Fed lässt sich Zeit mit der Zinswende

Die US-Notenbank hat den Konjunkturbericht "Beige Book" veröffentlicht. Die Fed rechnet weiterhin mit einem Wachstum der Wirtschaft. Nur Chinas Wirtschaft belastet das globale Wachstum. Anleger schauten gespannt auf die Mitteilung der Fed. Die US-Notenbank lässt sie weiterhin zappeln. Der Zeitpunkt für die Zinswende bleibt offen, die bereits im Novmeber 2014 angedeutet wurde. Der Ex-Chef der Deutschen Bundesbank rechnet noch im September mit einer Zinserhöhung.

Fed lässt sich Zeit mit der Zinswende

Washington. Die US-Wirtschaft ist nach Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve von Juli bis Mitte August auf Expansionskurs geblieben. In einigen Branchen habe es für Beschäftigte leichte Lohnsteigerungen geben, erklärte die Fed am Mittwoch in ihrem Konjunkturbericht - im Fachjargon "Beige Book" genannt.

In den meisten Bezirken sei die Nachfrage nach Arbeitskräften moderat gestiegen. Auch die Berichte über das Verarbeitende Gewerbe seien überwiegend positiv gewesen. Einige von der regionalen Fed-Bank in Boston befragte Unternehmen hätten jedoch geklagt, dass die Konjunkturabkühlung in China ihre Geschäfte belaste. Die Auswirkungen seien jedoch bisher gering. Betroffen seien das Verarbeitende Gewerbe, IT-Produkte und IT-Dienstleistungen.

Die US-Wirtschaft war nach einem Durchhänger im Winter im Frühjahr mit aufs Jahr hochgerechnet 3,2 Prozent wieder kräftig gewachsen. Notenbank-Chefin Janet Yellen hat angekündigt, die Zinswende in diesem Jahr zu starten. Der genaue Zeitpunkt einer ersten Anhebung ist aber noch offen. Zuletzt waren angesichts der Turbulenzen an den Börsen Chinas Zweifel aufgekommen, dass die Fed bereits im September handeln wird.

Eine Zinserhöhung in diesem Monat ist jedoch noch nicht vom Tisch, wie Fed-Vizechef Stanley Fischer jüngst deutlich machte. Fed-Führungsmitglied Eric Rosengren erklärte allerdings, aus ökonomischer Sicht mache es wenig Unterschied, ob die Zinswende nun einige Monate früher oder später komme. Die Fed hält die Zinsen seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent.

Fed: Allein auf weiter Flur

Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber rechnet mit einer baldigen Zinswende in den USA. "Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Fed im September in den Zinserhöhungszyklus einsteigt", sagte der heutige Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS heute, Donnerstag, bei einer Bankenkonferenz in Frankfurt.

Es sei höchste Zeit für eine "Normalisierung" der Geldpolitik, meinte Weber. Dabei sollte sich die US-amerikanische Notenbank auch nicht von den jüngsten Turbulenzen an den Börsen aufhalten lassen: "Die Fed muss aufpassen, dass sie nicht zum Gefangenen der Märkte wird."

Weltweit werde die US-Notenbank allerdings mit ihrer Zinswende lange allein auf weiter Flur bleiben. Dies werde auch deren Möglichkeiten begrenzen, die Zinsen anzuheben; für viele Jahre dürften die Zinsen nicht mehr das alte Niveau erreichen. "Ich denke, dass die Fed im neuen Zyklus nicht deutlich über drei Prozent hinauskommen wird."

China und die "normale Korrektur"

Der von China ausgehende Verfall der Aktienkurse mache ihm keine Sorgen. Das sei eine normale Korrektur. An der Schwelle zu einer Trendwende bei den US-Zinsen seien solche Entwicklungen üblich.

Ein schlechtes Zeugnis stellte Weber erneut der europäischen Politik aus. "Die Lage in Europa ist dramatisch und ernst", sagte er. Die aktuelle Beruhigung werde nur bis zu den Wahlen in Griechenland anhalten. "Wir befinden uns im Auge des Hurrikan."

Europa müsse endlich die notwendigen tiefgreifenden Strukturreformen angehen. Dafür habe die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer lockeren Geldpolitik Zeit gekauft. Jedoch verbringe die Politik diese Zeit mit Nichtstun, sagte Weber. Er war 2011 aus Frust über die lockere Geldpolitik der EZB als Chef der Bundesbank zurückgetreten.

Günther Ofner, der neue Aufsichtsratschef der Staatsholding ÖBAG

Günther Ofner, der neue ÖBAG-Aufsichtsratschef [Porträt]

Mit Flughafen-Chef Günther Ofner übernimmt ein äußerst erfahrener, …

Das Cyber-Risiko für Unternehmen ist zuletzt stark gestiegen. Dennoch bleiben effiziente Schutzmaßnahmen oft außen vor.

Cybercrime: Jeder kann das nächste Opfer sein

Die Bedrohung von Cyberattacken wächst. Hacker nehmen vermehrt kleinere …

KSV1870 Group CEO Ricardo-José Vybiral

"Unternehmen fordern eine Ausbildungsoffensive"

Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG, im trend-Interview über …

SERGEI GURIEV, ÖKONOM

"Jeder Euro für Öl und Gas finanziert diesen Krieg"

Er beriet den russischen Präsidenten Dimitri Medwedew, doch sein …