1,2 Millionen Österreicher armutsgefährdet - Caritas startete Inlandskampagne

1,2 Millionen Österreicher armutsgefährdet - Caritas startete Inlandskampagne

Caritas-Präsident Michael Landau: "Situation ist fordernd." Der Anstieg der Arbeitslosigkeit sei die zentrale Herausforderung.

Wien. Knapp 1,2 Millionen Menschen in Österreich gelten als armutsgefährdet, 450.000 Personen sind manifest arm, knapp 400.000 ohne Job. Dazu ist Österreich noch mit zahllosen Flüchtlingen konfrontiert. Die "Situation ist fordernd", in diesen Tagen sei man "dies- und jenseits der Grenze gefordert", sagte Caritas-Präsident Michael Landau bei einer Pressereise anlässlich der diesjährigen Inlandskampagne.

"Helfen zu können, macht uns zu Menschen" lautet das Motto der Kampagne. Man dürfe auf keinen Fall "die eine Not gegen die andere ausspielen. Österreich hat einen guten Grundwasserspiegel der Solidarität und Nächstenliebe", betonte Landau. "Wir müssen uns den Sorgen von Menschen auf der Flucht stellen und auch den Blick auf Menschen richten, die bei uns in Not sind", forderte der Caritas-Präsident.

Natürlich komme mit den Flüchtlingen "ein Stück Belastung" auf Österreich zu, sie bedeuten aber auch "eine Menge Chancen". So eine hat etwa der 13-jährige Mohammed ergriffen, der derzeit im Notquartier Bachofengasse in Döbling untergebracht ist. Gemeinsam mit seinen Eltern ist der Jugendliche aus dem Irak geflohen, über Jordanien, die Türkei, das Mittelmeer und Griechenland sind sie schließlich nach Österreich gekommen. Auf der Flucht hat der Bursche Englisch gelernt - so gut, dass er nun beim Dolmetschen in der Flüchtlingsunterkunft mithilft. Sobald wie möglich möchte er die Schule besuchen und Deutsch lernen, später Zahnarzt werden.

"Wir brauchen jetzt und in den kommenden Jahren nichts weniger als eine doppelte Integration", forderte Landau. Eine jener Menschen, die "über die Grenze zu uns kommen, aber auch jener, die auch hier bei uns in konkreter Not sind", sagte Landau. Die Caritas betreibt in ganz Österreich 36 Sozialberatungsstellen. Sie sind laut Landau ein "Spiegelbild der offiziellen Statistik". Vor allem Ein-Eltern-Familien und Familien mit mindestens drei Kindern benötigen Hilfe. "Beide Gruppen sind fast doppelt so armutsgefährdet wie die Gesamtbevölkerung", sagte Landau. Noch immer werde in Österreich auch Bildungsarmut vererbt. So besuchen Kinder aus Haushalten mit niedrigem Einkommen duettlich öfter eine Hauptschule als jene aus Haushalten mit mittlerem und höherem Haushalten. Unleistbar für solche Familien ist oft auch Nachhilfeunterricht.

Hilfe bekommen Kinder in den österreichweit 36 Lerncafes der Caritas. Der zwölfjährige Alan besucht seit drei Jahren zweimal wöchentlich jenes in Wels. Er ist mit seiner Familie aus dem Irak geflohen, spricht mittlerweile sehr gut Deutsch. "Hier gehe ich lieber in die Schule als im Irak", sagte er. Betreut wird er von Barbara, die seit drei Jahren im Lerncafe tätig ist. Sie ist Pensionistin, hilft gerne mit. "Alan ist sehr gewillt zu lernen, will immer wieder üben", sagte sie über den Burschen. "Man baut eine Beziehung zu den Kindern auf, ihre Konzentrationsfähigkeit steigt", erklärte Barbara.

Im vergangenen Schuljahr wurden österreichweit mehr als 1.000 Schüler in den Lerncafes unterstützt. Der Bedarf wäre weit höher - über 450 Kinder stehen auf der Warteliste. "Das System soll ausgebaut werden", sagte Landau. Im Schuljahr 2014/2015 hatten 88 Prozent der Projektteilnehmer Migrationshintergrund. 92 Prozent der Kinder haben die jeweilige Schulstufe positiv abgeschlossen.

Die Inlandskampagne der Caritas unterstützt auch Arbeitslose - deren Anstieg ist laut Landau eine "zentrale Herausforderung". Im September waren in Österreich über 391.000 Menschen ohne Job, mehr als 41.000 galten als langzeitarbeitslose Personen. Der Spar-Caritas-Markt "Perspektive Handel" erleichtert ihnen in Wels den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die Mitarbeiter erhalten im Rahmen eines befristeten Dienstverhältnisses eine maßgeschneiderte Qualifizierung in verschiedenen Bereichen des Handels. Befristet angestellt sind so auch die 55-jährige Brigitte und die gleichaltrige Gabriele. Beiden gefällt die Arbeit, beide wollen weiterhin im Handel bleiben, schreiben schon fleißig Bewerbungen. Es sei jedoch schwer, einen Job mit mindestens 30 Stunden zu bekommen, erklärten die Frauen. Aktuell nehmen 28 Personen an dem Projekt teil. Gleich viele waren es im bereits abgeschlossenen ersten Turnus, von ihnen wurden 18 in reguläre Dienstverhältnisse übernommen, sagte Wolfgang Scheidl von der oberösterreichischen Caritas.

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