Radeln auf vollen Touren - Bikemap erhält Finanzspritze

Radeln auf vollen Touren - Bikemap erhält Finanzspritze

RADELN MIT BIKEMAP. "Bei uns sucht und findet man Radtouren", erklärt Christof Hinterplattner, CEO von Bikemap, einem Wiener Start-up, das Investoren soeben mit 700.000 Euro ausstatteten.

Start-up. Rechtzeitig vor seinem Relaunch hat sich das Wiener Start-up Bikemap prominente Investoren mit auf den Sattel geholt.

Dass er im richtigen Rennen ist, weiß Christof Hinterplattner spätestens seit Anfang April 2015. Da meldete sich Markus Wagner bei ihm, der inzwischen im Silicon Valley lebende Gründer des in Wien ansässigen Inkubators i5invest. Wagner wollte mehr über Bikemap wissen, das wenige Wochen davor als GmbH gegründete Radtouren-Portal, bei dem Digitalprofi Hinterplattner als geschäftsführender Gesellschafter andockte. "Markus hat uns dann über Monate hinweg intensiv unterstützt", erzählt der ehemalige Digitalchef von Eva Dichands Verlagshaus AHVV, der dort unter anderem Angebote wie netdoktor.at verantwortete.

Aus Business-Coaching ist mehr geworden: Kurz vor einem Komplettrelaunch von Bikemap am 1. April ist eine Reihe prominenter Investoren in das Start-up mit Sitz im fünften Wiener Gemeindebezirk eingestiegen. Neben den Gründern Peter Eich und Helge Fahrnberger und dem Anfang 2015 hinzugekommenen Hinterplattner, die zusammen insgesamt 76 Prozent halten, sind nun auch der Wiener Frühphasen-Fonds Speedinvest, Wagner, Alexander Igelsböck von Adspired, der von Jumio gekommene Thomas Kastenhofer und der Oberösterreicher Jürgen Habichler, Gründer der Schweizer Mountain Cleantech Invest, beteiligt. Mit der Seed-Runde im Volumen von 700.000 Euro "sind wir in jedem Fall bis Ende des Jahres ausfinanziert", sagt der Bikemap-Chef.

Über 500.000 registrierte User zählt das Portal, das ein Musterbeispiel für User-generated Content ist. 2,8 Millionen Routen in 80 Ländern haben Fahrradliebhaber bisher erstellt, das Routennetz umfasst über 240 Millionen Kilometer - vom Donauradweg bis zur Alpenüberquerung, von der Innenstadt-bis zur Geländetour.

"Wir sind kein Leistungsvergleichstool", stellt der CEO klar, "bei uns sucht und findet man Touren." Im neuen Design ist das Angebot Multi-Device-fähig, das heißt, gespeicherte Informationen können auf allen Endgeräten synchron verwendet werden, ohne die Daten abgleichen zu müssen.

Das Rennrad ist also fertig gebaut, nun heißt es in die Pedale treten, um möglichst schnell das Gelbe Trikot der Branche überstreifen zu können. Denn auch andere Angebote wie das deutsche Portal Komoot versuchen, die begeisterungsfähige Biker-Community an sich zu binden.

Das Winner-takes-it-all-Prinzip zwingt zu einem schnellen globalen Roll-out. "Unser Ziel sind natürlich stark wachsende Userzahlen", sagt Hinterplattner, der in einigen Jahren "mehrere Millionen" Nutzer haben will.

Und ab Mai wird auch mit der Monetarisierung von Bikemap ernst gemacht. Auf noch näher zu definierende Zusatzdienste soll man künftig gegen eine Monats-oder eine Jahresgebühr zugreifen können. Denkbar sind etwa Routen-Visualisierungen. Schon jetzt stark nachgefragt sind Offlineprodukte: Wo Roaminggebühren drohen oder schlechter Empfang zu befürchten ist, sind gedruckte Routenkarten eine sichere Lösung.

Mit fast kindischer Freude verweist Hinterplattner auch auf ein aktuelles, zukunftsweisendes Projekt, das Bikemap bei der Forschungsfördergesellschaft (FFG) eingereicht hat. Darin geht es um die Visualisierung der Bodenbeschaffenheit. "Die Technologie erkennt zum Beispiel Schotter und Asphalt", erklärt er. Ein solch innovatives Zusatzfeature könnte zudem nicht nur für Radfahrer interessant werden.

Dass Sportler, die Tausende Euro für ihre Sportgeräte ausgeben, auch einige Euro für ein Angebot wie Bikemap übrig haben, daran hegen die Investoren keinen Zweifel. Auf acht Milliarden Euro wird allein der deutsche Fahrradmarkt geschätzt. "Mittlerweile stellen sogar Skigebiete in Richtung Fahrrad um", beobachtet Hinterplattner. Für das bevorstehende Rennen dürfte sein achtköpfiges Bikemap- Team jedenfalls gut gerüstet sein.


Die Geschichte ist im trend Nr. 13/2016 am 1. April 2016 erschienen
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