Vorglühen bei Volkswagen mit dem IT-Startup MOIA

Vorglühen bei Volkswagen mit dem IT-Startup MOIA

Autofahren in der Zukunft ist anders - VW will Autofahren neu verstehen lernen.

Der Volkswagen-Konzern startet mit Jahresbeginn in Berlin und Hamburg die IT-Tochterfirma MOIA. Sie soll sich mit der Entwicklung neuer Geschäftsfelder rund ums neue Autofahren und die Digitalisierung befassen. Und nach neuen Erlösquellen schürfen.

Der Volkswagen-Konzern hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2025 will Europas Autoriese mit seiner neu gegründeten Berliner Company MOIA zum Marktführer für Mobiltätsdienste aufsteigen. Der Startschuss wurde nun in London auf der Technologiekonferenz "Tech Crunch Disrupt" gegeben. In der deutschen Bundeshauptstadt Berlin wird MOIA ab Jahresbeginn an einem neuen Standort und 50 Mitarbeitern durchstarten. Fast zeitgleich soll auch in Hamburg der Start einer MOIA-Dependance erfolgen.

Zu den neuen Diensten zählen unter anderem auch Carsharing-Dienste und Digitalisierungsprojekte rund ums Auto. VW reagiert damit auch auf den Trend, dass Menschen vor allem in Ballungsräumen künftig vorzugsweise Autos zeitlich befristet mieten oder mehrere Eigentümer sich ein Fahrzeug teilen und nicht jeder mehr ein Auto kauft oder besitzt.

"Mit MOIA wollen wir neue Formen von Mobilität besser verstehen lernen, zukünftig noch attraktiver gestalten, in einem viel umfassenderen Sinne als heute sowie maßgeschneidert für vielfältigste Bedürfnisse anbieten", sagt Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns. "Auch wenn künftig nicht mehr jeder ein eigenes Auto besitzen wird, wollen wir mit MOIA dazu beitragen, dass jeder auf die eine oder andere Art Kunde unseres Unternehmens sein kann.“

VW verspricht sich mit den Diensten bis zum Jahr 2025 vor allem einen zusätzlichen "substanziellen Beitrag" zu den Erlösen des klassischen Automobilgeschäfts. Der Autokonzern will damit unter anderem mit Fahrdienste wie Uber in den Ring steigen, aber vor allem auf Daimler und BMW mit seinen Carsharing-Systemen konkurrieren.

Der große Pilot in Moskau

Eine wesentliche Rolle in den Planungen für die Zukunft der Digitalisierungsstrategie von VW spielt der Fahrdienstleister Gett. Europas größter Autokonzern hat sich erst im Mai 2016 mit 300 Millionen Dollar an dem Unternehmen beteiligt. Der israelisch-amerikanische Fahrtendienstwurde 2010 gegründet. In den USA, Russland sowie Großbritannien bietet Gett bereits seine Dienste anbietet. In Europa will Gett im Frühjahr den taxiähnlichen Fahrten- und Chauffeurdienst anbieten. Via Smartphone-App können die Nutzer den Fahrtendienst buchen und abrechnen.

Die VW-Tochter Gett bietet bereits in über 100 Städten weltweit bequem per Knopfdruck Fahrten, Lieferdienste oder Logistikleistungen buchen. VW will mit Gett ab kommendem Jahr sukzessive in Europa durchstarten. Dabei spielen die zwölf VW-Automarken eine wesentliche Rolle. Die Gett-Lenker fahren ausschließlich mit VW-Autos.

„Gemeinsam mit Gett verfolgen wir eine klar festgelegte Expansionsstrategie in Europa – erst kürzlich haben wir mit drei Konzernmarken die erste gemeinsame Initiative mit attraktiven Fahrzeugpaketen für Gett-Fahrer im Wachstumsmarkt Moskau umgesetzt“, sagt Harms. Weitere Märkte sollen in absehbarer Zeit folgen. In Wien ist zwar noch kein Marktstart fixiert. Es soll aber 2017 auf der Agenda stehen.

Die Autokonzerne sehen in derartigen Mobilitätsdiensten ein Milliardenumsatzpotenzial - vor allem in Ballungsräumen.

MOIA will unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns zusammen mit Städten Mobiltätssysteme neu entwickeln oder bestehende Systeme erneuern. "Wir wollen uns mittelfristig zu einem der globalen Top Player unter den Mobilitätsdienstleistern entwickeln. Dafür werden wir um die besten Köpfe und Technologie-Start-ups werben“, sagt Ole Harms, CEO von MOIA.

Die kreative Werkstatt in Berlin

Das neue Unternehmen der Volkswagen Gruppe wird ihren Sitz in Berlin haben, wo in der Startphase ein rund 50-köpfiges Team arbeiten wird. Bis Ende 2017 will MOIA noch weitere Mitarbeiter aufnehmen und "schnell anwachsen". "Die Metropole Berlin ist der perfekte Standort für ein zukunftsorientiertes und innovatives Unternehmen wie MOIA, denn hier sind die kreativen Köpfe und Start-ups vertreten, die wir für den Aufbau unseres neuen Geschäftsfeldes benötigen. Wir wollen mit MOIA beweisen, dass innovative Mobilitätslösungen auch außerhalb des Silicon Valleys möglich sind“, erklärt Harms.

In die Geschäftsführung ziehen auch Frank Dilger (CFO) und Robert Henrich (COO) ein. In beratender Funktion steht dem MOIA-Führungsteam auch noch ein Beirat zu Seite, der von Thomas Sedran, Leiter Konzernstrategie der Volkswagen AG, geführt wird.

Der zweite Standort für MOIA in Deutschland wird in Hamburg eröffnet. Im Herbst hat der Volkswagen mit der Hansestadt eine strategische Mobilitätspartnerschaft für drei Jahre vereinbart, um die urbane Mobilität umweltschonender, sicherer, verlässlicher und effizienter zu gestalten. Die aus dieser Partnerschaft gewonnen Erkenntnisse sollen in zukünftige MOIA-Projekte in ganz Europa einfließen.

Die zweite Schiene auf Abruf

MOIA hat neben den Fahrdiensten („Ride Hailing“) noch ein zweites Geschäftsfeld im Visier. Das sogenannte "Pooling" soll ebenso Services auf Abruf via App anbieten. Dabei handelt es sich um Transportlösungen, die den Individualverkehr und den öffentlichen Verkehr effizienter gestalten sollen.

Das Ziel dabei ist die Vermeidung von unnötigen Einzelfahrten im Individualverkehr und somit bessere Nutzung der bestehenden Straßeninfrastruktur. Die Services fokussieren sich auf den Stadtgrenzen-überschreitenden Verkehr. Erste Pilotprojekte dazu verspricht MOIA für 2017.

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