Speedinvest bringt neuen 190-Millionen-Euro-Fonds

Der Seed-Financing-Spezialist Speedinvest startet den mit 190 Millionen Euro dotierten Fonds "Speedinvest 3". Der Risikokapitalgeber steigt damit in die europäische Top-Liga der Start-up-Finanzierer auf. Speedinvest-Chef Oliver Holle im Interview.

Speedinvest bringt neuen 190-Millionen-Euro-Fonds

Speedinvest CEO Oliver Holle. Sein Unternehmen gehört nu zu den Top-Früphasen-Finanzierern in Europa.

Der Risikokapitalfonds Speedinvest hat für seinem neuen Flagship-Fonds "Speedinvest 3" 190 Millionen Euro für die Seed-Finanzierung von Start-ups aufgenommen. Mit den Mitteln sollen Unternehmen aus den Bereichen Fintech, Deep Tech, Digitale Marktplätze, Industrie 4.0, Digitale Gesundheit und Consumer Tech finanziert werden.

Für Speedinvest-Gründer und CEO Oliver Holle ist der neue Fonds ein Meilenstein, denn der Investor wird damit zu einem, wenn nicht gar dem größten europäischen Geldgeber im Frühphasen-Bereich. "Wir haben aus Österreich heraus einen der führenden Frühphasen-Investoren geschaffen", sagt Holle dazu stolz. Und Speedinvest hat mit dem neuen Fonds auch eine Größe erreicht, die den Start-up-Finanzierer auch in das Blickfeld aller großen Fonds aus den USA oder Großbritannien rückt. Was letztlich für die Start-ups im Portfoilo des Unternehmens ein besonderer Vorteil ist.

Über das internationale Netzwerk - über 60 Experten arbeiten an strategischen Niederlassungen in London, Berlin, Wien, München, San Francisco und seit kurzem auch in Paris für Speedinvest - ist der Risikokapitalgeber für die heimischen Gründer ein Sprungbrett in die weite Welt. "Wir können ihnen eine globale Bühne bieten. Die kompromisslose Orientierung an den Besten der Besten ist unser Beitrag an die österreichische Start-up Szene. Nur so können wir als Ökosystem wachsen", erklärt Holle.

Internationales Netzwerk

Für Speedinvest arbeiten aktuell über 40 Investmentprofis und mehr als 20 Experten, die Portfolio-Unternehmen mit HR-Services, bei Marketing und Geschäftsentwicklung und über den Standort im Silicon Valley auch bei der Expansion in die USA unterstützen. Zu dem Speedinvest-Portfolio gehören einige der wachstumsstärksten europäischen Technologieunternehmen wie Wefox (235 Millionen Euro), TIER Mobility (55 Millionen Euro) und Corve (50 Millionen Euro) und aufstrebende Start-ups wie Coachhub, TWAICE, Billie, Inkitt und Luko. In Österreich hat Speedinvest unter anderem in Adverity, Tourradar und in Bitmovin investiert.

Erstfinanzierungen werden von 50.000 Euro bis zu 1,5 Millionen Euro vergeben. Aktuell verwaltet Speedinvest ein Vermögen von über 400 Millionen Euro und ist in über 140 Unternehmen investiert.

Speedinvest Investoren

Hauptinvestoren in den neuen Speedinvest 3 Fonds sind der Europäische Investitionsfonds, die Erste Group und der US-Investor NEA, eine der größten Risikokapitalgesellschaften der Welt.

Für Ingo Bleier, den Vorstand Corporate Banking & Markets der Erste Group, ist es "bemerkenswert, dass ein Fonds aus Österreich eine derart starke internationale Relevanz und Reputation aufgebaut und sich zu einem der führenden Technologieinvestoren in Europa entwickelt hat." Die breit gefächerte Kompetenz des Investmentteams ist auch für die Erste Group ein Anknüpfungspunkt, um in die jungen, aufstrebenden Wachstumsunternehmen zu investieren.

Zu den weitere Investoren in den Speedinvest-Fonds gehört auch Maximilian Tayenthal, Co-Founder und CEO der Smartphone-Bank N26. "Ich investiere bei Speedinvest, weil ich beeindruckt bin von der Expertise des Teams in den unterschiedlichen Branchen und der aktiven Mitarbeit in der Frühphase von Start-ups", sagt Tayenthal.

Ebenfalls in Speedinvest investiert die Förderbank der Republik Österreich, aws. Geschäftsführer Bernhard Sagmeister erklärt: "Um wachstumsstarke Start-ups in Österreich zu unterstützen braucht es ausreichend Risikokapital. Speedinvest hat sich hier zu einem wichtigen Player für das heimische Start-up-Ökosystem entwickelt." Für Sagmeister, der Speedinvest bereits von der ersten Stunde an kennt, war es daher auch eine Selbstverständlichkeit, bei dem neuen, dritten Fonds wieder dabei zu sein.


"Wir haben die Spitze erreicht"

VON OLIVER JUDEX

Speedinvest Gründer und CEO Oliver Holle

Speedinvest-CEO Oliver Holle: "Unsere Aufgabe ist es, ein paar wirklich große Scale-ups zu bauen, die Hunderte Jobs schaffen und zu den neuen Leitbetrieben Österreichs werden."

trend: Sie haben es gerade geschafft, 190 Millionen Euro Risikokapital für Start-ups aufzustellen. Wird Speedinvest das nächste Uber finanzieren?
Oliver Holle: Vielleicht haben wir das schon, das weiß man in unserer Branche im Vorhinein nie. Tatsache ist aber, dass wir jetzt bei der Finanzierung von Start-ups in der Frühphase in Europa ganz, ganz vorne mitspielen und die Spitze des europäischen Seed-Ökosystems erreicht haben. Das ist ein echter Gamechanger -auch für österreichische Start-ups.

Mit welchen Folgen?
Wir sind jetzt in der Lage, die Startups unseres Portfolios über die Jahre mit zehn Millionen Euro und mehr auszustatten, es wird also keinen Engpass bei der Finanzierung mehr geben. Das betrifft natürlich nicht nur heimische Gründer, sie machen eine Minderheit - unter 20 Prozent -unseres Portfolios aus. Aber diesen können wir nun noch viel besser eine internationale Bühne bieten. Denn unsere Aufgabe ist es, ein paar wirklich große Scale-ups zu bauen, die ähnlich wie in den USA Hunderte Jobs schaffen und zu neuen Leitbetrieben in Österreich werden.

Zu den Hauptinvestoren zählt New Enterprise Associates (NEA), eines der größten Venture-Capital-Unternehmen (VC) der Welt. Welche Bedeutung hat diese Internationalisierung?
Schon mit unserem vorigen Fonds sind wir in der internationalen VC- Szene angekommen, NEA ist ja auch bereits seit 2015 bei Speedinvest investiert, nun allerdings mit einer deutlich größeren Summe. Inzwischen gibt es für globale Topinvestoren keinen glaubwürdigeren Ansprechpartner als uns, wenn es darum geht, aus einer Hand zwischen London und Moskau herausragende europäische Start-ups zu finden. Immerhin haben wir uns alleine 2019 über 6.500 Startups in ganz Europa angesehen und eine entsprechende Expertise aufgebaut.

Und wo stehen im Vergleich dazu die heimischen Startups?
Einige aus unserem Portfolio, aber auch darüber hinaus, können da durchaus mithalten und haben ein enormes Potenzial, wirklich ganz vorne mitzuspielen. Gleichzeitig ist die Hürde für neue österreichische Beteiligungen mit Speedinvest 3 stark gestiegen, denn wir haben den europäischen Vergleich und werden nur in die absolut Besten investieren. Ich bin aber überzeugt, dass die heimische Gründerszene genau diese internationale Messlatte benötigt, um sich weiterzuentwickeln.

Das Besondere an Speedinvest im Vergleich zu den meisten anderen VCs ist das 60-köpfige Expertenteam, das die Start-ups unterstützt. Rechnet sich das?
Wir haben schon mit unseren bisherigen Fonds bewiesen, dass unser Weg, der weltweit gesehen einzigartig ist, sehr erfolgreich ist. Immerhin konnten wir den Wert unserer Unternehmensbeteiligungen aus dem ersten Fonds mehr als verfünffachen. Aus Österreich heraus 190 Millionen aufstellen, ist sicherlich auch eine Folge unserer Positionierung, nicht nur als weiterer herkömmlicher Venturefonds aufzutreten, sondern den besten Gründern in Berlin, London oder Paris gute Gründe dafür zu geben, ihren weiteren Weg mit uns zu gehen.

Die da wären?
Einerseits unser ganz spezifisches Expertenwissen in sechs konkreten Themenfeldern von Fintech bis Digital Health, das in dieser Form einzigartig ist. Dahinter stehen jeweils mehrköpfige Teams, die sich ausschließlich mit ihren jeweiligen Themen beschäftigen. Andererseits unsere operative Unterstützung beim Recruiting, im Marketing oder beim Markteintritt in die USA. Und das alles mit Büros im Silicon Valley, in London, Berlin, München, Wien und ab sofort auch in Paris.

Welches Potenzial steckt noch in Speedinvest?
Unser Ziel ist es, jedes gute Start-up in Europa zu sehen und auch darin investieren zu können. Wenn es uns gelingt, uns als klare Nummer eins Europas im Frühphasenbereich zu behaupten und die Brücken in die USA, nach Asien und nach Osteuropa auszubauen, dann werden wir auch langfristig große institutionelle Kapitalgeber und internationale Toptalente nach Österreich holen. Das wäre ein Beitrag, der mich glücklich machen würde.

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