Österreichs Start-ups bekommen kleine Stücke vom Investorenkuchen

Österreichs Start-ups bekommen kleine Stücke vom Investorenkuchen

Europas Start-up-Szene kann sich über das Engagement von reichliche vielen Geldgebern freuen. 2018 konnten die Jungunternehmer so viel Geld einsammeln wie noch nie. Die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr beläuft sich auf elf Prozent. Österreichs Start-ups kommen derzeit nicht an die großen Geldtöpfe ran.

Die Risikogeldgeber präsentierten sich im Jahr 2018 für Europas Start-up-Szene erneut in Spendierlaune. Ungeachtet der Eintrübung der Konjunktur haben die Kapitalgeber im Jahr 2018 nochmals nachgelegt und mit rund 21 Milliarden Euro um elf Prozent mehr in Start-ups investiert als noch im Vorjahr. Die Zahl der Finanzierungsrunden ist laut EY-Start-up-Barometer um 15 Prozent auf 4199 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Zu den Start-ups zählen Unternehmen, die nicht älter als zehn Jahre sind.

Investitionen in europäische Start-ups, 2015 bis 2018
(Anzahl und Wert der Finanzierungsrunden in Europa pro Halbjahr)

Investitionen in europäische Start-ups, 2015 bis 2018 (Anzahl und Wert der Finanzierungsrunden in Europa pro Halbjahr)

Im EY-Länderranking liegt Großbritannien trotz des bevorstehenden Brexit an der Spitze. Über insgesamt 7,2 Milliarden Euro flossen an die aufstrebende Branche auf der britischen Insel, was gegenüber dem Jahr 2017 eine Steigerung um zwölf Prozent bedeutet. Auf Rang zwei folgt Deutschland mit einem Volumen von insgesamt 4,6 Milliarden Euro, was sieben Prozent mehr bedeutet als im Jahr davor.

Den größten Anstieg konnte Frankreich verzeichnen, was sich auch im Ranking niederschlägt. Frankreich rangiert nun auf Rang drei. Die Start-up-Investitionen konnten um 31 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro erhöht werden, was letzten Ende auch auf deutlich verbesserte Rahmenbedingungen zurück zuführen ist. Zudem hat sich Frankreich eine Strategie verordnet zur Start-up-Nation Nummer Eins in Europa aufzusteigen.

Österreich kommt im Länderranking des Investitionsvolumens auf Rang 15. Die Jungunternehmen konnten 2018 mit 173 Millionen Euro rund ein Drittel mehr Kapital als im Jahr davor einsammeln. Österreich hat trotz eingesammelter Rekordsumme noch einen deutlichen Aufholbedarf, trotz kräftigem Zuwachs im Vorjahr.

Auch bei der Zahl der Finanzierungsrunden zeigt der positive Trend nach oben. Nach 35 Finanzierungsrunden im Jahr 2017 waren es 2018 mit 71 mehr als doppelt so viele Runden. Österreich liegt auch hier auf dem 15. Platz.

Investitionen in europäische Start-ups

Investitionen in europäische Start-ups

Das kleine Stück am großen Kuchen

Das Manko der heimischen Start-up-Szene: Große Deals gibt es hierzulande kaum. "Immer mehr heimische Jungunternehmen bekommen frisches Kapital. Bei aller Euphorie dürfen wir aber nicht übersehen, dass es in Österreich viele kleine Finanzierungen gibt", analysiert Thomas Gabriel, Partner und Leiter Start-up bei EY Österreich.

Zum Vergleich: Konnte TourRadar als Spitzenreiter in Österreich rund 41 Millionen Euro am meisten Geld lukrieren, hat der britische Luxus-Onlinehändler FarFetch mehr als das 14-fache eingesammelt.

FarFetch hat bei seinem Börsengang 583 Millionen Euro erzielt. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit der Gebrauchtwagen-Plattform Auto1 (460 Millionen Euro) und dem Bekleidungs-Start-up About You (264 Millionen Euro) zwei deutsche Start-ups. Auf den Rängen vier und fünf rangieren zwei weitere britische Start-ups. Funding Circle lukrierte 230 Mio. Euro, Greensill Capital erlöste 217 Mio. Euro.

London Spitze – Wien rutscht aus Top-20

Im europäischen Städteranking liegt London mit fünf Milliarden Euro und einem Zuwachs von drei Prozent gegenüber 2017 weiterhin auf dem ersten Platz – mit großem Abstand vor den beiden Verfolgern Berlin (2,6 Milliarden Euro) und Paris (2,5 Milliarden Euro).

Paris ist aber auf der Überholspur und könnte im laufenden Jahr die deutsche Hauptstadt überholen. Die Berliner Start-ups hatten im Vorjahr Einbußen hinnehmen müssen. Um insgesamt zwölf Prozent ist weniger Kapital in die Start-ups geflossen. Hingegen konnte Paris mit einem Zuwachs um 39 Prozent kräftig zulegen.

Bei der Zahl der Transaktionen hat die französische Hauptstadt gegenüber Berlin bereits die Nase vorn: 366 Start-up-Investitionen wurden 2018 gezählt, in Berlin waren es 244. London liegt mit 623 Finanzierungen weiterhin klar in Führung.

Wien hat beim Investitionsvolumen einen Rückgang zu verzeichnen. 2018 wurden mit 104 Millionen Euro um 15 Millionen Euro weniger in Start-ups in Österreichs Bundeshauptstadt investiert. Im Ranking ist Wien aus den europäischen Top-20 rausgeflogen und landet nun auf Platz 26.

Bei der Anzahl der Finanzierungsrunden gab es in Wien hingegen fast eine Verdoppelung von 23 auf 43 – das bedeutet Platz 15 im europäischen Ranking.

Städteranking - Zahl der Deals

Städteranking - Zahl der Deals

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