Ubiq: Sauber durch die Krise mit Desinfektion als Dienstleistung

Christian Adelsberger steuert sein Start-up Ubiq durch die Krise, und kämpft mit einer neuen Dienstleistung kreativ gegen den Umsatzeinbruch an.

Ubiq CEO Christian Adelsberger

Ubiq CEO Christian Adelsberger

Schnell auf geänderte Lagen zu reagieren, gehört bei Start-ups zur DNA. Der Corona-Lockdown traf das 2015 in Wien gegründete Unternehmen Ubiq zur Unzeit. Erst Ende des Jahres war das Geschäftsmodell adaptiert worden, im Februar die Umbenennung von Parkbob auf Ubiq erfolgt. Was mit der digitalen Erfassung von freien Parkplätzen begann, soll tiefer in der Wertschöpfungskette der Mobilitätsdienstleister – Auto-, Moped- und Scooter-Vermieter – verankert werden. CEO Christian Adelsberger erklärt das Modell: „Unser Asset sind die Daten, die wir mit der Kartierung von 65 Städten gewonnen haben. Wir sagen den Dienstleistern auf dieser Basis, wo sie ihre Fahrzeuge am besten abstellen, damit sie möglichst schnell wieder ausgeliehen werden.“

Vier Carsharing-Firmen in Europa, den USA und Südamerika, hat Ubiq in den letzten Monaten als Neukunden gewonnen, mit Corona war die Nachfrage nach urbaner Mobilität aber über Nacht zum Erliegen gekommen. Adelsberger: „Wenn die Menschen zuhause sein müssen und auch dort arbeiten, werden Leihautos oder Taxis kaum nachgefragt.“ Das Geschäft brach aber nicht bloß in einem Markt – Ubiq ist in sieben Ländern aktiv - sondern weltweit ein. Ubiq-Kunden weltweit haben ihre Fahrzeugflotten teilweise oder komplett deaktiviert.

K.O.-Schlag und Aufsteh-Hilfe

Adelsberger musste rasch handeln, und koordiniert das 14 Mitarbeiter starke Team wie so viele Unternehmer derzeit aus dem Home Office: „Wir haben kostenseitig alles runtergesetzt was nicht absolut essenziell war. Eine der schwierigsten Entscheidungen war, wie wir mit dem Team vorgehen, weil die Unsicherheit so groß ist. Noch haben wir niemanden entlassen müssen. Für einen Teil haben wir Kurzarbeit beantragt.“ Die Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft findet Adelsberger „breit und gut“, und begrüßt, dass die Regierung nun auch ein eigenes Paket für Start-ups beschlossen hat: „Wir haben keine Kredite laufen, bei uns steckt Eigenkapital drin.“ Und jeder Tag ohne nennenswerte Umsätze geht an die Substanz.

Den ersten Tiefschlag hat Ubiq verdaut und aus der Not in wenigen Tagen direkt ein neues Dienstleistungsangebot entwickelt. Ubiq bietet den Vermietern der Fahrzeuge die Desinfektion der Fahrzeuge als Service an. Adelsberger: „Carsharing-Kunden nehmen die Fahrzeuge nach wie vor in Anspruch, jetzt vor allem für den großen Wocheneinkauf, und wollen natürlich ein desinfiziertes Fahrzeug.“ Wurde ein Fahrzeug abgestellt, wird es automatisch geblockt, von Ubiq desinfiziert und erst dann wieder freigegeben. Wie kommt Adelsberger an die Reinigungskräfte? „Das ist kein Problem, leider. Wir merken, dass viele Menschen ihre Arbeit verloren haben. Das ist ein begehrter Job.“ Adelsberger rechnet damit, dass er diesen Dienst in den kommenden ein, zwei Jahren anbieten wird und das für Umsatz sorgt. „Corona-freie Fahrzeuge vermieten sich auch schneller“, weiß Adelsberger durch die Datenauswertung.

Noch kocht das Ubiq-Geschäft auf kleiner Flamme und liegt bei rund „40 Prozent des Vorkrisengeschäfts“, sagt Adelsberger. Mit dem Deinfektionsdienst hat Adelsberger eine neue Perspektive eröffnet. „Wir helfen unseren Kunden, gestärkt aus der Krise heraus zugehen. Aber es ist ein tägliches Anpassen und Optimieren. Für viele Mobilitätsdienstleister geht es ums blanke Überleben und als Zulieferer sind wir natürlich unmittelbar betroffen“, sagt Adelsberger, der sorgenvoll auf die kommenden Monate blickt.

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