Blockpit für Krypto-Nutzer- Der neue Liebling vom Finanzamt

Blockpit für Krypto-Nutzer- Der neue Liebling vom Finanzamt

Über die Blockpit-Plattform können Portfolios bequem verwaltet werden.

Das Linzer Start-up Blockpit leistet Pionierarbeit für saubere Kryptoveranlagung. Und will Krypto-Nutzer aus steuerliche Grauzonen herausführen.

Was tun mit dem von den Eltern aufgebauten Bausparer? Für Florian Wimmer war klar: kündigen und in Bitcoin investieren. „Ich habe die Hälfte meines Vermögens in Bitcoin investiert“, erzählt der heute 29-jährige CEO und Mitgründer von Blockpit. „Ich hatte damals nicht viel und nichts zu verlieren. Im Laufe der Zeit habe ich dann auf 25 verschiedenen Börsen in aller Welt getradet.“

Den Anstoß zur Gründungsidee von Blockpit gab der Fiskus: Als das Finanzministerium 2017 eine Klarstellung zu Kryptowährungen veröffentlichte, war Wimmer klar, dass er einkommenssteuerpflichtig war. „Ich habe mich selbst angezeigt, nachgezahlt und dann direkt das Geschäftsmodell ausgearbeitet“ – eine Plattform für eine automatisierte Steuererklärung von Krypto-Assets.

Noch 2017 gründete er mit seinen Mitstreitern Mathias Maier, Gerd Karlhuber, Patric Stadlbauer und Gert Weidinger die Firma Blockpit, die mit elf Mitarbeitern im Linzer Start-up-Hub Tabakfabrik residiert. Anfang 2018 ging die Plattform online, und über 5.000 private Nutzer verwalten heute darüber ihre Trades und haben die Gewissheit, dass sie alle gesetzliche Rahmen befolgen und auf Knopfdruck den Input für ihre Steuererklärung bekommen.

Florian Wimmer über Krypto-Assets. „Wirklich firm sind in dieser Steuermaterie sehr wenige.“

Wimmer räumt mit einem gängigen Missverständnis auf: „Viele Krypto-Nutzer glauben noch immer, dass sie sich in einer juristischen Grauzone befinden. Eine falsche Annahme. In zahlreichen Ländern gibt es Richtlinien, und gerade Österreich hat klare Gesetze“, sagt Wimmer. „Wer seine Einkünfte nicht sauber dokumentiert und dem Finanzamt nachweisen kann, läuft Gefahr, dass es bei einer Prüfung zu hohen Strafzahlungen kommt.“

Laut einer Studie der Nationalbank halten immerhin zweieinhalb Prozent, rund 200.000 Österreicher, Krypto-Assets. Wimmer: „Wirklich firm sind in dieser Steuermaterie sehr wenige. Bei einem Wertpapier-Token wird Kapitalertragssteuer fällig, bei Bitcoin Einkommenssteuer. Dazu gibt es eine Reihe von Sonderfällen.“

Den Kryptosteuerguide gibt es gratis zum Download.

Das Schwierigste an der Produktentwicklung ist für die Blockpit-Macher das Erschließen und Einspeisen der neuen Regulierungen. Zwei der fünf Gründer bringen Erfahrung als Steuerberater bei KPMG mit.

KPMG gab der Software auch das Prüfsiegel. Verbindungen gibt es aber auch zu anderen Beratern, so Wimmer: „Wir arbeiten daran, ein europäisches Netzwerk mit internationalen Steuerberatungskanzleien zu etablieren. Mittlerweile haben wir die relevantesten Krypto-Börsen erfasst, und mit Machine-Learning-Algorithmen können wir auch viel automatisieren.“ Legistische Änderungen werden tagesaktuell eingespielt.

Gut investiert

Im Herbst 2019 sicherten sich die Oberösterreicher über einen sogenannten Security Token 2,5 Millionen Euro Kapital von 54 Investoren, darunter bekannte Namen in der Szene wie Markus Ertler oder Niki Futter. Mit knapp zehn Prozent ist auch der European Superangels Club investiert.

Ein Security Token ist nichts anderes als ein Wertpapier, das auf einer Blockchain-Technologie verbrieft wird. Ein Stück Pionierarbeit: „Von der Idee bis zur Freigabe durch die FMA haben wir ein Jahr gebraucht. Die FMA hat uns positiv überrascht. Die Experten dort sind sehr offen und unterstützend für das Thema.“ Verbrieft ist im Falle von Blockpit eine Umsatzbeteiligung. Wimmer ist überzeugt davon, dass sich Security Token als Finanzierungsinstrument für KMU etablieren werden. „Es spart Depotgebühren und Kosten für Mittelsmänner. Das Clearing erfolgt durch den Blockchain-Contract selbst. Wenn es immer mehr Vorlagen gibt, wird so etwas auch nicht mehr 180.000, sondern 10.000 bis 20.000 Euro kosten.“

Blockpit gehört zu den europäischen Pionieren in dem Sektor und hat – anders als in den USA – noch kaum Mitbewerber. Die Österreicher haben ihr Geschäftsmodell mittlerweile stark auf den professionellen Sektor ausgerichtet. Wimmer: "Die Verbraucherlösung bieten wir nach wie vor an. Unsere Stoßrichtung ist aber klar der institutionelle B2B-Bereich." Will heißen: Blockpit lizenziert seine Plattform für Finanzdienstleister, die das Steuerreporting ihren Kunden dann direkt anbieten können. Das mittelfristige Ziel formuliert er so:"Wir wollen bei den großen Börsen und Steuerberatern die Standard-Compliance-Lösung für Krypto-Assets sein."

Optimistisch blickt der Blockpit-CEO blickt auf das Jahr 2020. Mit 10. Jänner wird auch in Österreich die 5. Geldwäsche-Richtlinie der EU umgesetzt und verpflichtet auch die Krypto-Branche zur Meldung an die FMA.



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