Heimische VW-Händler: Imageproblem kommt zur Unzeit

Seit bekannt ist, dass VW bei manchen Modellen auch beim CO2-Ausstoß getrickst hat, ist Feuer am Dach. Denn die Steuer für die NoVA bemisst sich am C02-Ausstoß. Rund 60 Prozent der VW-Handelsbetriebe in Österreich gehören Volkswagen selbst.

Heimische VW-Händler: Imageproblem kommt zur Unzeit

Nun ist also klar, dass VW nicht Stickoxid-Ausstoße manipuliert wurden, sondern dass es auch bei CO2-Werten zu "Unregelmäßigkeiten" gekommen ist. Es gehe dabei hauptsächlich um Dieselautos, aber auch um eine geringe Anzahl von Benzinern. Wie hoch der gemessene Ausstoß über den offiziellen Werten liegt, sagte ein Sprecher zunächst nicht.

Hohe Steuernachzahlungen drohen

Damit drohen in Österreich und Deutschland massive Steuernachzahlungen. Denn wird ein Pkw etwa in Österreich neu zugelassen, muss der Käufer eine Normverbrauchsabgabe (NoVA) an den Staat abführen. Diese richtet sich nach den im Typenschein eingetragenen CO2-Emissionen und dem Netto-Fahrzeugwert. Der aktuelle NoVA-Tarif gilt seit dem 1. März 2014, zuvor richtete sich die Steuer nach dem Treibstoffverbrauch und Wert des Pkw. Lkw zahlen keine NoVA.

Gewaltige Unterschiede bei Steuern für CO2-Ausstoß

Berechnet wird der Steuersatz laut Finanzministerium folgendermaßen: CO2-Emissionswert in Gramm je Kilometer minus 90 Gramm dividiert durch fünf. Die errechneten Steuersätze sind auf volle Prozentsätze auf- bzw. abzurunden. Der Höchststeuersatz beträgt 32 Prozent. Hat ein Fahrzeug einen höheren CO2-Ausstoß als 250 g/km, erhöht sich die Steuer für den die Grenze von 250 g/km übersteigenden CO2-Ausstoß um 20 Euro je Gramm CO2 pro Kilometer.

Im folgenden zwei Rechenbeispiele des Finanzministeriums: Kostet das Fahrzeug netto (ohne Umsatzsteuer) 15.000 Euro, ist es ein Benziner und hat es einen CO2-Ausstoß von 140 g/km, beträgt die NoVA 1.050 Euro. Handelt es sich um ein Dieselfahrzeug zum Nettopreis von 50.000 Euro mit einem CO2-Ausstoß von 240 g/km, liegt die NoVA bei 14.650 Euro.

Händlerobmann hofft auf Gnade des Finanzministeriums

Was etwaige Nachforderungen des Finanzministeriums an die Händler betrifft - sie haben die CO2-abhängige Normverbrauchsabgabe (NoVA) an die Finanz abgeführt und sind daher der Abgabenschuldner - hofft Ernst auf eine verantwortungsvolle Vorgangsweise. Obmann des Fahrzeughandels Burkhard Ernst: "Eventuelle Forderungen dürfen nicht zu einem Liquiditätsproblem bei den Händlern führen", warnt Autohändlerobmann Ernst. Dieses könnte auftreten, wenn zwischen der Zahlung an die Finanz und der Rückerstattung des Betrages durch die Hersteller ein zu langer Zeitraum vergeht. Im Falle von VW sei dies aber ohnehin primär ein Problem von VW selbst, da rund 60 Prozent der Handelsbetriebe VW selbst gehören, so Ernst.

Der sich immer stärker ausweitende Skandal um manipulierte Schadstoffangaben bei VW kommt für die österreichischen Händler zu einer Unzeit. Ernst: "Wir haben ohnehin schon seit vier Jahren rückläufige Zahlen bei den Neuzulassungen", so der Obmann des Fahrzeughandels Burkhard Ernst. Er ortet einen medialen Hype, der führe zu einem Imageproblem, unter dem die ganze Branche zu leiden habe, gibt er zu bedenken.

Auch Aktionäre in großer Sorge

Die neuen Hiobsbotschaften des VW-Konzerns bereitet nicht nur Händlern, sondern auch Anlegern massiv sorgen. Sie schickten die Vorzugsaktie der Wolfsburger am Mittwoch abermals auf eine Talfahrt. Als schwächster Wert im Frankfurter Leitindex sackten die Aktien um 7,48 Prozent auf 102,65 Euro ab.

"Nach derzeitigem Erkenntnisstand können davon rund 800.000 Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns betroffen sein", hieß es in Wolfsburg. Europas größter Autobauer taxierte die wirtschaftlichen Risiken in einer ersten Schätzung auf rund 2 Mrd. Euro.

Die VW-Aktie stürzte am Mittwoch teilweise um bis zu zehn Prozent ab.

Neuer VW-Chef verspricht "schonungslose" Aufklärung

Der neue Vorstandschef Matthias Müller versprach erneut eine "schonungslose" Aufklärung: "Dabei machen wir vor nichts und niemandem Halt. Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber er ist für uns ohne Alternative." Der Aufsichtsrat reagierte "mit Betroffenheit und Sorge" auf die neuen Erkenntnisse. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wird sich die Aufsichtsratsspitze spätestens an diesem Sonntag treffen, der komplette Aufsichtsrat dann am Montag.

Bisher ging es in dem Skandal ausschließlich um Stickoxide. Im September hatte VW eingestanden, bei Abgastests auf dem Prüfstand mit Softwarehilfe die Ergebnisse für Dieselmotoren manipuliert zu haben. Das Programm schaltet in Testsituationen in einen Sparmodus. In dem Zusammenhang musste VW bereits 6,7 Mrd. Euro zurückstellen.

In den USA, wo der Abgasskandal seinen Ausgang nahm, wandte sich nach einem Bericht des Deutschlandfunks das Energie- und Handelskomitee des US-Repräsentantenhauses mit der Bitte um weitere Informationen an VW-Landeschef Michael Horn. Bis zum 16. November solle dieser weitere Dokumente vorlegen. Die Umweltbehörde EPA wirft VW, Audi und Porsche vor, auch bei größeren Dieselmotoren getäuscht zu haben. Die Unternehmen wiesen die Anschuldigungen zurück.

Porsche stoppt Cayenne-Auslieferung in die USA

Porsche stoppte den Verkauf des Geländewagens Cayenne mit Dieselmotor in den USA. Man habe die Auslieferung der entsprechenden Modelle dort vorerst eingestellt, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Man prüfe die Vorwürfe der EPA noch.

Mit Blick auf die CO2-Werte hatte die Holding der Stuttgarter VW-Luxustochter schon am Dienstagabend angedeutet, dass auch im Ergebnis der Porsche SE ein "belastender Effekt" eintreten könnte. Derzeit gehe man aber für 2015 weiter von einem Gewinn nach Steuern zwischen 0,8 und 1,8 Mrd. Euro aus - auch "unter dem Vorbehalt weiterer Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Dieselthematik".

VW hatte erklärt, im Rahmen der laufenden Überprüfungen aller Prozesse und Abläufe bei Dieselmotoren sei aufgefallen, dass bei der CO2-Zertifizierung einiger Fahrzeugmodelle zu niedrige CO2- und damit auch Verbrauchsangaben festgelegt wurden. Betroffen seien überwiegend Fahrzeuge mit Dieselmotoren. Es gehe um den Polo, Golf und Passat, sagte ein Sprecher. Bei Audi seien A1- und A3-Modelle betroffen. Bei Skoda gehe es um den Octavia, bei Seat um den Leon und Ibiza.

Auch bei einem Benzinmotor mit Zylinderabschaltung gebe es Auffälligkeiten. Es handle sich aber um eine geringe Stückzahl. Bei den Dieselmotoren seien 1,4-, 1,6- und 2,0-Liter-Varianten betroffen.

CO2 ist zwar unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und wesentlich für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Die CO2-Grenzwerte sind in der EU in den vergangenen Jahren nach schwierigen Verhandlungen verschärft worden.

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