Wiener Start-up ImageBiopsy Lab bekommt Millionen-Spritze

Wiener Start-up ImageBiopsy Lab bekommt Millionen-Spritze

Artificial Intelligence als Werkzeug für Ärzte zur Analyse von Röntgenbildern: ImageBiopsy Lab-Chef Richard Ljuhar überzeugt nun auch Investoren, die reichlich Geld investieren.

Ein siebenstelliges Investment bekommt das Wiener Start-up ImageBiopsy Lab (IB Lab), um seine Entwicklungen für die Analyse von Gesundheitsdaten voranzutreiben. Das Geld soll in die Entwicklung der Software sowie für die Expansion verwendet werden. Der Markteintritt in den USA steht bevor.

Bei Anwendungen für Digital Health liegt das Geld für Start-ups auf der Straße", meinte kürzlich ein Investor halb scherzhaft, halb im Ernst zum trend.at, als er gefragt wurde, wo es genügend Geld für Start-ups zu holen gibt. Nur: Die Idee muss freilich passen, eine gewisse Reife haben und - vereinfacht gesagt - Aussicht auf Markteinführung haben. Am besten in nicht allzu ferner Zeit.

Heißt: die Idee alleine, alleine eine große Show, bringt noch nichts Zählbares. Und Storys erzählen, unterstützt durch schöne Folien sind schon eine Zeit viel zu wenig, dass man damit noch Investoren locken oder gar verblüffen kann.

Das Wiener ImageBiopsy (IB Lab) mit ihrem Mastermind Richard Ljuhar hat eine Idee, die es bereits geschafft hat, im Gesundheitswesen offenbar nicht nur Aufsehen zu erregen, sondern auch tatsächlich als Produkt eingesetzt zu werden. Mit einer Software basierend auf Artificial Intelligence (AI) soll die Arbeit von Ärzten wesentlich bei der Analyse von Röntgenbildern unterstützt werden. Die Software unterstützt den Arzt, um den Befund leichter zu erstellen und vielmehr die richtige Therapie in die Wege zu leiten.

Bis dato hat IB Lab-Chef Ljuhar die Zulassung seiner AI-Software für die Analyse von Knieverletzungen. Und der besondere Kick: Dank Artificial Intelligence (AI) und Machine Learning (ML) kann die Software zur Früherkennung und Diagnose von Knochenerkrankungen eingesetzt werden.

"Heute muss ein Arzt jedes Röntgenbild genau ansehen und analysieren. Das ist eine aufwendige Routinetätigkeit, von der wir ihn entlasten wollen", sagt Richard Ljuhar, CEO von IB Lab.

Und noch einen wichtiges Asset bringt die Software demnach mit: "Zusätzlich verbessern sich so die Ergebnisse, da nicht nur der subjektive Eindruck zählt, sondern die Röntgenbilder mit vielen anderen Aufnahmen verglichen werden."

Um die Entwicklung voranzutreiben hat der Chef des erst im Jahr 2016 gegründeten Start-ups nun weitere Geldgeber gesucht. Mit Erfolg. Das österreichische Gründerservice-Agentur aws sowie APEX Ventures pumpen ein "siebenstelliges Investment" in das Wiener Start-up. Wie viel die Geldgeber locker gemacht haben, darüber hüllen sich die Beteiligten in Schweigen. Das Geld soll jedenfalls für die Erschließung des US-Marktes und Weiterentwicklung des Produkts verwendet werden.

Anlass für die Geldspritze war freilich auch, das die IB Lab-Leute diese Woche von einem erfolgreichen Meeting mit der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) zurückgekehrt sind. Das Start-up hat demnach die Zulassung der Software für den US-Markt bekommen. Bis Mitte 2019 wird IB Lab über ein erstes für den Verkauf in den USA zugelassenes Medizinprodukt der Klasse zwei verfügen. Die Planungen für die Produktauslieferungen in die USA sind laut IB Lab bereits in Gange.

Bei über 20 Radiologen und Orthopäden wird die Software bereits in diversen Spitälern im Pilotprojekt bereits genutzt. Zukünftig will IB Lab auch die Hersteller von Röntgengeräten gewinnen, die Software zu nutzen. Somit könnten sie sich damit am Markt technologisch differenzieren.

Die Rosen und das Geld

Die Reife des Produktes und vor allem die Zulassung in den USA hat bei den Investoren ein positives Echo gefunden. „IB Lab hat den Need des Marktes erkannt und übernimmt mit ihrer Lösung eine wesentliche Schnittstellenfunktion zwischen Ärzten und Technikern", sagt Ralf Kunzmann, Geschäftsführer aws Gründerfonds. Aufbauend auf weit über 100.000 Datensätzen anonymisierter Röntgenbilder würde es dem Team rund um Richard Ljuhar gelingen, eine digitale Brücke zwischen den qualitativen Anforderungen des Arztes und den quantitativen Anforderungen der Techniker zu schlagen. Das spezielle Know-How lässt sich laut aws-Chef Kunzmann auf viele weitere Bereiche ausdehnen.

"Es besteht kein Exit-Druck, das Investment von aws sei durchaus auf längere Frist ausgelegt", wie aws-Chef Kunzmann im Gespräch mit dem trend den Anlagehorizont umreißt. "IB Lab hat ein überzeugendes Geschäftsmodell, ein sehr gutes Team und bewiesen, dass es sich am Markt durchsetzen kann." Die FDA-Zulassung habe freilich das nachdrücklich bekräftigt.

Der zweite Investor APEX Ventures hat das Unternehmen schon länger im Fokus. „Wir beobachten, dass die Anwendung von Technologien wie Deep Learning und Artificial Intelligence in der bildgebenden Diagnostik einen erheblichen Katalysator für verbesserte und optimierte Prozesse bedeuten kann", meint Andreas Riegler, Partner bei APEX Ventures. Die bereits fortgeschrittene Produktreife war für APEX offenbar entscheidend, um nun mit einem Investment "den globalen Roll-out zu unterstützen".

Richard Ljuhar hält nach Angaben mit rund 54,6 Prozent die Mehrheit an dem Unternehmen. Sein Vater Davul Ljuhar ist mit PLUSSERVICES business-developement GmbH der zweitgrößte Gesellschafter mit einem Anteil von 26,26 Prozent. Die beiden neuen Investoren APEX Ventures und aws halten mit ihrem Einsteig rd. 8,6 Prozent der Anteile, onepharm hält 1,6 Prozent der Geschäftsanteile.

Die Eigentümer von IB Lab GmbH

Die nächsten Entwicklungsschritte der AI-Software stehen bereits bevor: weitere Software-Module für Hüfte und Hände sind in Planung und werden laut IB Lab im Laufe des Jahres 2019 ersten Anwendern zur Verfügung gestellt.

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