Studie: Österreichs Forschung kommt kaum in der Wirtschaft an

Studie: Österreichs Forschung kommt kaum in der Wirtschaft an

Laut einer umfassenden aktuellen Studie investiert Österreich zwar viel in Forschung und Entwicklung, die Ergebnisse werden aber zu selten wirtschaftlich genutzt - vor allem bei Start-ups wird viel Potenzial verschenkt.

"Österreich tut sich sichtlich schwer damit, seine Stärken im Bereich Forschung und Entwicklung sowie in der Hochschulbildung für die Wirtschaft zu nutzen“, sagt Kai Engel, Partner bei A.T. Kearney, über das Abschneiden Österreichs im globalen Innovationsindexes (GII) 2016, den das Unternehmen gemeinsam mit dem Innovationsberater IMP3rove Academy und anderen Partnern erstellt hat. Der Index gilt als wichtiges Instrument, um die Innovationsfähigkeit von Ländern zu messen und beruht auf 82 Indikatoren für 128 Länder, die weit über herkömmliche Innovationsmessungen, wie etwa den Stand von Forschung und Entwicklung, hinausgehen. China steigt im GII 2016 in die Riege der 25 innovativsten Volkswirtschaften der Welt auf. Angeführt wird das Ranking von der Schweiz, Schweden, Großbritannien, USA, Finnland und Singapur. Deutschland steigt in diesem Jahr in die ersten zehn auf. Österreich dagegen ist um weitere zwei Plätze auf Rang 20 abgestiegen.

Schlechte Werte bei der Einfachheit, eine Firma zu gründen, ein kompliziertes Steuersystem und geringe Marktkapitalisierung prägen die österreichische Innovationslandschaft negativ und werfen somit die dringende Frage auf: Verpasst Österreich den Ausbau eines Start-up und Scale-up-Ökosystems? Österreichs Stärken liegen bei Forschung und Entwicklung, in welche drei Prozent seines Bruttosozialprodukts investiert werden - hier schafft es das Land weltweit sogar auf den 7. Platz. Bei der Hochschulbildung wurde sogar der zweite Platz erreicht. Und beim Forschungsnachwuchs in der Privatwirtschaft reiht sich Österreich ebenfalls unter die Top 10. Schlechte Noten erhält das Land dagegen bei der Dichte junger Unternehmen (Platz 81) und der Leichtigkeit, ein Unternehmen zu gründen (Platz 80). Gleichermaßen unterdurchschnittlich: Nur Rang 80 beim Thema Investment.

Rahmenbedingungen müssen verbessert werden

Österreich hat sein Start-up System schon toll entwickelt, besonders in Wien, müsse aber dringend die Rahmenbedingungen für Start-ups und junge Unternehmen weiter verbessern, sagt Martin Ruppert, Geschäftsführer von IMP3rove Academy. Denn von hier kämen die Innovationen, die heute und in Zukunft die Märkte in Atem hielten. Dabei beruft sich Ruppert unter anderem auf eine Umfrage, die das Team für den Global Innovation Index mit mehr als 100 internationalen Führungskräften durchgeführt hat: „6 von 10 Führungskräften sehen innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Fünftel ihres Umsatzes durch disruptive Innovation bedroht“.

Um diese Bedrohung in Potential zu verwandeln brauche es Innovationspartnerschaften zwischen unterschiedlichsten Akteuren, globale und divers zusammen gestellte Innovationsnetzwerke mit Start-ups und jungen Unternehmen und natürlich Kapital, Spontaneität und Schnelligkeit bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, so Ruppert.

Mehr Kooperationen

70 Prozent der Führungskräfte erwarten der Umfrage zufolge, dass ihre Innovationsaktivitäten bis 2020 globaler werden. Sie rechnen bis 2020 mit Auswirkungen auf ihr Geschäft: 78 Prozent durch die Einbindung von Kunden, 67 Prozent durch Partnerschaften mit Start-ups und 45 Prozent durch Kooperationen mit Forschungs- und akademischen Einrichtungen. Dadurch wird auch der Innovationsprozess komplexer: Verschiedene Kulturen, Hintergründe und Ziele müssen in Einklang gebracht werden – ein hoher Anspruch für jedes Unternehmen. Und so schätzen 57 Prozent der Firmen ihre internen Ressourcen und Fähigkeiten, einen internationalen Innovationsprozess zu steuern, als sehr schwach, schwach oder nur mittelmäßig ein.

„Die wachsende Transparenz gegenüber möglichen internationalen Innovationspartnern stellt viele Unternehmen vor die Qual der Wahl", sagt Ruppert: "Unternehmen können inzwischen die Innovationskraft möglicher Partner messen und mit Hilfe globaler Datenbanken international vergleichen, um fundiertere Entscheidungen zu treffen.“ Österreich muss sich in dieser Situation entscheiden, ob es bei den führenden Innovationsländern mitspielen will oder nur ein guter Forschungs- und Ausbildungsstandort bleiben will, von dem die Privatwirtschaft nicht profitiert.

Laut Christian Schuh, Partner bei A.T Kearney Österreich, hat Österreich das Thema aber inzwischen auch für sich erkannt: "Das als ‚Start-up-Paket‘ bekannte Programm zielt auf ein paar wesentliche Punkte ab. Neue Lohnnebenkosten, Förderungen für Risikokapitalgeber, eine neue Rechtsform oder einfachere Gründungen aus der universitären Forschung heraus – es bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen Österreich helfen, schneller, kollaborativer und mutiger zu werden.“

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