Xaleon-Übernahme: „So früh wollten wir da nicht raus“

TeamViewer übernimmt das oberösterreichische Start-up Xaleon. Investor Franz Fuchsberger über die Hintergründe des Xaleon-Exits, von einem folgenschweren Pitch zum Leberkäspepi.

Die Xaleon-Gründer Mathias Holzinger, Markus Wagner und Horst-Georg Fuchs (vorne) mit den eQventure-Lead-Investoren Franz Fuchsberger, Markus Presle und Herbert Gartner

v.l.n.r.: Zeitreise zurück ins Frühjahr 2019: Damals besiegelten die drei Xaleon-Gründer Mathias Holzinger, Markus Wagner und Horst-Georg Fuchs (vorne) mit den drei eQventure-Lead-Investoren Franz Fuchsberger, Markus Presle und Herbert Gartner die gemeinsame Zukunft (hinten).

trend: Xaleon wurde nach nicht einmal zwei Jahren übernommen. Wie hat Corona diesen Exit beschleunigt?
Franz Fuchsberger: Einen Exit kann man nicht planen, das ist eine alte Weisheit. Xaleon ist es durch die Corona-Krise nicht schlechter gegangen, soviel kann man schon sagen.

TeamViewer ist in dem Segment ein großer Name: Warum haben die es nicht geschafft, selbst ein DSGVO-konformes Chat-Tool zu entwickeln?
Natürlich hätten sie das Know-how im Haus gehabt, müssen aber selbst erst einmal das Corona-bedingte rasante Wachstum verdauen. Und es braucht Zeit, um ein marktreifes Produkt zu bauen. Und Zeit ist der entscheidende Faktor…

Besser gut eingekauft als ...
Wie das alles zustande gekommen ist, ist ja kurios. Xaleon pitchte bei einem großen deutschen Automobilkonzern. Die wollen dem Kunden ein perfektes digitales Erlebnis im Auto bieten und waren von Xaleons Möglichkeiten tief beeindruckt. Was TeamViewer im Firmennetzwerk macht, kann Xaleon außerhalb, etwa bei Drittanwendungen. Sie wollen zum Beispiel mit Sprachbefehl ein Formular ausfüllen und Xaleon geht ihnen dabei zur Hand. Frei gesprochen haben die Automobilmanager gefragt bei TeamViewer gefragt, warum sollen wir das bei einem Start-up kaufen, das erwarten wir eigentlich von euch. Und so hat TeamViewer um eine Demo angefragt.


TeamViewer ist kein Unternehmen, das am laufenden Band andere Unternehmen kauft.

Hochoffiziell und nicht verdeckt?
Klar waren die Gründer erst verwundert, dass sie von TeamViewer – dem großen Konkurrenten – zu einer Demo eingeladen wurden. Rasch stellte sich jedoch heraus, dass man sich die Technologie Xaleons näher ansehen wollte, um eine Wiederverkaufsoption zu prüfen. Aus diesen Gesprächen wurde schließlich mehr. Wir haben einige Monate verhandelt, und gestern wurde in Wien unterschrieben.

Warum wurde monatelang verhandelt? Corona-bedingt? Schwierige Annäherung? Details?
Erstens ist TeamViewer ja selbst im Wachstumsmodus und kein Unternehmen, das am laufenden Band andere Unternehmen kauft. Zweitens waren wir erst gar nicht begeistert, wir wollten nicht verkaufen. Xaleon hat Unicorn-Potenzial. So früh wollten wir da nicht raus.

Wer hat die Verhandlungen geführt? Die Gründer mit Ihrer Schützenhilfe?
Ich bin total begeistert von den drei jungen Burschen, die noch dazu ausschauen wie Modellathleten, alle noch unter 30. Die drei sind seriös, pragmatisch, fokussiert, hören zu und informieren sich bevor sie wichtige Schritte machen. Es hat wirklich Spaß gemacht mit ihnen zu arbeiten. Sie haben sehr gute Verhandlungen geführt. Wir (Anm. Co-Investor eQventure Chef Herbert Gartner) haben höchstens die Bad Cops gemacht und sie bei schwierigen Aspekten in den Verhandlungen unterstützt.


Zwei weitere Portfoliounternehmen könnten in der ersten Jahreshälfte einen Exit machen.

TeamViewer macht Linz zum Österreich-Standort: Eine Konzession an die drei?
Das Außergewöhnliche an diesem Deal war, dass man parallel an den Vermarktungsplänen gearbeitet hat. Das sind Dinge, die normalerweise sequenziell erfolgen. Ich freue mich schon, wenn ich die drei Burschen in wenigen Jahren in hochrangigen Positionen bei TeamViewer sehen werde. Wenn gewünscht, werden wir sie weiter coachen. Die drei übernehmen in ihrem Bereich wichtige Aufgaben bei TeamViewer, die sich sehr bemüht haben gute Rollen für sie zu finden.

Neben dem Standort und guten Rollen binden auch Earn-outs über vier Jahre die Gründer an TeamViewer.
Ein erheblicher Teil des Verkaufserlöses ergibt sich aus einer erfolgsabhängigen Earn-Out-Regelung über die nächsten vier Jahre.

Wie haben Sie mitten im Lockdown gefeiert?
Wir haben gestern beim Anwalt Herbst Kinsky im Rahmen der Möglichkeiten bei einem Leberkäse mit Bier angestoßen.

Standesgemäß vom oberösterreichischen Leberkäspepi?
Ja.

eQventure hat für 2021 einige Exits angekündigt. Wer sind die nächsten?
Wir haben noch zwei Portfoliounternehmen, die in der ersten Jahreshälfte einen Exit machen könnten.


Über Xaleon

Die 2018 von Markus Wagner, Horst-Georg Fuchs und Mathias Holzinger gegründete Xaleon (damals noch Chatvisor) ist spezialisiert auf DSGVO-konformen Kundenservice und Vertragsabschlüsse (mit Chatbots, Live-Chats etc.), konnte damit vor allem im Banken- (u.a. bei Erste Bank) und Versicherungsbereich reüssieren. Vor 21 Monaten waren Franz Fuchsberger und Herbert Gartner vom Grazer VC eQventure mit einem sechsstelligen Betrag eingestiegen. Am 18. Jänner 2021 wurde die Übernahme (zweistelliger Millionenbetrag) durch die deutsche TeamViewer AG besiegelt, die Gründer und über 20 Mitarbeiter werden übernommen, und der Xaleon-Standort Linz neues strategisches Standbein in Österreich. Die deutschen Remote-Spezialisten TeamViewer sind im Corona-Jahr um 40 Prozent gewachsen, der Umsatz wuchs auf über 450 Millionen Euro.

Der frühere Erste Group CEO und Neo-Startup-Investor Andreas Treichl

Andreas Treichl: "Die Österreicher investieren nicht richtig"

Der frühere Erste Group CEO und Neo-Startup-Investor Andreas Treichl über …

Froots-Gründer David Mayer-Heinisch mit Andreas Treichl, der mit zehn Prozent an dem Start-up beteiligt ist

Start-up der Woche: Froots - Private Banking für jedermann

Das Start-up Froots hat sich dem langfristigen Vermögensaufbau der jungen …

Benu Geschäftsführer Stefan Atz mit Markus Zahrnhofer, Vorstandsmitglied der Merkur Versicherung und Benu Co-Geschäftsführer Alexander Burtscher (von links)

Merkur Versicherung beteiligt sich an Bestattungs-Start-up Benu

Das 2017 gegründete, auf die Organisation und Durchführung von …

Tucan.ai schafft Ordnung und Meeting-Kultur. Protokolle werden von der KI-Software automatisch erstellt.

Tucan.ai: Meetings effizient transkribieren mit Speech-to-Text KI

Die KI-getriebene Software des Berliner Startups Tucan.ai liefert …