Skype-Gründer Zennström steigt bei Wiener Start-up Refurbed ein

Skype-Gründer Zennström steigt bei Wiener Start-up Refurbed ein

Runderneuert und aufgemascherlt: Das Refurbed-Gründer-Trio (v.li.) Jürgen Riedl (30), Peter Windischhofer (29) und Kilian Kaminski (28) bekommen eine kräftige Geldspritze.

Niklas Zennström, Gründer von Skype, investiert mit fünf weiteren Investoren über zwei Millionen Euro bei Refurbed. Millionen-Investor ist Inventure Partners. Das auf den Cayman Islands ansässige Schwergewicht ist unter anderem beim Uber-Konkurrent GETT investiert. Vier österreichische Investoren erhöhen ihren Anteile.

Das Wiener Tech-Start-up Refurbed bekommt kaum zwei Jahre nach seiner Gründung eine kräftige Finanzspritze in Höhe von über zwei Millionen Euro. Gleich zwei renommierte Top-Investoren steigen ein. Mit Inventure Partner sowie Atomico von Skype-Gründer Niklas Zennström der Wiener Online-Händler an der Angel von zwei ganz großen Risikokapitalgesellschaften.

Bei weiterhin gutem Wachstum könnte der Geldsegen in den kommenden zwei Jahren noch reicher ausfallen als bisher, wie der Refurbed-Co-Gründer Peter Windischhofer dem trend bestätigt. Refurbed ist ein Online-Handelsplattform, über die neuwertige, runderneuerte Smartphones, Tablet-PC, Laptop und sonstige Elektronikprodukte gehandelt werden. Refurbed bietet seine Dienste derzeit in Österreich, Deutschland, Polen und Italien an. Rund 30.000 Kunden hat das Unternehmen eigenen Angaben seit Unternehmensstart gewonnen.

Das Venture Capital Unternehmen Inventure Partners von Sergey Azatyan investiert alleine rund 1,4 Millionen Euro. Damit erwirbt Azatyan über sein Investmentvehikel Space Investment Limited mit Steuerparadies Sitz Cayman Island 16,1 Prozent der Refurbed-Geschäftsanteile. Inventure Partners ist in über 40 Start-ups, unter anderem beim Uber-Konkurrenten GETT sowie dem größten Uhren-Internethändler Chronext, investiert.

Der Milliarden schwere Venture-Capital-Fonds Atomico des Skype-Gründer Niklas Zennström aus Schweden investiert fast bescheiden anmutende rund 100.000 Euro. Zennströms Atomico ist mit seiner Tochter Hamble Angel Programme I mit Sitz in den USA künftig mit 0,36 Prozent nun an Refurbed beteiligt.

Die vier bisher bereits investierten österreichischen Anteilhaber Klaus Hofbauer (HOKL Ventures GmbH), Speedinvest, Startup300 und Johannes Cech (JCCI) legen ebenfalls nach. Sie bringen in der aktuellen Finanzierungsrunde insgesamt einem Volumen von rund 600.000 Euro ein(siehe neue Anteile, Grafik unten) .

Österreich und die Kleinheit

"Für uns sind die Investments von Inventure sowie Atomico ein Glücksfall", sagt Refurbed-CEO Windischhofer. Zennströms Atomico zählt mit gut 100 Beteiligungen an Start-ups zu den Top-Investoren der Geldgeber in der Gründerszene. "Wir sind eigentlich für eine typisches Investment für Atomico noch zu klein", sagt Windischhofer. "Die Investments von Atomico haben üblicherweise weit höhere Dimensionen, aber immerhin, die Leute glauben an uns und unser Geschäftsmodell." Atomico habe bereits signalisiert bei entsprechend Wachstum bei einer der nächsten Finanzierungsrunden kräftig nachzulegen. "Wichtig ist, dass wir weiterhin ein vernünftiges Wachstum haben und die Verluste auf relativ normalem Niveau bleiben." Derzeit schreibt Refurbed noch Verluste. "Den Break-Even wollen wir in den kommenden zwei bis fünf Jahren erreichen", sagt Windischhofer.

Bereits im Oktober 2017 war das Unternehmen in einer ersten Finanzierungsrunde erfolgreich. In der Start-up-Show "2 Minuten 2 Millionen" des österreichischen TV-Senders Puls4 konnte das Unternehmen erstmals reüssieren. Mit 500.000 Euro war damals Michael Altrichter eingestiegen. Nochmals 600.000 Euro hätte das Unternehmen bekommen können. Allerdings nicht in bar. Daniel Zech von Seven Ventures wollte ein Medienvolumen für Werbeschaltung spendieren, im Gegenzug dafür 12 Prozent der Anteile. Doch die Refurbed-Männer lehnten ab. "Wir brauchten das Geld fürs Wachstum, TV-Werbung war für uns 2017 kein Thema", sagt der Start-up-Unternehmer.

Die Gründer Peter Windischhofer und Kilian Kaminski (jeweils 23,5 Prozent) und Jürgen Riedl (17,84) halten derzeit rund 64,9 Prozent der Anteile.

Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Mitarbeiter von drei auf 30 erhöht. Der Umsatz wurde ebenso auf das Zehnfache gesteigert. Wie viel Umsatz das Unternehmen im Jahr 2018 erzielt hat, wollte der Refurbed-Chef nicht sagen. "Für das Jahr 2019 haben wir einen mittleren, einstelligen Millionenumsatz geplant", sagt Windischhofer. Das Unternehmen unterhält derzeit seine Handelsplattform in Österreich, Deutschland, Polen und Italien. Bis Jahresende sollen weitere zehn Mitarbeiter beschäftigt werden.

Refurbed ist als Vermittler der sogenannten "refurbished" Geräte zwischen dem Händler und dem Endkunden tätig. "Wir überprüfen die Händler, ob sie den hohen Anforderungen von Qualität, Sicherheit und Garantie entsprechen. Rund 50 Händler können derzeit über die Handelsplattform von Refurbed ihre Produkte zum Kauf anbieten. Bis Ende 2019 will das Unternehmen rund 100 Händler auf seine Plattform bringen. Das Wachstum der Konsumenten, aber auch das Interesse der Händler sei sehr groß.


Eine Idee in den Schoß gefallen


Die Idee. Die Geschäftsidee war Peter Windischhofer einst selbst aus der Not in den Schoß gefallen. Er hatte ein iPhone auf einem Portal für Gebrauchtwaren gekauft. Wenige Wochen danach hatte das Gerät seinen Geist aufgegeben. Garantie und Gewährleistung waren verstrichen. Kilian Kaminski hatte bei Amazon bereits das Refurbished-Business kennen gelernt. Und Software-Experte Riedl hat die technologische Erfahrung aus mehreren Start-ups mitgebracht. So wurde aus einer Idee von den drei Gründern im Jahr 2017 ein Geschäftsmodell gegossen: eine Plattform für erneuerte und qualitativ hochwertige Produkte, mit einheitlichen, hohen Standards für Qualität, Sicherheit und Garantie. Dem Konsumenten sollte so einfach und ohne Risiko ermöglicht werden nachhaltige Geräte zu kaufen.

Der Background. Der aus Oberösterreich stammende Windischhofer war vor dem Start ins Unternehmertum rund drei Jahre beim Beratungsunternehmen McKinsey. Davor studierte der Oberösterreicher Betriebswirtschaft in Wien, Shanghai und San Francisco. Kilian Kaminski kommt aus Hamburg und hatte ebenso BWL studiert. Nach dem Studium in Hamburg, Shanghai und London heuerte er bei Amazon Deutschland an, wo er das Refurbished-Geschäft aus dem Effeff mit all seinen Tücken kennengelernt hatte. Windischhofer und Kaminski hatten sich in Shanghai zu Studienzeiten kennengelernt. Und in Wien hat sich der Kreis geschlossen. Die technische Leitzentrale der Company ist Cheftechniker Jürgen Riedl. Der Chef-Softwareengineer aus Niederösterreich hatte nach dem Studium an der TU Wien bereits mehrjährige Erfahrung in Start-up-Unternehmen gesammelt, bis er nun selbst Unternehmer wurde.


"Die Geräte sind wie neu, es sind keine abgenutzten oder gebrauchten Geräte im klassischen Sinne", betont Windischhofer die Qualität gehandelten Produkte. Die Bezeichnung "Second-hand", "Gebrauchte Geräte" oder "runderneute Geräte" hört der Refurbed-Mann nicht gerne, schon alleine der Assoziation wegen. Um Unklarheiten auch rasch zu klären, hat das Start-up für Fragen der Konsumenten eine eigene Gratis-Hotline eingerichtet. "Der Kunde spricht bei uns mit Menschen, nicht mit Bots. Und das ist uns wichtig", sagt der Jungunternehmer.

Das im 6. Wiener Gemeindebezirk ansässige Unternehmen beschäftigt derzeit rund 30 Mitarbeiter. Bis Jahresende soll auf 40 Beschäftigte aufgestockt werden. Derweil werden die vier Portale aus Wien aus gesteuert und serviciert.

Das Start-up wurde beim Green Alley Award 2018 unter die Top 3 der nachhaltigsten Tech-Startups Europas gereiht. Beim sogenannten Slush-Festival 2018, dem größten Startup-Festival der Welt, belegte es den 2. Platz in der Kategorie Climate Impact Battle 2018.

Vorwärts Richtung Norden

Refurbed gilt als eine der am stärksten wachsenden Internetplattformen im deutschsprachigen Raum. Mit der Finanzspritze will das Unternehmen weiter wachsen. Für heuer liegen aber die Schwerpunkte noch immer auf den bereits bearbeiteten Märkte Österreich, Deutschland, Polen und Italien. Das Unternehmen zählt bereits 30.000 Kunden. "Nach Dänemark und Schweden wollen wir expandieren", sagt Windischhofer. Schweden? Ach ja - da war doch noch

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