Smartphone-Bank N26: Das Facebook der Banken aufbauen

N26 Gründer Valentin Stalf (li) und Maximilian Tayenthal

N26 Gründer Valentin Stalf (li) und Maximilian Tayenthal

Die von den Österreichern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründete Smartphone-Bank N26 mit Zentrale in Berlin eröffnet eine Niederlassung in Wien. Bis zu 300 Produkt- und Software-Entwickler sollen hier an der Weiterentwicklung des Angebots arbeiten.

Für Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal ist es fast ein wenig wie nachhause zurückzukommen. 2013 haben die beiden in Wien ihre Smartphone-Bank N26 aus der Taufe gehoben, ehe sie den Firmensitz nach Berlin verlegten. Sechs Jahre später - das Start-up gilt mittlerweile mit einer Bewertung von 3,5 Milliarden Dollar als eines der zehn wertvollsten Fintech-Unternehmen der Welt und als wertvollstes Start-up Deutschlands - hat N26 nun wieder eine Niederlassung in Österreich eröffnet. "Für uns ist es ein großer Moment, nach Wien zu kommen und hier ein Büro zu eröffnen. Wir haben vor 6 ½ Jahren hier das Business gestartet. Heute hat N26 über 1300 Mitarbeiter aus über 70 Nationen an 5 Standorten weltweit", sagt Gründer und CEO Stalf.

Neben der Zentrale in Berlin, wo über 1.000 der Mitarbeiter beschäftigt sind, gibt es mittlerweile auch Büros in Barcelona, New York und Sao Paolo und nun eben auch in Wien. Hier soll ein Technologie- und Innovationszentrum aufgebaut werden. Bis zu 300 Mitarbeiter werden für den Standort gesucht, denn N26 hat noch große Pläne. Stalf und Tayenthal wollen N26 zum Facebook der Banken machen und sehen sich - zumindest was den Einfluss auf die Medienwelt betrifft - in einer Liga mit dem Social Network oder in anderen Bereichen mit Netflix, Spotify, Uber oder Airbnb - allesamt Unternehmen, die ihre Branchen in den Grundfesten erschüttert haben. "Diese Unternehmen stehen für technologische Entwicklungen, die unsere Gesellschaft nachhaltig verändert haben. Wir haben die große Chance gesehen, das im Banking zu machen", sagt Stalf selbstbewusst.

Smart, mobil und global

Das Smartphone habe es ermöglicht, eine mobile und globale Bank zu gründen - mit einer neuen Technologie und vergleichsweise geringen Kosten. "Vor 20 Jahren hätte eine Bank nicht die Möglichkeit gehabt, ein Konto zum Beispiel auch einfach in Frankreich anzubieten. Da hätte sie vorher noch 20 Millionen in Marketing stecken müssen", sagt Stalf. Nun sei es einfach über einen App-Store möglich, ein einheitliches Angebot in vielen Märkten auszurollen. "Wir haben festgestellt, dass ein Produkt, das in Deutschland funktioniert auch in Frankreich funktioniert. Die Financial Needs, die Bedürfnisse der Kunden, sind in der westlichen Welt überall ziemlich ähnlich", erklärt dazu sein Partner Maximilian Tayenthal.

Das Wiener Büro von N26 im Start-up-Hub weXelerate

Das Wiener Büro von N26 im Start-up-Hub weXelerate

Doch trotz App-Store und vermeintlich geringer Kosten - die Kunden kaufen die Infrastruktur mit ihren Smartphones praktisch selbst - ist der Finanzbedarf des Fintech-Start-ups enorm. Die letzte Finanzierungsrunde - es war bereits die fünfte - hat dem Unternehmen 470 Millionen Dollar eingebracht. Geld, das benötigt wird, um die dringend gesuchten Produkt- und Software-Entwickler zu bezahlen. "Unsere größten Kosten sind aktuell die Opportunitätskosten, weil wir nicht genug Leute einstellen können, um alles was wir vorhaben umzusetzen. In weitere Städte und Länder zu gehen ermöglicht es uns, besser und schneller zu rekrutieren", sagt Tayenthal, der auch in Aussicht stellt, dass es noch weitere Finanzierungsrunden geben wird, um den wachsenden Finanzbedarf des Unternehmens zu sichern.

Money makes the world go 'round

Die Produktentwicklung - als nächstes will man Business-Kunden ins Visier nehmen - kostet Geld. Auch wenn die N26-Gründer nicht alles im eigenen Haus selbst entwickeln wollen, sondern auf Kooperationen mit anderen Fintechs setzen. "Es gibt Start-ups, die sich auf Trading spezialisiert haben, Start-ups, die nur internationale Finanztransfers machen und so weiter. Wir glauben nicht, dass wir als N26 alles selbst machen müssen, sondern sehen uns als Kurator und Hub, um die Angebote wieder zusammenführen", sagt Stalf. Die Dienste könne man über einen Store in der eigenen App anbieten. Am Ende gehe es uns darum, Banking individueller und flexibler anbieten zu können.

Über allem steht die Fantasie des Global Players, die den beiden ehrgeizigen Gründern seit Jahren vorschwebt. Tayenthal: "Wir haben uns sehr bald entschieden, N26 nicht für ein paar Millionen zum Beispiel an die Deutsche Bank zu verkaufen, sondern dass wir eine globale Bank mit 100, 200 Millionen Kunden aufbauen wollen. Wir wollen die Art und Weise, wie Menschen ihre Bankgeschäfte erledigen weltweit verändern."

Und weil für einen solchen Global Player auch an der Börse kaum ein Weg vorbeiführt, wird auch schon laut über einen Börsengang nachgedacht. "Das ist sicher ein Ziel. In drei bis fünf Jahren könnte es so weit sein", sagt Stalf.

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