quantensprung für unser Unternehmen", sagte Finanzchef Marcus Kuhnert am Montag. Mit dem Zukauf von Sigma-Aldrich steige Merck in allen Bereichen des Laborgeschäft zu den größten drei Anbietern weltweit auf. "Wir bauen unsere Positon im attraktiven Life-Science-Sektor aus und schaffen damit die Voraussetzung für organisches Wachstum in den kommenden Jahren", sagte Kuhnert.

Die Anleger an der Börse waren begeistert. Die im Leitindex DAX enthaltenen Merck-Aktien schossen teilweise um über acht Prozent nach oben auf ein neues Rekordhoch. Gegen 15.30 betrug das Plus noch 5,65 Prozent.

Merck hat sein vergleichsweise kleines Labor-Geschäft bereits 2010 durch die Übernahme des US-Konzerns Millipore kräftig gestärkt. Mit dem Zukauf von Sigma-Aldrich verdoppeln die Darmstädter, die in der Kärntner Bezirksstadt Spittal einen ihrer Produktionsstandorte betreiben, den Umsatz in dem Bereich nun fast auf 4,7 Mrd. Euro. Da das Laborgeschäft mehr Gewinn abwirft als andere Bereiche des Traditionsunternehmens, werde die operative Gewinnmarge des Merck-Konzerns von etwa 30 auf rund 33 Prozent steigen, rechnete Kuhnert vor.

Kaufpreis ein Drittel über aktuellem Börsenwert

Merck will 140 Dollar je Sigma-Aldrich-Aktie zahlen, das sind 36 Prozent mehr als der Schlusskurs an der US-Börse Nasdaq vom Freitag. Das Management des Konzerns aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri hat der Übernahme bereits zugestimmt. "Wir sind davon überzeugt, dass die Transaktion aufgrund der beachtlichen Übernahmeprämie für unsere Aktionäre sehr attraktiv ist", sagte Sigma-Aldrich-Chef Rakesh Sachdev. Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Versammlung grünes Licht geben, laut Kuhnert ist dabei eine einfache Mehrheit ausreichend. Sollte Merck wider Erwarten vom Deal zurücktreten, müssten die Darmstädter laut Sigma-Aldrich bis zu 934 Mio. Dollar (726,74 Mio. Euro) Entschädigung nach Missouri überweisen.

Sigma-Aldrich produziert und vertreibt über 230.000 Chemikalien und andere Produkte für die Pharmaforschung und andere Labore. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 2,7 Mrd. Dollar um. Im ersten Halbjahr 2014 waren es knapp 1,4 Milliarden, bei einem Nettogewinn von 259 Mio. Dollar. Für Merck wird durch die Übernahme der Abstand zu Marktführer Thermo Fisher Scientific, der kürzlich für 13,6 Mrd. Dollar den Konkurrenten Life Technologies geschluckt hatte, deutlich kleiner.

Kuhnert erhofft sich durch die Akquisition Synergien von 260 Mio. Euro pro Jahr, die sich innerhalb von drei Jahren verwirklichen lassen sollen. Der Zukauf werde sich aber bereits vom ersten Tag an positiv auf das operative Ergebnis und die Umsatzrendite von Merck auswirken, betonte der Finanzchef. Da die Wettbewerbshüter in Europa, Asien und den USA noch grünes Licht geben müssen, wird ein Abschluss des Geschäfts erst bis Mitte 2015 erwartet. Die bisher größte Übernahme von Merck war der Kauf des Schweizer Biotechunternehmens Serono für 10,3 Mrd. Euro.

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