Das ist Paul, eine Innovation aus Österreich

An den Robotern des Start-ups SIMCharacters kann medizinisches Fachpersonal den Ernstfall üben. Das ist wichtig, sagt CEO Jens-Christian Schwindt: Denn der Großteil der medizinischen Fehler sind nicht auf technische, sondern zwischenmenschliche Probleme im Team zurückzuführen.

Das ist Paul, eine Innovation aus Österreich

Paul hat eine rosafarbene Haut, wiegt etwa 1000 Gramm und sieht recht mager aus. Wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man Paul tatsächlich für ein echtes Baby halten. Doch Paul ist bloß ein Roboter – eine Puppe, vollgestopft mit High-Tech-Sensorik, an der medizinisches Fachpersonal den Umgang mit Frühgeburten üben kann.

Die Idee zu einem eigenen Patientensimulator kam dem Kinderarzt Jens-Christian Schwindt schon 2010, als Geschäftsführer seines Start-ups SIMCharacters hat er gemeinsam mit seinen sieben Mitarbeitern – darunter Ingenieure, die sich mit der Mikroelektronik befassen – nun den Frühgeborenen-Simulator Paul entwickelt. Im Herbst soll die Puppe auf den Markt kommen, inklusive der dazugehörigen Geräte wird der Simulator rund 50.000 Euro kosten – die Zielgruppe sind Simulationszentren, Universitätskliniken und Lehr-Krankenhäuser.

„Auch nicht-technische Skills werden dabei trainiert“, sagt Schwindt: „70 bis 80 Prozent der Fehler in der Medizin lassen sich darauf zurückführen, wie sich das Team verhalten hat und wie es geführt wurde“. Gute Therapien gibt es laut Schwindt bereits – die Frage für die nächsten zehn Jahre sei nun, wie man die Therapien zum Patienten bringt.

Mehr Roboter

Paul ist das erste Produkt aus dem Hause SIMCharacters – falls er am Markt erfolgreich ist, sollen ähnliche Simulatoren folgen. Schwindt denkt dabei etwa an einen Neugeborenen-Simulator, der 2,5 bis 3 Kilogramm wiegt, sowie an Simulatoren für ein- und sechsjährige Kinder. Um vor allem die Kleinkind-Simulatoren so realistisch wie möglich zu gestalten, hat Schwindt auch Experten für Animatronik an Bord.

Das Startkapital für SIMCharcaters setzt sich aus 150.000 Euro PRIZE-Förderung, 225.000 Euro Pre-Seed-Förderung und 600.000 Euro Seed-Finanzierung zusammen, hinzukommen ein Investor und eine universitäre Kooperation. „Wenn man im High-Tech-Bereich gründet, braucht man nach zwei Jahren Investoren“, sagt Michael Hoffmann, Verantwortlicher für Business Development, Finanzen und Internationalisierung bei SIMCharacters: Wichtig dafür sei, dass es einen funktionierenden Eigenkapitalmarkt gibt, also Investments für Business Angels und Risikokapital-Fonds steuerlich attraktiv werden. Denn medizinische Start-ups brauchen zwar länger als zum Beispiel ein App-Entwickler, um ihre Innovation in Umsätze zu verwandeln. „Dafür“, so Hoffmann, „bleiben wir in Österreich und produzieren auch hier.“

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