Startup: Wo will ich meine Company gründen

Startup: Wo will ich meine Company gründen

Startup - aber wo, wenn das wie und die Idee bereits fixiert ist?

Ideen alleine reichen für die Gründung einer Startup-Company nicht. Vielmehr gibt es noch drei weitere gewichtige Gründe. Das Schicksal von Startup-Unternehmern, sollten sie mit Digitalisierung, Internet oder Hightech zu tun haben, ist aber auch nicht alleine vom Geld abhängig.

Startup-Unternehmer zieht es vor allem in die Weltmetropolen, sollten sie sich nicht schon in den USA im Silicon Valley niedergelassen haben. Doch seit gut einem Jahrzehnt entsteht auch in "Old Europe" eine Startup-Community, die sich auf verschiedene Städte verteilt mittlerweile versuchen den Rang abzulaufen. Eines vorab: Die hierzulande zum Teil viel geschmähte Bundeshauptstadt Wien schneidet passabel ab, hält im Ranking immerhin Rang 10 von insgesamt 30 Städten Europas.

Was aber kein Grund zum Ausruhen bedeutet. Auch andere Städte in Europa sind auf den Geschmack gekommen, junge Hightech- oder Internetcompanys zu fördern. Das aufstrebende Lissabon ist in den vergangenen zwei Jahren fast wie aus dem Nichts in den Olymp der Startup-Metropolen aufgestiegen, was selbst die im Gründerumfeld für Überraschung sorgte.

Gemessen an dem Umstand, dass Portugal nach der Finanzkrise 2008 so gut wie Pleite war, darf die Hauptstadt Lissabon ungeachtet der damals prekären Lage des Landes, sich heute als die aufstrebende Startup-City Europas nennen.

Doch was sind die wesentlichsten Entscheidungskriterien für die Gründer von Internet- und Hightech-Company für die Standortwahl?

Die Vier Weisheiten

Ideen und Geld sind nicht alles. Zumindest sehen das Startup-Gründer so. Talente und das Eco-System sind für die Gründer wichtigere Eckpunkte bei der Firmengründung. Das geht aus dem jüngsten Report von ESI (European Start-up Initiative) hervor. Befragt wurden via Online-Umfrage 700 Gründer im Zeitraum November 2015 bis April 2016. Die teilnehmenden Startup-Gründer konnten bei der Umfrage bis zu 5 Stimmen abgeben. Abgegeben wurden insgesamt 2392 Stimmen. Beurteilt wurden insgesamt 30 Städte Europas, in denen es eine Startup-Szene gibt.

"Wo würden Sie Ihr Startup gründen, wenn sie es nochmals beginnen würden?", lautete die Schlüsselfrage. Berlin und München waren mit 15 bzw. 14 Prozent der Stimmen fast auf Augenhöhe. Rang drei hatte Amsterdam, das rund zehn Prozent der Stimmen bekommen hatte.

Barcelona (7 Prozent), Lissabon (5 Prozent) folgten auf Rang vier und fünf. Gleichauf mit vier Prozent der Stimmen rangieren Dublin, Stockholm und München auf den Rängen 6 bis 8. Kopenhagen auf Rang 9 ist nach der Zahl der Stimmen zwar gleichauf mit Wien, das auf Rang 10 kommt.

Österreichs Bundeshauptstadt schneidet in der Rangliste besser ab als zu erwarten war. Rang 13 wurde Wien laut ESI-Report bestenfalls zugetraut (siehe auch Grafik, u.)

Wie stark die Gründer nach Berlin und London blicken ist auch abzulesen an der Zahl der abgegebenen Stimmen für beide Städte: 29 Prozent aller Stimmen der ESI-Umfrage entfielen auf die beiden Städte.

Der Standort Wien - eine kleine Überraschung: Besser als Startup-Gründer erwartet haben.

Die Nummer 1 in Europa bleibt demnach weiterhin Berlin, vor London und Amsterdam und Barcelona. Auf Rang fünf liegt dann bereits Lissabon.

Die Stadt an Flußmündung des Tejos am Atlantik schien zuletzt für sehr viele Startup-Gründer der geeignete Standort, wo die vier Kriterien Talent, Ecosystem, Kosten und Kapital offenbar zusammenpassen. Allerdings: Bei Gründung von Hightech-Startup hat Lissabon eingebüßt und scheint derzeit nicht das Eldorado zu sein.

"Arm, aber sexy"

Hat London noch immer den Nimbus, als Finanzmetropole Nummer 1 noch immer - trotz - Brexit - direkte Zugänge zu Geldgebern zu ermöglichen, so punktet Berlin noch immer unter anderem vom Ruf und dem Umfeld. "Berlin ist arm, aber sexy", ein Spruch des Berliner Ex-Bürgermeisters Klaus Wowereit aus dem Jahr 2003, dürfte auch heute noch gültig haben. Berlin hatte unter seiner Regentschaft die Voraussetzungen als Standort für Startups geschaffen, so dass die deutsche Hauptstadt in den vergangen 15 Jahren sich als Startup-Mekka Europas etablieren konnte. Und die Stadt an der Spree und Havel liegt weiterhin an der Spitze.

Dass das Geld nicht das Wichtigste ist bescheinigen die Teilnehmer der Befragung: Für 71 Prozent der Gründer sind Talente (also Know-How), das etwa durch junge Absolventen von Hochschulen reichlich und vor allem ohne große Komplikationen zur Verfügung gestellt wird, sowie das Eco-System für 69 Prozent von größerer Bedeutung. Die beiden Gründe wiegen für die Gründer interessanterweise mehr als die Aussicht auf üppige Finanzausstattung (44 Prozent) durch eine entwickelte Kapitalgeberszene und die Kostenstruktur am Standort (51 Prozent).

Die Talente der Startup-Szene gelten außerdem als "hyper-mobil". Jeder fünfte Gründer (23 Prozent der Befragten) startet im Ausland sein Business.

Wichtig ist für die Gründer auch die klare Differenzierung der Startup-Hotspots: Dabei handelt es sich hauptsächlich um eine Differenzierung der Szene in Hightech und Internet-Startups.

Doch Spitzenplätze sind nicht für die Ewigkeit, vor allem wenn die Konkurrenz nachlegt. Das im Kostenvergleich wesentlich teure London ist weiterhin der stärkste Widersacher - aufgrund der Viehzahl sprießender Geldquellen und Investoren für Startups. Aber die Konkurrenz rund um Berlin avanciert ebenso zu ernsthaften Konkurrenten. Stockholm, Mailand, Dublin, Kopenhagen, München, Wien und Manchester gelten laut ESI-Report zu den Top-Herausforderern. Verloren hat übrigens Italien. Ein Drittel der Startups samt Mitarbeiter wandern ab von der Apennin-Halbinsel ins übrige Europa. Ähnlich ach die Situation Zentral- und Osteuropa (CEE), wo es auch zu wneiger Neugründungen gekommen ist.

Und dennoch hat Wien noch Nachholbedarf. Die führende Rolle als Startup-Hub für Zentral- und Osteuropa (CEE) hat Wien noch nicht inne. Schwächen hat der Standort Wien auch bei der Versorgung mit Kapital und Talenten für die Startup-Community. Hingegen glänzt Wien laut ESI-Report mit einer "starken Position" bei Hightech. Ernsthafte Mitstreiter um die Führungsrolle in CEE sind Warschau, Prag und München.

Die European Startup Initiative (ESI) wurde im Jahr 2002 gegründet. Sie ist eine Non-Profit Organisation, bei der Freiwillige mitarbeiten. ESI wird unterstützt von der Allianz Cultural Foundation.

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