Start-ups: Die 4 besten Tipps für den Weg in die Selbstständigkeit

Die Start-up-Szene in Österreich boomt: Innerhalb von 20 Jahren hat sich die Zahl der Neugründungen mehr als verdoppelt, im Jahr 2015 gab es fast 40.000 Neugründungen. Doch eine Statistik zeigt auch, dass jedes dritte Start-up scheitert. Der Weg in die Selbstständigkeit ist lang und steinig und vieles kann dabei schief gehen. Nach zwei Jahren ist das Risiko einer Pleite am größten. Doch wer ein paar Tipps beachtet, kann mit seinem Start-up erfolgreich durchstarten.

Start-ups: Die 4 besten Tipps für den Weg in die Selbstständigkeit

Eine eigene Geschäftsidee reicht nicht aus: Beim Weg in die Selbstständigkeit gibt es einige Punkte zu beachten.

1. GELASSENHEIT

Entspannt mit der neuen Verantwortung umgehen

Sein eigener Chef sein, viel Geld verdienen und eigene Ideen entwickeln: Viele Menschen träumen davon, sich selbstständig zu machen. Was sie dabei oft vergessen ist jedoch, beide Seiten der Medaille zu betrachten. Denn es gibt auch Schattenseiten des Unternehmertums. So ist gerade die Anfangszeit einer Gründung mit viel Arbeit und hohen Risiken verbunden. Nicht umsonst gibt es auch die Redewendung, dass Selbstständige selbst und ständig arbeiten. Selbst, wer sein eigener Chef ist, kann nicht alle Aufgaben delegieren. Besonders am Anfang fehlt dafür einfach das Budget. Der Weg in die Selbstständigkeit bedeutet also harte Arbeit und eine Menge Stress. Diese Tatsache muss jungen Neugründern bewusst sein. Teilweise ist der Umgang mit dem Stress einer Unternehmensgründung eine Typsache: Manche Menschen sind eher dafür geschaffen als andere, ihr eigener Chef zu sein, Verantwortung zu übernehmen und auch mal stressige Zeiten zu überwinden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass stressanfälligere Menschen die Finger von der Selbstständigkeit lassen sollten. Denn den Umgang mit Stress kann jeder erlernen. Wichtig ist dabei, dass Stress und Stressbekämpfung in der Waage gehalten werden: In einem ersten Schritt sollten Junggründer versuchen, den Stress zu verhindern, bevor er entsteht, indem sie beispielsweise Termindruck oder Arbeitsbelastungen reduzieren. Gerade zur Anfangszeit einer Selbstständigkeit lässt sich Stress jedoch kaum vermeiden. In diesem Fall gilt es, Techniken zur Stressbewältigung zu finden, um wieder eine Balance zwischen Stressoren und Entspannung herzustellen. Ob das durch Entspannungstechniken wie Qigong, Yoga oder Autogenes Training, durch Wellness-Einheiten wie Saunagänge, Massagen oder ein schönes Schaumbad, oder doch eher durch ablenkende Hobbys wie Sport passieren soll, kann jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig ist nur eine angemessene Work-Life-Balance. Genauso wie während der Arbeitszeit Privates tabu sein sollte, so sollten auch im Privatleben keine beruflichen Angelegenheiten erledigt werden. Selbst Leute, die sich selbstständig machen wollen, sollten sich also Ruheinseln schaffen, in denen das eigene Start-up in den Hintergrund tritt.

2. FINANZIERUNG

Möglichkeiten, um die eigene Geschäftsidee zu finanzieren


Beim Crowdfunding investieren potentielle Kunden über eine Internetplattform einen kleinen Betrag in die Geschäftsidee des Start-ups.

Ein Start-up braucht Geld. Nur so kann die eigene Geschäfts- oder Produktidee vom Papier auf den Markt gelangen. Denn Produktentwicklung, Marketingmaßnahmen, Räumlichkeiten, Personal, Material und Maschinen verschlingen eine Menge Geld. Junggründer haben zumeist jedoch nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung. Doch wie kommen Start-ups an das Kapital, um den Ausbau ihres Unternehmens voran zu treiben, wenn ihnen die Kontakte fehlen und Banken mit Krediten vorsichtig sind? Hier stehen Start-ups mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.

  • Crowdfunding: Bei dieser noch recht neuen Finanzierungsform wird über eine Internetplattform Geld von der Masse der Internetnutzer gesammelt. Diese Finanzierungsform dient also auch als Garantie, da nur potenzielle Kunden in die Idee investieren würden. So wird das Produkt bereits auf seine Akzeptanz auf dem Markt getestet. Der Nachteil: Crowdfunding ist sehr zeit- und kostenintensiv und sollte daher erst nach der Early-Startup-Stage als Finanzierungsform gewählt werden.
  • Crowdinvesting: Auch dieses noch neue Finanzierungsmodell boomt. Hier sind die privaten Anleger selbst am Unternehmen beteiligt, indem sie mit geringem Kapitaleinsatz Anteile an diesem kaufen. Aufgrund der hohen Anzahl an Investoren kommen trotzdem Summen in Millionenhöhe zusammen.
  • Peer-to-Peer-Lending: Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich von anderen, erfahreneren Unternehmern Geld zu leihen und deren Knowhow in punkto Strategie und Networking zu nutzen. Aufgrund des hohen Risikos müssen die Gründer jedoch auch einige Kontrollrechte an die Venture-Capital-Gesellschaften abgeben.
  • Business Angels: Business Angels beteiligen sich durch den Erwerb von Unternehmensanteilen an Start-ups, investieren jedoch oft bereits dann, wenn diese noch in den Kinderschuhen stecken oder wenn bisher nur eine Vision besteht. Kontrollrechte müssen Start-ups jedoch nicht abgeben.
  • Förderungen: In der Gründungsphase können auch Förderungen, etwa durch die Wirtschaftsagentur Wien oder die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, hilfreich sein.
  • Contests: Auch Wettbewerbe, bei denen Start-ups in einem Pitch ihre Idee präsentieren, können dazu beitragen, dass Investoren Geld in die Geschäftsidee stecken möchten. Fernsehsendungen wie „2 Minuten, 2 Millionen“ eignen sich hervorragend, um Investoren von der eigenen Idee zu überzeugen.
    Events und Messen, aber auch kreative Formen wie die Contests oder Business-Speed-Dating und Business Angel Matching können den Start-ups dabei helfen, Investoren an Land zu ziehen.

3. RECHTSFORM UND STEUERN

Bei der Steuererklärung Geld sparen


Bei der Steuererklärung kann je nach gewählter Rechtsform viel Geld gespart werden.

Ist erst einmal Kapital für die Umsetzung der Geschäftsidee vorhanden, müssen sich die Junggründer jedoch bereits wieder Gedanken um Ausgaben machen. Gerade aus steuerlicher Sicht gibt es einige Kosten zu stemmen. Doch wer sich geschickt anstellt, kann bei der Steuererklärung Geld sparen. So ist beispielsweise je nach gewählter Rechtsform mit unterschiedlichen Steuern zu rechnen, da in Österreich keine einheitliche Unternehmensbesteuerung besteht.

  • GmbH: Hier fallen sowohl eine Körperschaftsteuer (KöSt) als auch eine Kapitalertragssteuer (KESt) an. Im Fall einer Gewinnausschüttung beträgt die Steuerbelastung bei einer GmbH 43,75 Prozent, ansonsten liegt sie bei 25 Prozent. Ein Vorteil: Die Gesellschaftssteuer, die früher für die Gründung einer GmbH vom eingezahlten Kapital abzuführen war, wurde am 1. Jänner 2016 abgeschafft.
  • Einzelunternehmen (EU) und Personengesellschaften (PG): Die Einkommensteuer von EU und PG liegt je nach Höhe des Gewinns bei bis zu 50 Prozent. Tipp: Durch die Ausnutzung des Gewinnfreibetrags kann die Steuerbelastung reduziert werden.
    Doch was müssen Selbstständige sonst noch beachten? Wissenswert ist zum Beispiel, dass Betriebsausgaben und Vorsteuern bis zu einem Vorjahresumsatz von 220.000 Euro ohne Nachweis pauschal abgesetzt werden können. Dabei können zwölf Prozent des Umsatzes als Betriebsausgaben und 1,8 Prozent als Vorsteuern geltend gemacht werden.

Nicht nur die Abschaffung der Gesellschaftssteuer war eine Neuerung des Jahres 2016. Gleichzeitig wurde auch die Forschungsprämie für Forschungsaufwendungen aus eigenbetrieblicher Forschung auf zwölf Prozent erhöht. Darüber hinaus kam es zur Erhöhung der steuerlichen Begünstigung bei Mitarbeiterbeteiligungen – und zwar von 1.460 Euro auf 3.000 Euro. Zudem sind seit 2016 die Anschaffungskosten von Elektroautos im Gegensatz zu anderen Autos vorsteuerabzugsberechtigt – eine wissenswerte Information, falls die Junggründer über die Anschaffung eines Firmenwagens nachdenken. Der volle Vorsteuerabzug gilt demnach bei einem Preis des Elektroautos von bis zu 40.000 Euro netto.

4. NETWORKING UND AUSSENDARSTELLUNG

Den Erfolg durch Kontakte voranbringen


Start-ups können sich potentiellen Kunden präsentieren – ob auf der Messe selbst oder bei begleitenden Networking-Events.

Geschäftskontakte sind sehr relevant, um das Start-up voran zu bringen. Daher ist es sehr wichtig, dass sich Junggründer ein Netzwerk aufbauen. Helfen können dabei je nach gewählter Finanzierungsform auch die Investoren. Doch auch bestimmte Events und Messen können hier sinnvoll sein. So können die Start-ups Messeauftritte nutzen, um für sich, ihre Geschäftsidee und das Produkt oder die Dienstleistung Werbung zu machen. Dadurch steigern sie ihren Bekanntheitsgrad und haben die Möglichkeit, neue Kunden an Land zu ziehen. Es gibt auch spezielle Messen für Neugründer, auf denen sich die jungen Unternehmen vorstellen können. Für die Neukundenakquise sollte auch im Businessplan ein genaues Konzept festgelegt werden: So haben die Start-ups zahlreiche Möglichkeiten, sich bekannter zu machen und den Erfolg bei der Neukundenakquise zu steigern. Von Suchmaschinenoptimierung über E-Mail-Marketing und Social-Media bis hin zu Online-PR, gerade das Internet nimmt inzwischen eine große Rolle beim Knüpfen von Kontakten und beim Steigern der Bekanntheit ein.

Ohnehin ist eine professionelle Außendarstellung gerade in der Startphase das A und O. Das Start-up solle seinem Unternehmen ein Gesicht geben, sich mit einem interessanten Corporate Design unverwechselbar machen und von anderen Unternehmen abheben. So sollten die von Investoren erhaltenen finanziellen Mittel auch für gezielte Marketing-Maßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden. Der Webauftritt etwa ist für den ersten Eindruck, den Kunden oder Geschäftspartner vom Start-up haben, unabdingbar.


FAZIT

Die Start-up-Szene Österreichs boomt. Im Hinblick darauf, dass jedoch eine Großzahl an Start-ups nach nur wenigen Jahren scheitert, ist es wichtig, dass sich Junggründer auf dem langen Weg zum Erfolg nicht entmutigen lassen. So sollten sie versuchen, stets für einen Ausgleich zur stressigen Gründung zu sorgen. Auf diese Weise gelingen auch wichtige Aufgaben wie die Suche nach Investoren oder das Networking leichter. Wichtig ist auch die Wahl der Rechtsform. Diese beeinflusst nicht nur die steuerliche Belastung des Start-ups, sondern hat auch Auswirkungen auf Aspekte, wie das benötigte Startkapital sowie die Haftung der einzelnen Gründer.

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