Senior-Investor Franz Fuchsberger philosophiert über KI

Tricentis-Mitgründer Franz Fuchsberger ist ausgestiegen und beschäftigt sich als Investor mit künstlicher Intelligenz.

Senior-Investor Franz Fuchsberger philosophiert über KI

Für einen Seniorenstudenten sieht er jung aus. Die 49 Jahre sind Franz Fuchsberger so wenig anzusehen wie der berufliche Kraftakt, den er die letzten zehn Jahre absolviert hat. Er baute eines der wenigen österreichischen Unternehmen mit Einhorn-Potenzial auf: Tricentis ist auf automatisierte Softwaretests spezialisiert, wird von der IT-Beratung Gartner als der "Global Leader" eingestuft und setzt mit 700 Mitarbeitern mehr als 100 Millionen Dollar um.

Fuchsberger verfolgt diese Entwicklungen allerdings nur mehr entspannt aus der Beobachterperspektive: 2016 hat er bei einer Series-B-Runde seine Firmenanteile bis auf wenige Prozent abgegeben, 2019 ein neues Leben angefangen. Im vergangenen Dezember freute er sich über den Einser im "kleinen Latinum" als Vorbereitung für sein Philosophiestudium mindestens so sehr wie einst über einen gewonnenen Großkunden. Das Leben "aus dem Koffer und in den Hotels" hat er gegen eines getauscht, "wo ich die Freiheit habe, mir auszusuchen, was ich tu". Ab März wird er nun die Hochschulbank drücken.

Bezüge zum alten Leben wird er auch beim Studium finden, die Technologie will er dort auf der Metaebene streifen: "Wenn die Ethik mit den Entwicklungen der künstlichen Intelligenz nicht mitentwickelt wird, haben wir irgendwann ein Problem. Bis jetzt waren Programmierer noch nie in der Situation, über so etwas wie einen hippokratischen Eid für ihr Tun nachdenken zu müssen."

Bezüge zum alten Leben wird er auch beim Studium finden, die Technologie will er dort auf der Metaebene streifen:"Wenn die Ethik mit den Entwicklungen der künstlichen Intelligenz nicht mitentwickelt wird, haben wir irgendwann ein Problem. Bis jetzt waren Programmierer noch nie in der Situation, über so etwas wie einen hippokratischen Eid für ihr Tun nachdenken zu müssen."

Kleines Portfolio

Tangenten zur Technologiebranche gibt es für den Salzburger auch an anderer Stelle. Einen Teil der Millionen, die er beim Ausstieg bekommen hat, investiert er als Senior-Investor der Grazer eQventure-Gruppe in Start-ups. Damit das alte Leben nicht zu viel vom neuen nimmt, will er sein Portfolio klein halten: "Es müssen B2B-Konzepte sein, die ihr disruptives Potenzial in der Technologie haben sollten." Es wird sich zeigen, ob er sich wirklich zurückhalten kann. Erst vor wenigen Tagen hat er Gründer getroffen, deren Idee er als "hinreißend" bezeichnet. Vielleicht werden ja aus vier Investments bald fünf.

Neben der Bereitstellung von Geld und Kontakten will er seine Gründer auch vor Fehlern bewahren. Eine seiner wichtigsten Lektionen beschreibt er so: "Wer eine Finanzierung aufstellt, sollte nicht zu viel Zeit in die Verhandlungen investieren. Mit einem guten Anwalt die Kernpunkte definieren, das reicht. Man kann nicht jede Eventualität juristisch ausdeklinieren. Das behindert einen im Tagesgeschäft."

Und noch ein Rat ist ihm wichtig: "Wer sein Produkt zugeschliffen und ein Go-to-Market-Modell hat, sollte rausgehen und verkaufen. Das ist wichtiger, als zuerst die potenziellen Förderstellen abzuklappern."


Viel künstliche Intelligenz steckt im Fuchsberger-Portfolio


  • CHATVISOR.COM Das Linzer Unternehmen bietet eine Kundenserviceplattform, deren Kern eine Screensharing-Technologie, genannt Co-Browsing, ist, die ohne Download funktioniert und DSGVO-kompatibel ist.
  • APPRADAR.COM Wer unter Tausenden Apps in den App-Stores prominent gefunden werden will, muss App-StoreOptimierung (ASO) betreiben. Die Grazer Spezialisten machen das mit KI-Komponenten hochautomatisiert und sehr erfolgreich.
  • LEFTSHIFT.ONE Ebenso in Graz wird die KI- Plattform G.A.I.A. entwickelt, die Texte verstehen, Bilder erkennen, Sprache in Text verwandeln oder Emotionen aus Daten lesen kann. Auf diese KI setzen u. a. Auto-, Pharmaindustrie und McDonald's.
  • SYMFLOWER.COM Die Linzer arbeiten wie Tricentis am Testingmarkt, spezialisiert auf sogenannte White-Box-Tests. Sie schaffen beim Softwareentwickeln bessere Codequalität und 30 bis 40 Prozent mehr Produktivität.


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