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"Letzer Versuch" zur Rettung von Benkos Signa

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©Elke Mayr
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Bei der angeschlagenen Signa-Gruppe rund um den Tiroler Investor René Benko könnten weitere Insolvenzanträge für Konzerngesellschaften in Deutschland folgen. Die Signa Real Estate Management Germany hat bereits beim Amtsgericht Charlottenburg einen Insolvenzantrag gestellt, wie das Gericht Montagmittag mitteilte. Gesucht wurde weiter ein Investor, der etwa eine halbe Milliarde Euro kurzfristig - und teuer - bereitstellt, ging aus Insiderinformationen hervor. Konzern und Sanierer kommunizierten nicht.

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Nur ein US-Investor verhandelt noch mit Signa

Bei der finanziell angeschlagenen Signa-Gruppe rund um den Tiroler Investor René Benko könnten Insidern zufolge weitere Insolvenzanträge für Signa-Gesellschaften in Deutschland folgen. Solche Insolvenzanträge seien in Vorbereitung, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Von Signa war laut Reuters zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Signa Real Estate Management Germany hatte bereits beim Amtsgericht Charlottenburg einen Antrag auf Konkurs gestellt, wie das deutsche Magazin "Der Spiegel" und "News" berichtet hatten. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten dies.

Signa leidet Insidern zufolge unter Liquiditätsproblemen. Finde sich nicht kurzfristig ein Kreditgeber, könnte die gesamte Gruppe fallen, hatten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen gesagt. Der österreichischen Zeitung "Der Standard" zufolge soll am Dienstag ein Insolvenzantrag für die milliardenschwere Signa-Gruppe erfolgen. Zu Signa gehören Immobilien-Pakete und unter anderem auch der deutsche Warenhausriese Galeria.

Drohende Insolvenz

Bei den dringend benötigten Riesensummen hofft die Signa derzeit auf einen Mezzanin-Investor, der vereinfacht erklärt sehr teures Kapital bei wenig direkter Mitsprache zur Verfügung stellt. Ein solcher Investor würde 500 oder womöglich sogar 600 Mio. Euro Kredit geben, die zum Teil besichert werden könnten, zum Teil aber auch unbesichert wären, schrieb etwa die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Wochenende. Dadurch würden extrem hohe Zinsen fällig. Zusammen mit zusätzlichen Gebühren können Kreditkosten von über 20 Prozent pro Jahr entstehen.

Laut gesicherten APA-Informationen vom Sonntagvormittag laufen Verhandlungen mit Hedgefonds. Sollten diese scheitern, "führt kein Weg an der Pleite des Imperiums vorbei", so ein Insider zur APA. Es laufe "ein letzter Versuch".

Eine etwaige Insolvenz bei Signa würde auch an den kreditgebenden Banken nicht spurlos vorübergehen. Laut Medienberichten hat Signa bei fast allen namhaften Instituten in Österreich Kredite offen. Das Gesamtexposure belaufe sich auf 2,2 Mrd. Euro.

In der Schweiz dürfte der Vermögensverwalter Julius Bär nicht unwesentlich betroffen sein. Die Schweizer Privatbank legte am Montag ein massives Exposure im Immobilienbereich offen, das jüngst deutliche Wertberichtigungen nötig machte. Die größte Einzelposition innerhalb des insgesamt 1,5 Mrd. Franken schweren Private-Debt-Kreditbuchs belaufe sich auf 606 Mio. Franken (628,6 Mio. Euro) und umfasse drei Kredite an verschiedene Einheiten innerhalb eines "europäischen Konglomerats", so das Unternehmen. Einem Insider zufolge soll es sich um die Signa handeln. Die Kredite sind den Angaben der Bank zufolge durch mehrere Pakete von Sicherheiten in Verbindung mit Gewerbeimmobilien und Luxuseinzelhandel besichert.

Leere Website und Baustopps

Was die inzwischen inhaltslose Homepage des Konzerns betrifft, hatte ein Sprecher am Samstag laut "Kurier" "Wartungsarbeiten übers Wochenende" ins Treffen geführt. Offizielle Informationen vom Unternehmen sind des Längeren Mangelware. Zu den aktuellsten Entwicklungen waren am Wochenende bis zum Sonntagvormittag abseits der Auskunft zur Homepage-"Wartung" keine Stellungnahmen von Signa zu erhalten - weder für die APA, noch für Zeitungen, Nachrichtenagenturen oder TV-Sender, wie die Medienbeobachtung zeigt.

Dass die Lage zumindest schwierig ist, untermauern Baustopps bei Prestigeprojekten in deutschen Metropolen wie München und Hamburg. Hier geht es etwa um den Wolkenkratzer Elbtower.

Das ursprüngliche Firmen-Mastermind Benko ist in Österreich auch Thema der neuen angekündigten parlamentarischen Untersuchungsausschüsse. Unter vielen Punkten dürfte hier auch Kika/Leiner Thema werden - die Möbelketten gingen sehr knapp nach dem Verkauf durch die Signa pleite und werden nun nur mehr abgespeckt weitergeführt und saniert. In Deutschland bereitet sich die letzte große Warenhauskette Galeria Kaufhof, die zum wankenden Signa-Imperium gehört, auf eine Schieflage der Signa vor.

Signa-Gruppe: Der Zerfall des Immobilien- und Kaufhaus-Konzerns

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